FRÖHLICH'S AUF TOUR MIT BoB

 The MAN, TGM 13.290

 

2014, September - Oktober, Peru/Bolivien und Chile


2014

Zürich/Lima - Cusco

km

Koordianten/Uebern'ort/MüM

22.09.2014/Mo

Zürich - Lima, Flug mit KLM

0

0

23.09.2014/Di

Lima (MAN)

0

-12.051361S, -76.975718W/174

24.09.2014/Mi

Lima - Paracas

326

-13.831429S, -76.247535W/10

25.09.2014/Do

Paracas - Nasca

230

-14.838002S, -74.944474W/619    

26.09.2014/Fr

Nasca - Sanayca/Apurimac

367

-14.174328S, -73.211806W/2700

27.09.2014/Sa

Sanayca/Apurimac - Cusco

301

-13.505915S, -71.985042W/3629

28.09.2014/So

Cusco

0

-13.505915S, -71.985042W/3629


Wochenbericht  22. - 28.09.2014 / Zürich/Schweiz - Cusco
Chrigi, Daniela, Fara und Calou bringen uns zum Flughafen. Nicht ganz so einfach der Abschied! Mit KLM geht es via Amsterdam nach Lima und wir landen pünktlich um 18 Uhr Ortszeit.


Da wir kein Hotelzimmer gebucht haben, suchen wir auf dem Flughafen vergebens nach einer Information. Wir finden aber eine Dame mit Badge „Tourguide“. Sie hilft uns gerne, organisiert uns ein Zimmer im Hotel Copacabana (günstig, einfach und sehr sauber) sowie den Taxitransfer. Sie begleitet uns zum Hotel und ist auch noch dafür besorgt, dass wir am nächsten Morgen abgeholt und nach Santa Anita zu MAN gefahren werden.
Um 6 Uhr holt uns Pepe mit seinem Taxi ab. Wir wollen dem grossen Verkehr ausweichen, deshalb so früh. Schon um 6.30 kommen wir bei MAN an – Öffnungszeit 8 Uhr! Glücklicherweise kommt Daniel H., der Werkstattchef bereits um 7 Uhr zur Arbeit und wir dürfen mit ihm ins Gelände und zu Bob. Der steht hier auf drei Rad, an einem muss noch gearbeitet werden. Reisetaschen auspacken, einräumen, organisieren, installieren – genügend Zeit haben wir dafür. Am frühen Nachmittag werden wir zur Mall gefahren, der Hunger plagt uns. Wieder bei MAN – Bob steht in der Waschstrasse und wird geschruppt. Wir erledigen noch das Finanzielle und können kaum fassen, was wir bezahlen müssen. Für zwei Tage Arbeit an Bob inklusive benötigte Ersatzteile und zwei Monate parken/einstellen – total US$ 210.-. Wir haben ein schlechtes Gewissen und erhöhen den Betrag auf $ 310.- für Trinkgelder an Mechaniker und Büropersonal. Die erste Nacht im Bob verbringen wir wiederum vor dem Werkgebäude, gut bewacht durch die Sicherheitsleute von MAN. 




Wegen der Zeitumstellung sind wir früh wach und fahren noch vor dem grossen Verkehr nach Miraflores, dem Geschäftszentrum von Lima mit Shopping-Meilen, Kinos, Hotels usw. Wir folgen der Malécon (Strandpromenade) di Marina und de la Reserva und sind platt über die wunderschön angelegten Parkanlagen, welche sich über mehrere Kilometer hoch über dem Meer auf der Steilküste entlang ziehen. Lima hat viele schöne Gegenden, leider aber auch viele hässliche. Dies haben wir ja bereits bei der Einfahrt vom Norden her auf der Panamericana, wie auch jetzt bei der Ausfahrt auf der Panamericana festellen müssen. Wieder geht es durch karge Sand-, Stein- und Wüstenlandschaft in Richtung Süden. Die zahlreichen Badeorte sind wie ausgestorben, Saison ist hier von Dezember bis März. In der Gegend von Chincha Alta sind einige Baumwollfelder, Artischockenplantagen und Spargelfelder zu sehen und zudem werden hier auch Wein und der Traubenschnaps Pisco, für das peruanische Nationalgetränk „Pisco Sour“, produziert.


Bereits zur Mittagszeit kommen wir in Paracas, unserem heutigen Reiseziel an. Das Meer ist unruhig und der Wind bläst so stark, dass keine Bootstouren zur Halbinsel Paracas durchgeführt werden. Als Alternative geht es mit dem Führer Vincente auf eine Rundfahrt im Bob zur Halbinsel Paracas. Wir besuchen das Museum, fahren kreuz und quer durch einmalige Wüsten- und Dünenlandschaften, mach einige kleinere Spaziergänge zu Miradores, sehen wunderbare Sandstrände und steile Klippen – ein Ausflug, der sich auf jeden Fall gelohnt hat.


Einzig, den riesigen Dreizack „El Candelabro“, eine Geoglyphe, wie sie in Nasca zu sehen sind, bekommen wir nicht zu Gesicht, da dieser nur vom Boot aus gesehen werden kann. Im Jahre 1927 entdeckte der peruanische Archäologe Julio C. Tello auf der Halbinsel Paracas ein riesiges Gräberfeld mit in feinsten Tüchern eingewickelten Mumien, bei denen auch Gegenstände des täglichen Lebens wie Werkzeuge und Waffen, Schmuck und sogar Lebensmittel lagen. Sie wurden einer eigenständigen Kultur der Paracas-Kultur (1000 v.Chr. bis 200 n.Chr.) zugesprochen. Monatelang hatte Tello auf der Halbinsel gegraben und barg dabei einige der sehenswertesten alten Textilarbeiten Südamerikas. Nach der Rückkehr zu unserem Übernachtungsort noch einige Gespräche mit weiteren Südameriakreisenden – Familien mit Kleinkindern aus Berlin und Guadeloupe – und ein feines Nachtessen im hübschen Dorf Paracas.
Die Panamericana führt bis Ica durch prächtige Sanddünen, wobei an einigen Streckenabschnitten neue Bäume gepflanzt wurden, wohl um die Wüste etwas zu „begrünen“. Kurz vor Nasca besuchen wir das Museo Sitio de Maria Reiche. Die deutsche Mathematikerin und Geographin Dr. Maria Reiche, geboren 1903 in Dresden, kam 1932 nach Peru und begann in den 1940er Jahren mit dem Studium der Nasca-Linien. Sie widmete ihr Leben ihrer Entschlüsselung und hielt die riesigen, perfekt proportionierten Zeichnungen für komplizierte Sternkarten. Kurz vor ihrem Tod 1998 kam sie zu dem Schluss, dass sie ein riesiger astronomischer Kalender seien, mit dem die Nasca mit ihren Göttern kommunizierten, um auf diese Art um Wasser für die Ernte zu bitten. 1950 veröffentlichte sie, zusammen mit Dr. Paul Kosok, das erste Werk über die Nasca-Linien: „Ancient Drawings on the Desert of Peru“. 1976 liess Maria Reiche auf eigene Kosten einen 11 m hohen Aussichtsturm an der Panamericana errichten.


Von diesem aus sind drei Figuren zu sehen – Hände, Baum und Eidechse. Ganz anderer Meinung als Dr. Maria Reiche ist unser Herr von Däniken, welcher übrigens seit 1979 Ehrenbürger der Stadt Nasca ist. Er meint, dass die Geoglyphen von Ausserirdischen erschaffen worden sind. Von Däniken trug aber auf jeden Fall dazu bei, dass das Bilderbuch im Wüstensand international bekannt wurde. Es ist heute UNESCO Weltkulturgut. Direkt auf dem Flughafen buchen wir einen gut halbstündigen Rundflug und lassen uns die verschiedenen Linien, Bodenmarkierungen, Tiere und Zeichen von der Luft aus erklären. Wir sehen unter anderen den Astronaut, den Hund, den Condor, die Spinne usw. Der Flug mit der Cessna der Gesellschaft Airplanes (mit einem KapitänPilot mit Haaren wie ein Persianerschaf!) hat sicher auf jeden Fall gelohnt.


Die Nasca-Kultur hatte ihre Blütezeit im 6. Und 7. Jahrhundert. Wegen des trockenen Klimas und der Wasserknappheit wurden, wahrscheinlich von den Nasca, zur Bewässerung der Felder genial konstruierte und zum Teil unterirdische wasserführende Stollen geschaffen, die von den Anden hunderte von Kilometern herabführten. Typisch für die Nasca-Kultur ist auch, dass die Toten in birnenförmigen Löchern, zusammen mit bemalten Gefässen bestattet wurden, wo sie dann im Wüstenboden mumifizierten.
Gegen Abend unternehmen wir noch einen kurzen Stadtbummel und geniessen ein feines Nachtessen im empfehlenswerten Restaurant Mamashana.
Nach Nasca steigt die Strasse stetig an und in vielen sehr gut ausgebauten Kehren gelangen wir nach gut etwa 80km ins 3800m hoch gelegene Reserva National Pampa Galeras. Hier gründete Deutschland bereits 1965 eine Forschungsstation für Vikuñas, um sie vor dem Aussterben zu retten. Vikuñas waren für die Inka einst heilige Tiere und stehen heute noch unter Schutz. 1980 wurde die Station von der peruanischen Regierung und peruanischen Wissenschaftlern übernommen.


Heute leben im Nationalpark von Pampa Galera wieder über 30.000 Vikuñas. Zahlreiche dieser zierlichen Tiere sind aus der Nähe zu sehen. Bald gelangen wir auf den ersten Pass, den Abra Condorcenca auf 4390müM. Was uns gar nicht gefällt: Bob gibt eine Warnung – Motorsteuerung ausgefallen. Wir halten an, lassen ihn ein paar Minuten ruhen und können weiterfahren ohne weitere Meldung. Wieder hinunter auf 3210m nach Puquio und weiter durch eine tolle Hochebene mit zahlreichen Lagunas, schöner Steppenlandschaft und grossartige Andenszenerie. Über den Abra Huashuaccasa auf 4200m und hinunter nach Chalhuanca bis zum Hotel Tampumayu (bei km 361) mit einer schönen Anlage mit kleiner Kirche, freilaufenden Alpakas und Pfauen. Hier treffen wir auf eine Deutsche/Schweizer Reisegruppe, unterwegs mit „Alaska-Peru-Tour“. 

Durch das Schlucht artige Tal des Rio Pachachaca geht es bis Abancay (2380m), einer lebendigen Andenstadt mit etwa 55.000 Einwohnern. Hier tanken wir, da wir befürchten, im einen Tank schlechten Diesel erwischt zu haben und deshalb Bob nicht ganz so „rund läuft“. Dann geht es hinauf auf den Abra Sorllaca auf 4000m, nach Carahuasi und hinunter der Schlucht des Rio Apurimac (ein Quellfluss des Amazonas) folgend bis Limatambo. Hier wird die Strasse neu gebaut und wir müssen auf etwa 10 Kilometer Schotter-, Stein- und Sandstrasse fahren. Nun geht es wieder steil hinauf auf den letzten Pass vor Cusco, den Abra Huillique auf 3700m. Immer wieder werden wir überholt von wahnsinnigen Busfahrern, die auch auf dieser Strecke Kopf und Kragen der Passagiere riskieren. Wir sind froh, auf dem Pass angekommen zu sein, Bob stottert immer wieder und wir werden wohl in Cusco eine Garage aufsuchen müssen. In Cusco fahren wir durch das San Blas Quartier bis hinauf zum Camping Quinta Lala, unserem Zielort für die nächsten Tage.  
Am Morgen regnet es und dies gibt uns die Gelegenheit diverse Arbeiten zu erledigen, Wäsche zu machen usw. Am frühen Nachmittag geht es zu Fuss in die Stadt (mit Astrid, Christoph, Linus und Io aus Wien – www.bieros.at).


Die malerische Stadt mit ihren spanischen Bogen und Plätzen und den wunderbar geschnitzten Holzbalkonen wurde 1983 zum UNESCO Welterbe erklärt. In der Kolonialarchitektur der Stadt zeigt sich spanische Vergangenheit, während die exakt gehauenen Steinhauern daran erinnern, dass es die Inka waren, die die Stadt gegründet haben. Beim einstigen Inka-Palast und heutigem Erzbischöflichen Palais, in der Gasse Calle Hatunrumiyoc kann man die Kunst der fugenlosen Verblockung riesiger Steine bewundern. Es ist die längste und besterhaltene Mauer der einst monumentalen Inka-Architektur Cuscos. Der Paradestein dieser Buckelquader hat nicht weniger als zwölf Ecken und wurde exakt passgenau in das Mauerwerk eingefügt. An der Plaza de Armas stehen die imposante Kathedrale, aussen ein Renaissancebau und innen barock und die Iglesia de la Compañia mit ihrer Prachtfassade. Beide Kirchen sind über den Grundmauern inkaischer Tempel aufgebaut. Unter den Arkaden rund um den grossen Platz hat es zahlreiche Souvenirläden und Restaurants. Mitten auf dem Platz steht ein Brunnen mit der Quechua-Inschrift „kosko hatun llacta“ – „herrliche Stadt Cusco“. Bis anhin ist dies tatsächlich die schönste Stadt in Peru die wir besuchen. Morgen wollen wir noch mehr sehen.

 

Kurzgeschichte 15/2014 – Pisco Sour, unser Lieblingsapéro
Absolut Spitze ist das teuflisch-süffige peruanische Nationalgetränk Pisco Sour, ein Traubenschnaps gemixt aus Limettensaft und Zuckersirup, frischem Eiweiss und einigen Tropfen Angostura. Serviert wird er mit einem Stäubchen Zimt. Ein doppelter Pisco heisst „Catedral“. Es gibt verschiedene Qualitäten, doch nur der Pisco Puro (Puro de Ica) aus der Quebranta-Rebe gilt als echt. Weitere Sorten: Pisco Aromatico, Pisco Verde (Mosto Verde), Pisco Aromatizado (mit Mango, Zimt und Chirimoya) und Pisco Acholado. Lecker soll auch der Pisco mit Kokosmilch oder anderen Fruchtsäften sein. Wir haben bis anhin nur Pisco Sour getrunken und der ist wirklich fein und macht gute Laune!!!



2014

Cusco - Machupicchu - Cusco

km

Koordinaten/Uebern'ort/M.ü.M.

29.09.2014/Mo

Cusco (Garage Nilo)

19

?

30.09.2014/Di

Cusco (Garage Nilo)

0

?

01.10.2014/Mi

Cusco (Garage Nilo / Quinta Lala)

45

-13.505915S, -71.985042W/3629

02.10.2014/Do

Cusco - Ollantaytambo

107

-13.263448S, -71.985042W/2821

03.10.2014/Fr

Ollantaytambo - Machu Picchu

0

-13.263448S, -71.985042W/2821

04.10.2014/Sa

Ollantaytambo - Cusco

180

-13.505915S, -71.985042W/3629

05.10.2014/So

Cusco

0

-13.505915S, -71.985042W/3629

 

Wochenbericht  29.9. – 05.10.2014 / Cusco – Machu Picchu – Cusco
Gegen 9 Uhr kommt Nilo, der Mechaniker, zum Campingplatz Quinta Lala und lässt sich von Ernest das Problem mit Bob erklären. Nilo meint, die sei nur eine kleine Sache. So fahren wir mit Bob zur Werkstatt von Nilo, welche hinter dem Flughafen liegt. Nilo und einer seiner Mitarbeiter sehen sich den Motor genauer an. Nilo stellt schnell fest, dass das Problem beim Turbolader liegt. So fangen die beiden an, Teile des Motors auseinander zu nehmen und tatsächlich sieht man bald einmal, wo der Motor resp. die angeflanschten Teile die so wichtigen Abgase für den Antrieb des Turboladers verliert und somit zu wenig Leistung erbringt. Verschiedene Teile werden zu einem anderen Mechaniker gebracht und dieser frässt über Nacht neue Gewinde in die Gussteile. Die Dichtungen sollten eigentlich auch ersetzt werden, es sind jedoch keine neuen aufzutreiben und so werden eben die alten wieder eingebaut. Nilo meint, das ganz werde 8 Jahre halten und Ernest staunt, wie Nilo auf diese Zeitdauer kommt. Nicht ungefähr 8 Jahre, nein offensichtlich genau 8 Jahre – wir werden sehen. Der halbe Motor liegt auf einem Tisch, die Schrauben in einem Oelkübel zum Reinigen und die restlichen Teile in verschiedenen Behältern. Hoffentlich wissen die dann noch, was wohin gehört. Ernest lässt sich alles genau erklären und verbringt seine Zeit mit dem Reinigen der Reling und der Solarpannel auf dem Dach unseres BOB. Ich nehme meine „Lismete“ hervor und verbringe so meinen Tag. Beim Kochen des Nachtessens geht dann auch noch das Gas aus (Nilo organisiert einen Refill am nächsten Tag) und so gibt es heute einen „kalten Znacht“. Diese Nacht schlafen wir auf dem Werkstattgelände.    


         
Zum Arbeiten am Motor muss die Kabine gekippt werden. Über Nacht wurde diese aber wieder in Normalstellung gebracht. Beim neuerlichen Kippen hängt die Kabine blöderweise am Regenschutz an und reisst diesen ab. Das werden wir dann morgen flicken. Tatsächlich bringt Nilo bald einmal die Teile des Turboladers und beginnt mit der Arbeit. Zusätzlich werden noch die beiden Dieseltanks geleert und gereinigt, da darin Schmutz vermutet wird. Man kann und darf nicht zusehen, wie die beiden Tanks geleert, demontiert und anschliessend wieder montiert werden – aber es funktioniert. An diesem Morgen fahren auch Conny und Lutz mit ihrem Riesenschnauzer Dongo, welche wir auf dem Campingplatz kennen gelernt haben, auf das Werkstattgelände. Eine Spiralfeder ihres Landrover Defenders ist gebrochen und muss ersetzt werden. Bald einmal fängt es an zu regnen, alle Teile werden mit einer Blache abgedeckt und ans Weiterarbeiten ist nicht zu denken, da Bob nicht unter Dach steht. Blöderweise haben wir auch noch die Fenster vorne offen gelassen. Diese können nicht geschlossen werden, da die Batterien abgehängt wurden. Auch bei Conny und Lutz geht es nicht vorwärts und sie müssen ebenfalls auf dem Werkstattgelände schlafen. Zusammen verbringen wir aber einen netten Abend im Trockenen in unserem Bob. 
Am nächsten Morgen scheint die Sonne wieder und es kann vorwärts gehen. Auch der Mitarbeiter von Nilo, welcher gestern einen Kurs besucht hatte, ist heute wieder hier und siehe da, es wird gearbeitet, was das Zeug hält. Wir steigen heute erneut aufs Dach und versuchen, den Regenschutz wieder zu montieren. Das gelingt soweit auch recht gut, bis sich der Mitarbeiter von Nilo daran festhält und diesen wieder abreisst. Ernest nimmt bis anhin alles sehr gelassen, auch wenn man merkt, dass er innerlich angespannt ist. Zum Ausraster kommt es erst, als beim Rückwärtsfahren eines alten Buses dieser in unser Wohnmobil fährt. Drei Hilfsmechaniker stehen herum, ihre Anweisungen sind aber ungenau und widersprüchlich und so kommt es zur Kollision – glücklicherweise nur zu einem kleinen Schaden. Ernest, auf dem Dach von Bob, kann sich nicht mehr beherrschen und flucht auf gut Schweizerdeutsch diese“ Idioten“ da unten an. Wann hört all dieser Mist endlich auf. Nilo hat uns versprochen, dass wir heute wegfahren können. Um etwa 14 Uhr geht es dann tatsächlich auf eine Probefahrt hinauf ins Hinterland - mit den beiden Mechanikern an Bord - und Bob läuft wie geschmiert. Die Tanks werden mit Diesel der Firma Primax (beste Tankstelle in Peru) randvoll gefüllt und es geht nochmals für einen weiteren Check in die Werkstatt und tatsächlich fahren wir gegen Abend zurück ins Quinta Lala. Irgendwie sind wir erschöpft und gehen sehr früh ins Bett. Nilo hat hervorragende Arbeit geleistet – besten Dank.
Wir entscheiden uns, in die Berge zu fahren und uns Machu Picchu anzusehen. Diese Sehenswürdigkeit ist nicht allzu weit entfernt (nur eine Tagesreise) und im Falle, dass mit Bob doch nicht alles in Ordnung ist, könnte erneut Hilfe von Cusco angefordert werden. Natürlich sind unsere Ohren immer sehr offen und jedes Geräusch wird registriert! Bob läuft aber ganz toll und macht keine Probleme. In Urubamba zweigen wir noch ab nach Yucay und besuchen Michi und Ursi mit ihren Hunden Sheela und Miro. Mit den beiden haben wir schon längere Zeit Mailkontakt und Informationen betreffend Reisen mit Hunden ausgetauscht. Gesehen haben wir uns auch schon einmal kurz auf dem Markt in Otavalo, allerdings ohne einander erkannt zu haben. Michi und Ursi (www.pawsontour.com) haben in Yucay ein Haus für ein paar Wochen gemietet und machen Pause vom Reisen. Auch Ursis Mutter ist anwesend – sie ist zwei Monate mit Michi und Ursi herumgereist. Wir geniessen einen kleinen Vesper und merken einmal mehr, wie klein die Welt ist: Nach nicht einmal 10 Minuten „quatschen“, stellen wir fest, dass wir einen gemeinsamen Freund haben resp. hatten: Franz Voney. Allerdings mussten wir leider erfahren, dass Franz Voney letztes Jahr verstorben ist. Nach dem Besuch geht es weiter nach Ollantaytambo und wir fahren durch die engen Strassen direkt zur Bahnstation. Bei Inka Rail buchen wir eine Fahrt für den nächsten Tag nach Aguas Caliente und dürfen auf dem Parkplatz der Bahngesellschaft parkieren und übernachten. Bereits hier in Ollantaytambo befindet sich eine sehenswerte Festung. Mehrere Steinterrassen, die zum Schutz des Tals vor Invasoren gebaut wurden, führen den Hügel hinauf zur Festung Araqama Ayllu. Das Bollwerk umfasst den Sonnentempel, Königssaal, die Prinzessinnenbäder und den Intihuatana, der den Weg der Sonne nachzeichnet. Obwohl er unvollendet blieb, ist der Sonnentempel eines der schönsten Beispiele der Inka-Baukunst. Sechs rosafarbene Monolithen, die bei Sonnenaufgang leuchten, sind perfekt ineinandergefügt. 


Früh am Morgen steigen wir in den Zug und fahren im Urubambatal hinunter in Richtung Aguas Caliente. Bald einmal ändert sich die Vegetation und die Fahrt geht, entlang dem Urubamba, durch schönes Dschungelgebiet (dies war für Ernest eine grosse Ueberraschung, erstens weil er glaubte, der Zug würde Richtung Machu Picchu hinauffahren und zweitens keinesfalls tropische Vegetation auf dieser Strecke in relativ grosser Höhe vermutete). Bei Ankunft in Aguas Caliente ist dieses nicht besonders hübsche Touristendorf noch etwas verschlafen. Wir lösen das Busticket und auch den Eintritt zur wohl berühmtesten Sehenswürdigkeit Perus, Machu Picchu. Ein Bus fährt uns über viele Serpentinen steil hinauf zum etwa 2350 Meter hoch gelegenen Machu Picchu (alter Gipfel). Mit der Reiseführerin Ruth besuchen wir diese fantastische, guterhaltene Ruinenstadt inmitten steiler Schluchten hoch über dem Urubambatal. Auf der gut zweistündigen Tour zeigt uns Ruth unter anderem den Heiligen Platz, den Sonnentempel, die Wächterhütten und die Brunnen.


Die Inka machten sich eine natürliche Quelle auf einem Steilhang nördlich von Machu Picchu zunutze. Sie bauten einen 749 Meter langen Kanal, der das Wasser in die Stadt transportierte. Dort wurde es in 16 Brunnen geleitet, zur sogenannten „Brunnentreppe“. Das Wasser sammelt sich in Steinbecken des Brunnens, bevor es durch einen runden Abfluss in einem Kanal zum nächsten fliesst. Jeder dieser Brunnen besass einen rechteckigen Wasserspeier, aus dem ein Wasserstrahl in idealer Grösse für das Befüllen der „urpu“ (langhalsiger runder Tonkrug mit breiter Kante und schmalem Boden) floss. Auch die Erklärungen über die Baukunst, das Leben der Inkas in dieser Stadt usw. sind äusserst interessant. Traurig ist die Tatsache, dass vor einiger Zeit 15 Lamas in die Anlage gebracht wurden (den Touristen wegen). Leider sind bis auf 6 alle schon nach kurzer Zeit gestorben. Das Klima ist zu warm und nicht geeignet für diese Tiere. Bald einmal füllt sich die Inka-Stadt mit immer mehr Touristen. Jetzt zur Nebensaison sind „nur“ etwa 2000 bis 2500 Besucher pro Tag anwesend, in der Hochsaison (Juli und August) jedoch 4000 – 4500 Personen, welche das UNESCO-Welterbe, besuchen.


Am frühen Nachmittag fahren wir wieder hinunter nach Aguas Caliente und bummeln durch das auf Touristen ausgerichtete Städtchen mit vielen Souvenirläden und Restaurants und Bars.


Mit dem Zug geht es gegen Abend zurück nach Ollantaytambo. Das Nachtessen nehmen wir am Hauptplatz ein – eine Kurzgeschichte wert!
Auf der Rückfahrt nach Cusco besuchen wir Moray. Die Fahrt geht über eine schöne Hochebene mit sehr gepflegtem Ackerbau und schönem Blick auf die Cordillera Urubamba und dem schneebedeckten Salcantay, 6271m hoch. Auf den ersten Blick sieht Moray wie ein griechisches Amphitheater aus. Die Dimensionen sind überwältigend. Es soll sich hier um eine Art „Getreidelabor“ handeln, in dem die Inka wohl Kornarten, Bewässerung, Anbaubedingungen usw. testeten. Die vier sich überlappenden „muyus“ (leicht elliptische Terrassen) haben aufgrund unterschiedlicher Sonnenstände und Höhe jeweils eine andere Temperatur. Die grösste ist etwa 45m tief.


Die Terrassen wurden auf Stützwänden errichtet, mit Erde gefüllt und über ein Bewässerungssystem versorgt. Sie sollen Spuren von etwa 250 Getreide- und Gemüsesorten aufweisen. In jüngster Zeit spricht man aber auch davon, dass es sich vielleicht doch um eine Kult- und Zeremonienstätte gehandelt haben mag. Eigentlich wollten wir Moray nicht besuchen, wir würden dies aber sehr bereuen, es hat uns sehr gut gefallen!


Ursprünglich bezeichnete der Begriff „Inka“ nur den Herrscher. Heute meint man damit das ganze Volk. Es gab 13 Inka-Herrscher. Der erste war Manco Capac, der Sohn der Sonne, der Cusco im 12. Jahrhundert gründete. Die Inka breiteten sich um Cusco herum aus. Unter Pachacutec, dem 9. Inka (regierte 1438—1471), dehnte sich das Reich bis nach Chile und in die Zentralanden aus. Sein Sohn Tupac Yupanqui erweiterte das Gebiet von Quito in Ecuador bis Santiago in Chile. Sein Enkel Huayna Capac wiederum drang in den Norden nach Kolumbien vor und liess sich in Quito nieder, das er zur Hauptstadt des Nordens machte. In seiner Blütezeit um 1493 erstreckte sich das riesige Inka-Reich über 4800 Kilometer. Ganz in der Nähe des Campingplatzes Quinta Lala befindet sich Sacsayhuaman. Diese Stätte ist ein beeindruckendes Beispiel militärischer Inka-Architektur. Es besteht aus drei grossen terrassenförmig übereinander gebauten Zickzackmauern. Die immensen Granitbefestigungen erstrecken sich über ca. 300 Meter mit bis zu fünf Meter hohen Steinen, die bis zu 350 Tonnen wiegen. Diese Steine passen ganz ohne Mörtel fugenlos auf-, in und aneinander. 

Wir beschliessen, nochmals einen Ruhetag einzulegen und uns (endlich) Cusco noch näher anzuschauen. An der Plaza de Armas steht die Kathedrale. Der Bau begann 1560 und dauerte fast 100 Jahre. Die Kirche wurde auf dem Palast von Huiracocha, dem 8. Inka, mit rotem Granit von Sacsayhuman errichtet. Sie wird von zwei Seitenkapellen flankiert. In der Kirche befinden sich über 400 Gemälde der Schule von Cusco. Die als eine der wichtigsten Kunstströmungen Amerikas gepriesene „Escuela Cusco“ entstand aus dem Wunsch der spanischen Eroberer, die Einheimischen zum Katholizismus zu bekehren. Mit dem Sieg über die Inka machten sich verschiedene katholische Orden daran, die meist des Spanischen unkundigen Menschen zu missionieren. Sie importierten zahlreiche sakrale europäische Renaissancegemälde, darunter Werke von Bartolome Esteban Murillo, Peter Paul Rubens und Francisco de Zubaran. Die gestiegene Nachfrage lockte Künstler, die nach Aufträgen suchten, nach Peru. Die Darstellungen von Jesus, von Heiligen oder die der Kreuzigung dienten den Priestern als Anschauungsmaterial, mit dem sie ihre Predigten unterfütterten.


Die Kathedrale hat uns begeistert. Weiter haben wir auch die Iglesia de San Blas angeschaut. Die 1563 errichtete Kirche ist die älteste Gemeindekirche in Cusco. Die prachtvolle Kanzel ist ein tolles Beispiel für barocke Holzschnitzkunst. Vom Glockenturm aus, den man besteigen kann, geniesst man eine schöne Aussicht auf das San Blas Quartier. Gerne hätten wir uns noch das Museo Inka angeschaut, dieses ist aber leider am Sonntag geschlossen. Ernest hat ein feines Stück Rindsfilet auf dem Grill gebraten, Conny und Lutz waren unsere Gäste im Bob.

 

Kurzgeschichte 16/2014Ernest bestellt Cuy/Meerschweinchen!
Nach unserem tollen Ausflug nach Machu Picchu spazieren wir noch durch Ollantaytambo. Am Hauptplatz gibt es einige Restaurants. Ernest möchte endlich einmal Cuy (Meerschweinchen) probieren. Wir finden ein Restaurant mit Cuy auf der Speisekarte. Also, einmal Cuy für Ernest und einmal Gemüsesuppe für mich. Die Gemüsesuppe kommt prompt und schmeckt auch sehr fein. Dann kommt das Cuy!


Es liegt auf dem Teller mit Beinen und Kopf, ist ganz flach und besteht eigentlich nur aus Haut und Knochen! Fleisch findet man gar keines – kurzum ein ausgetrocknetes kleines Ding, absolut ungeniessbar. Ernest ist wirklich nicht heikel, er isst eigentlich alles und ich kann mich nicht erinnern, dass er jemals etwas zurückgegeben hat. Das hier ist aber zu viel: Die wollen mich „verarschen“, ich esse doch keine Ratte! Und so reklamiert er beim Kellner und gibt das „Ding“ zurück. Der Kellner besteht allerdings darauf, dass diese Zubereitungsart hier so üblich sei und es sich beim „Ding“ auf dem Teller um eine ausgesprochene Delikatesse handle. Ernest ist nicht zu überzeugen, er gibt eine weitere Bestellung auf: Pollo mit Frites – da weiss man was man hat!

 


2014

Cusco - Copacabana/Bolivia

km

Koordinaten/Uebern'ort/M.ü.M.

06.10.2014/Mo

Cusco - Puno

406

-15.823978S,-70.005423W/3834

07.10.2014/Di

Puno - Arequipa

322

-16.400463S,-71.542297W/2316

08.10.2014/Mi

Arequipa

0

-16.400463S,-71.542297W/2316

09.10.2014/Do

Arequipa - Puno

342

-15.823951S,-70.005443W/3831

10.10.2014/Fr

Puno (Ausflug Uros)

0

-15.823951S,-70.005443W/3831

11.10.2014/Sa

Puno - Copacabana/Bolivia

147

-16.166383S, -69.090091W/3818

12.10.2014/So

Copacabana

0

-16.166383S, -69.090091W/3818


Wochenbericht  06.-12.10.2014 / Cusco – Copacabana/Bolivien
Heute geht es weiter in Richtung Süden. Nochmals durch Cusco, tanken und dem fruchtbaren Tal des Rio Vilcanota folgend zum Templo de Wiracocha in Raqchi. Diese Ruinenstätte auf 3500 m Höhe zu Füssen des Quimsachata-Vulkans überrascht uns mit einem 100x25m grossen, ungewöhnlichen Tempel im Zentrum einer einst rechtwinklig angelegten Siedlung mit Häusern und runden Lagersilos, die von einer ursprünglich 6m hohen, heute noch vorhandenen Mauer umgeben war.

Die über 12 m hohe innere Stützmauer des Tempels und 21 kleine Säulenansätze sind gut erhalten. Säulen sind aber absolut untypisch für die Inkazeit. Ausserdem sind die Steine mit Lehmmörtel etwas „schlampig“ und oberflächlich verarbeitet. Ungewöhnlich war auch das einstige Satteldach des Tempels. Deshalb schliessen Archäologen auf ein Heiligtum aus der Präinkazeit und bringen es mit der Tiwanaku-Kultur in Zusammenhang. Ein hübsche und alleweil besuchenswerte Anlage, natürlich auch mit den dazugehörenden Verkaufsständen der Indigenen Bevölkerung, vorwiegend der Frauen mit ihren Trachten.



Sicuani, der grösste Ort zwischen Cusco und Juliaca durchfahren wir. Hier hat sich eine alte Frau keinen guten Platz zum Sitzen ausgesucht wie auf dem Bild ersichtlich ist.


Erst wollten wir in Aguas Calientes bei Occabamba, einen Halt einschalten. Da es aber bei und in den Quellen dermassen viele Besucher hat, fahren wir weiter auf dem Pass La Raya auf 4338 m und gelangen auf den berühmten Altiplano. Diese andine Hochebene zwischen 3500 und 4000 m Höhe zieht sich von hier über den Titicacasee bis weit nach Bolivien hinein. Viele Hunderte von Lamas und Alpakas weiden in der jetzt breiter werdenden und leicht abfallenden Hochebene. Unterwegs überholen wir den Touristenzug der Peru Rail, der Gäste von Cusco nach Puno bringt. In Juliaca sollen wir unbedingt die Umfahrungsstrasse nehmen – nur welche? Wir fragen und werden auf die Ostumfahrung gewiesen.


Diese entpuppt sich auf die wohl schlimmste Strasse die wir auf dieser Reise je gefahren sind. Für etwa 4km brauchen wir bestimmt eine gute halbe Stunde. Nur Wasser- und Schlammlöcher und Baustellendreck sondergleichen. Die Stadt hinterlässt gar keinen guten Eindruck bei uns. In Puno fahren wir, um zu unserem Stellplatz beim Hotel Sonesta Posada del Inca zu kommen, mitten durch die Stadt und mitten durch die Marktstrasse – alle nehmen es sehr gelassen! Im Hotel gibt es das wohl beste Nachtessen, das wir auf dieser Reiseetappe bekommen haben. Die Strecke zwischen Puno und Arequipa ist Landschaftlich wunderschön. Schiene und Strasse folgen hinter Juliaca (haben einen besseren Weg gefunden, die Stadt zu durchfahren, wertet diese aber trotzdem nicht auf!) dem Tal des Rio Cabanillas bis nach Santa Lucia, einem kleinen Dorf mit ultramodernem, tophässlichem Dorfplatz. Danach geht es weiter zur Laguna Saracocha auf 4200m und zur Laguna Lagunillas auf 4360m.


In dieser Laguna auf dieser Höhe können wir sogar Flamingos beobachten. Der höchste Punkt ist Crucero Alto mit 4500m. Immer wieder sehen wir grosse Herden von Vicunas, Lamas und Alpakas, die auf den kargen Weiden in der typischen Punalandschaft ihr Futter suchen. Dann geht es weiter durch eine Wüstenlandschaft abwärts auf gut ausgebauter Strasse über viele Windungen nach Arequipa. Wir stehen für zwei Nächte im Garten des Hostal Las Mercedes, mitten in der Stadt. In etwa 10 Minuten zu Fuss ist man direkt an der Plaza Principal/Plaza de Armas. Die Stadt gefällt uns ausserordentlich gut und ist die schönste Stadt, die wir in Peru bis anhin gesehen haben. Sie ist sauber und kann mit vielen schönen Kolonialhäuser, Gotteshäusern, Klöstern und Museen aufwarten. Auf der Terrasse eines Restaurants über den schönen Arkaden am Plaza Principal gibt es Pisco Sour zum Sonnenuntergang!


Eigentlich wollen wir heute eine Busrundfahrt machen. Da diese aber 4 Stunden dauert und die 2-stündige irgendwo in einem Vorort endet und man mit dem Taxi selber zurück in die Stadt muss, verzichten wir darauf. So besuchen wir erst einmal das wunderschöne Kloster Santa Catalina. Es ist in heutiger Zeit vielleicht etwas schwer zu verstehen, was Frauen vor ein paar Hundert Jahren in Arequipa am klösterlichen Leben so beeindruckte. Auf jeden Fall reichten die drei damaligen Klöster der Stadt nicht aus, um dem Andrang gerecht zu werden, so dass der Rat der Stadt beschloss, ein neues, sehr grosses Kloster zu bauen. Im Jahre 1579, weniger als 40 Jahre nach der Ankunft der Spanier in Arequipa, wurde das Kloster Santa Catalina de Siena gegründet, in das 150 Nonnen eintreten sollten.


Seit seinem Beginn traten Frauen aus unterschiedlichen sozialen Schichten in das Kloster ein, um als Klausurnonnen zu dienen und nie mehr in ihr Zuhause zurückzukehren. Zudem lebten zu dieser Zeit auch 400 Dienstmädchen, welche den Nonnen dienten in diesem Kloster. Der Öffentlichkeit blieb mehr oder weniger verborgen, was über 300 Jahre hinter den Tuffmauern geschah. Aus vulkanischem Sillargestein erbaut, ist es das wichtigste Zeugnis kolonialer Architektur in Arequipa. Die kontinuierlichen Erdbeben in dieser Gegend riefen einige Veränderungen in der Struktur hervor und machten es zu einem Gebäude mit einzigartigen Charakteristiken. In dieser „Stadt in der Stadt“ richteten die Nonnen private Zimmer ein und führten ein abgeschiedenes Leben fernab von der Zivilisation, die sie umgab. Zu diesem Zwecke wurde ein Teil der Altstadt geschlossen. Nach den zerstörerischen Erdbeben der Jahre 1958 und 1960 wurde das Kloster restauriert und am 15.8.1970, einem Feiertag in Arequipa, dem Publikum geöffnet, und zwar am 430. Jahrestag der Stadtgründung im Jahr 1540. Mit


Beginn der Restaurierungsarbeiten im Kloster, vor seiner Öffnung für das Publikum, fand man über die gesamte Ausdehnung von Santa Catalina verteilt eine grosse Sammlung von Gemälden mit vornehmlich religiösen Motiven, die Exponate der Malerei Perus sind. Ungefähr 400 Stück wurden einer Konservierungsbehandlung unterzogen, um jetzt ausgestellt zu werden. Die meisten Strassen oder Gassen in der Anlage werden nach spanischen Städten benannt, wie z.B. Calle Malaca, Calle Cordoba, Calle Toledo und Calle Burgos. Heute leben im Kloster nur noch 22 Nonnen. 15 davon sind zurzeit in Bolivien und unterstützen ein Hilfswerk. Durch das Kloster hat uns eine deutschsprechende Führerin geführt, leider hat sie so schnell gesprochen, dass man schon genau hinhören musste, um das Deutsch zu verstehen. Im Hintergrund konnte man durch Lautsprecher wunderschönen kirchlichen Gesang hören. Ernest hat unserer Führerin gefragt, ob dies „Live“ sei und tatsächlich von den nur 7 anwesenden Nonnen gesungen wurde. Dies wurde vehement bejaht! Beherrscht wird die Stadt durch die (gemäss unserer Führerin durch die Kathedrale) nicht mehr aktiven Vulkane in der nahen Umgebung, den 5822 m hohen kegelförmigen Misti, den 6057 m hohen Chachani und den kleineren und entfernteren Pichu Pichu. Auch erzählt sie, dass es in Arequipa täglich bis zu 22 kleine Erdbeben gibt. Diese seien nur zu spüren, wenn man ganz ruhig im Bett liegt und explizit darauf achtet. Einzigartig für Peru ist, dass die Kathedrale die gesamte Breite der Nordseite der Plaza einnimmt. Mit ihrem Bau wurde 1629 begonnen, ihre heutige endgültige Form erhielt sie aber durch den 1844 abgeschlossenen Wiederaufbau nach einem Brand. Nur wenige Jahre später wurde sie durch das starke Erdbeben von 1868 erneut schwer beschädigt.


Beim Erdbeben von 2001 ist der linke Glockenturm auf das Dach der Kathedrale herabgestürzt. Das Dach hat standgehalten und der Turm wurde bis 2004 wieder aufgebaut. Zum Ende des 19. Jahrhunderts ließ man für die innen wenig spektakuläre Kathedrale eine holzgeschnitzte Kanzel aus Frankreich und eine 12 Meter hohe Orgel aus Belgien anschaffen. Zudem wurde an vielen Stellen Marmor aus Italien verwendet. Die Kathedrale von Arequipa ist zudem eine der weniger als 100 Kirchen weltweit, denen es erlaubt ist, die Flagge des Vatikans zu hissen. Im dazugehörenden Museum sind zahlreiche sehenswerte kirchliche Artefakte aus vergangener und jüngster Zeit zu sehen. Nach so viel Kultur – zwei Pisco Sour auf der Dachterrasse bei Sonnenuntergang! 

Auf der gleichen Strecke geht es wieder zurück via Juliaca in Richtung Puno. Unterwegs besichtigen wir die Grabtürme von Sillustani. Das archäologische Gebiet von Sillustani liegt auf einer Halbinsel am Umayo-See, 32 km von Puno entfernt. Das Aymara-Wort Chullpa bedeutet „Begräbnisturm“. Für die Colla war Sillustani heilig.


Hier begruben sie ihre wichtigsten Persönlichkeiten und zwar mumifiziert und in Embryostellung in Tüchern eingewickelt. Die Steine für die Türme wurden von vier Steinbrüchen geholt. Da die Steine der Türme stark eisenhaltig sind, schlagen hier öfters Blitze ein. Darum stehen auch Blitzableiter herum. Ein weiteres ganz feines Nachtessen im Sonesta.
Mit einem Boot geht es bei strahlend blauem Himmel zu den schwimmenden Inseln der Uro-Nachfahren. Das Volk der echten Uro ist heute ausgestorben, wenngleich ihre Nachfahren versuchen, die Uro-Kultur zu erhalten. Von den Uro wird erzählt, dass sie sich Kot-suns, „Seemenschen“ nannten. Sie galten als das wildeste Volk im Inkareich und hatten eine sehr dunkle Hautfarbe. Die Inka konnten die Uro nie unterwerfen, da sie sich bei Auseinandersetzungen immer auf ihre Schilfinseln im Titicacasee zurückziehen konnten. Im 19. Jh. lebten noch etwa 4000 Familien auf den Schilfinseln, der letzte reinrassige Uro starb wahrscheinlich um das Jahr 1958.


Unser Führer Walter zeigt uns anhand eines Modelles auf einer Schilfinseln, wie eine solche Insel einerseits entsteht und wie darauf gelebt wird. Auf „unserer Insel“ leben 5 Familien, meist Eltern mit jungen Frauen und zwei Kleinkinder. Die Frauen stellen Textiles Handwerk her und die Männer kleine Boote, Schmuck usw., welches an Touristen verkauft wird und kümmern sich um die Instandstellung der Insel und der Gebäude. Die heutigen Uros leben vorwiegend vom Tourismus. Zwar erklärt uns Walter, dass die Uros auf Fischfang gehen, Vögel und Enten jagen und Teile einer Schilfpflanze essen. Wir hören aber auch von den jungen Frauen, dass diese einmal in der Woche mit dem Schiff nach Puno fahren und dort Einkäufe tätigen. Wir dürfen ein Haus besichtigen. Darin steht ein Bett, ein Gestell mit einem (sehr alten) Fernseher, ein Radio (werden mit Batterie betrieben), diverse Handarbeiten – sehr spartanisch, aber auch sehr ordentlich und hübsch. Gekocht wird draussen in einem speziellen Ofen, der wiederum auf einer feuchten Schicht Seegras, welcher in einen Block gepresst wird, steht. Die ganze Insel wird mit verschnürten Schilfrohrbündel gebaut und müssen etwa alle 6 Monate ausgewechselt werden, da sie sich mit der Zeit mit Wasser vollsaugen, schwerer werden und zu sinken drohen. Ständig müssen beschädigte oder verfaulte Teile ersetzt oder ausgebessert werden. Das Haupttransportmittel der Uro-Gemeinschaft sind ihre leichten Boote. Früher hab es nur Totora-Boote, heute werden diese durch Holz-, Kunststoff- und Motorboote verdrängt. Zum Bau eines kleinen Totora-Bootes wird Schilf zunächst zu Rollen zusammengepresst, die in der Mitte dicker sind. Anschliessend werden diese dann zu bootsförmigen Paketen mit spitzem Bug und Heck verschnürt. Der grösste Bootstyp ist das Chatcha, das bis zu 15 Personen oder dementsprechende Lasten transportieren kann.


Um ein solches Boot zu bauen dauert es etwa zwei Monate. Ein solches Boot kann etwa zwei Jahre gebraucht werden, ist dann angerottet und wird unbrauchbar. In solchen (neuen!) Booten werden heute die Touristen auf eine kleine Tour mitgenommen. Es war schöner Ausflug bei tollem Wetter und hat viele schöne Fotomotive hervorgebracht. Allerdings ist das ganze heute sehr „Touristisch“ aufgemacht. Ein „Abschlussnachtessen“ im Sonesta, morgen geht es weiter Richtung Bolivien.
Der Titicacasee ist mit einer Fläche von 8562 qkm fast 13 Mal grösser als der Bodensee und liegt 3810müM. Er ist der höchstgelegene schiffbare See der Erde und liegt inmitten des Altiplano zwischen Peru und Boliven (gut 30% der Seefläche gehören zu Bolivien). Weder mit dem Atlantik noch mit dem Pazifik hat er eine Verbindung. Der See ist 195 km lang, 65km breit und ist bis zu 304 m tief. Von Puno führt die Strasse zunächst dem See entlang. Hinter dem Dorf Juli eröffnen sich wunderschöne Blicke über den tiefblauen See und wir können schon die dahinterliegenden Eisriesen der Königskordilleren in weiter Ferne erblicken. Kurz nach Pomato biegt die Strasse Richtung Yunguyo ab und bald kommen wir zum Grenzort Kusani. Zuerst müssen wir unsere Ein-/Ausreisekarte stempeln lassen. Hier wird geprüft, ob wir uns nicht zu lange im Land aufgehalten haben. Dann in die Immigration und Abmelden, mit Stempel im Pass. Weiter zum Zoll und Bob’s Papiere für die Ausreise stempeln lassen. Es ist heute der 11.10., und wir müssten spätestens am 13.10. raus sein. Dies bemerkt der Zöllner und meint lachend, wir hätten gerade mal noch Glück gehabt, nach dem 13. hätten sie uns „die Kehle aufgeschnitten“! Dann weiter nach Bolivien. Bob wird auf dem Parkplatz abgestellt. Wir melden uns in Bolivien an und auch dieses Prozedere in der Douane mit Bob ist eine Sache von wenigen Minuten.


Bevor die Schranken gehoben werden, muss noch die Polizei kontrollieren ob alles in Ordnung ist. Nach einer kurzen Fahrt mit schönem Blick auf den Titicacasee kommen wir nach Copacabana und parkieren an der Strandpromenade. Es geht auf einen Spaziergang und wir wollen uns erkundigen, wann morgen Schiffe auf die Isla del Sol fahren. Hier bekommen wir zu hören, dass morgen Sonntag Wahlen sind und nicht’s läuft, aber gar nicht’s. Es dürfen auch keine Schiffe, keine Autos oder andere Fahrzeuge fahren – so hat es Herr Evo Morales verordnet! So entscheiden wir uns für eine sofortige private Schifffahrt mit einem älteren Kapitän mit eigenem Boot. Zuerst geht es quer durch die Bucht von Copacabana und der Küste entlang bis nach Yumani auf die Isla del Sol. Die kleine Insel mit ihren gut 2000 Bewohnern liegt doch etwa 20 km nördöstlich von Copacabana und die Schifffahrt dauert eine Stunde. Ursprünglich hiess die Insel Titicachi, davon leitet der Titicacasee seinen Namen ab. Auf der autolosen Insel gibt es einige Ruinen und viele terrassierte Hänge.


Leider fehlt uns die Zeit für eine kleine Wanderung und so bewundern wir die Escalera del Inka und den Inkabrunnen. In der Ferne können wir auch die Insel Isla de la Luna erblicken. Dort soll ein ungewöhnlicher Mondtempel oder „Tempel der Sonnenjungfrauen“ sehenswert sein. Bei Sonnenuntergang fahren wir zurück nach Copacabana und gehen noch kurz auf eine Einkaufstour. Hier gibt es noch ganz eigenartige Relikten zu sehen, wie z.B. ausgetrocknete Lamaembryos oder kleine vertrocknete Lamas in jeglicher Grösse – nicht wirklich ein schöner Anblick. Auch wenn Copacabana ein Touristenort ist, der Markt ist sehr authentisch geblieben. Volkstümlich ist auch der Franziskanerpater Bernardino, der Mo-Fr um 10 Uhr und 14.30 Uhr sowie am Sa/So um 10 Uhr vor der Kirche weit hergekommene und herausgeputzte Autos, geschmückt mit Girlanden, Blumen usw. mit Weihwasser segnet. Kurz vor dem Eindunkeln klopf Jonathan (haben wir in Cusco kennen gelernt) an unsere Tür. Er steht mit seinem Auto weiter hinten in der Bucht, ihn haben wir leider bei der Ankunft gar nicht gesehen. Es gibt ein gemütlicher Abend mit einem Schluck Bier. Jonathan will morgen weiter. Wir haben ihm gesagt, dass man nicht fahren kann – wir nehmen an, er versucht es trotzdem!
Tatsächlich ist es heute bemerkenswert ruhig, kein Bus, kein Auto, kein Motorrad ist zu hören. Nur, Jonathan kommt mit seinem Fahrzeug und verabschiedet sich. Wir essen gemütlich Frühstück und dies bei herrlichem Sonnenschein.


Nach einer guten Stunde klopf Jonathan wieder an die Tür. Es ist nicht sehr weit gekommen! Nach gut 100m wurde er von der Polizei angehalten, musste das Auto stehen lassen, den Fahrzeugausweis abgeben und man droht ihm mit einer Busse! Er könne sein Auto um Mitternacht wieder auslösen, morgen früh ginge auch! Jonathan nimmt es gelassen und meint, dass er mit „joomere“ wohl um die Busse herumkommt. So packen wir unsere Stühle und den Tisch aus und machen es uns gemütlich. Mit selber ist nicht so gut, sei es die Höhe oder weil ich etwas Ungutes erwischt habe, ich weiss es nicht. So gehe ich sehr früh ins Bett und Ernest muss sich für einmal seinen „Znacht“ selber kochen.

 

Kurzgeschichte 17/2014 – Bob will immer noch nicht so ganz!
Bob’s Motor läuft grundsätzlich seit der Reparatur bei Nilo gut. Wir sind zwar immer noch „auf Zack“ und jedes ungewöhnliche Geräusch wird registriert. Auf der Rückfahrt von Arequipa nach Puno pfeiffen auf einmal die Bremsen beim Einsetzen der Motorbremse. Am nächsten Tag hat sich diese Sache wie von selber erledigt, die kein pfeiffen mehr. Beim Anlassen des Motors am Zoll von Bolivien stottert dieser etwas und dann fängt Bob an zu qualmen und nebelt den Parkplatz mit weissem Rauch ein. Nach ein paar Minuten ist der Spuk vorbei. Auch das hat sich von selbst erledigt, ist nicht wieder vorgekommen. Seit einem Gespräch mit Walter Schmid, dem Besitzer vom Hotel Oberland in La Paz wissen wir, dass jeder, aber auch jeder Wohnmobilfahrer in dieser Höhe irgendein Problem hat mit seinem Fahrzeug – ist doch irgendwie beruhigend!




2014

Copacabana/Bolivia - Uyuni

km

Koordin/Uebern'ort/M.ü.M.

13.10.2014/Mo

Copacabana - La Paz

165

-16.568400S,-68.089410W/3320

14.10.2014/Di

La Paz

0

-16.568400S,-68.089410W/3320

15.10.2014/Mi

La Paz - Challapata

357

-16.568400S,-68.089410W/3320

16.10.2014/Do

Challapata - Potosi - Sucre

361

-19.042615S,-65.255744W/2850

17.10.2014/Fr

Sucre - Potosi/Ojo de Inca

182

-19.467216S,-65.794859W/3413

18.10.2014/Sa

Potosi/Ojo de Inca - Uyuni/Lokifriedhof

228

-20.481097S,-66.838370W/3671

19.10.2014/So

Uyuni (Lokifriedhof-Einkaufen)

16

-20.481097S,-66.838370W/3671


Wochenbericht 13.-19.10.2014 / Copacabana – Uyuni
Frühmorgens fahren wir los und erleben wohl eine der schönsten Streckenabschnitte auf dieser Reise.


Bei stahlblauem Himmel zeigen sich immer wieder die Cordilliera Real mit ihren höchsten Gipfeln, den Illampu (6368), den Ancohuma (6427) und den am nächsten zu La Paz liegenden Huayna Potosi mit 6088m. Mit einer eher ungewöhnlichen Fähre geht es von San Pedro nach San Pablo, dem engsten Kanal des Titicacasees. Bob bekommt wegen seiner Grösse ein eigenes Gefährt. Natürlich muss ich mich erkundigen, wie gross die Tragkraft ist, welche eine solche Fähre zu tragen vermag.


Mit der Antwort von gut 20 Tonnen bin ich zufrieden, Bob wiegt ja nur 10.5 Tonnen. Es schaukelt ganz schön, obwohl es keine grossen Wellen hat. Bei hohem Wellengang wäre mir noch weniger wohl. Wir folgen den gutgemeinten Ratschlägen, nicht mit dem Auto durch La Paz zu fahren und gelangen via Achocallo ins Valle de Luna zum Hotel/Camping Oberland. Unser liebgewonnener Riesenschnauzer Dongo (natürlich mir Frauchen und Herrchen) ist auch da und es scheint, dass er uns langsam kennt, weil er uns schwanzwedelnd begrüsst. Es folgt ein Mittagessen im Restaurant Oberland und ein nettes  Gespräch mit dem Besitzer, Walter Schmid. Bei weiteren unterhaltsamen Gesprächen am Abend mit Oliver/Carina, Heiner/Ingrid, Conny/Lutz und Jonathan erfahren wir unter anderem, dass Jonathan in Copacabana keine Busse bezahlen musste; er hat seine Papiere wieder ohne grössere Probleme und weiteren Diskussionen erhalten – sein „Gejammer“ hat sich gelohnt. 


Bereits gestern haben wir via Walter eine Führerin bestellt und wollen die Stadt La Paz unter kundiger Leitung ansehen. Es schliessen sich auch Conny, Lutz und Jonathan an. Zuerst geht es im „Collectivo“ (öffentlicher Kleinbus) für 1 Boliviano (CHF 0.15) pro Person, vorbei am Valle de Luna, hinunter in die teilweise recht noblen Vororte bis zum Plaza San Francisco. Unsere deutschsprechende Führerin Isabella erklärt uns kurz die Geschichte der Stadt und wir werfen einen Blick in die Basilica de San Francisco. Die reich verzierte Fassade wurde von indigenen Steinmetzen geschaffen und zeigt Vögel, Blumen, Früchte und Details des menschlichen Körpers, die man an einer katholischen Kirche nie vermuten würde (Ernest hat seine wahre Freude)!.


Dann geht es weiter zum Mercado de Hechiceria (Zaubermarkt) und Mercado Brujeria. Hier erfahren wir, was es so an sich hat mit den Lama-Embryos und den toten getrockneten Lamababys, welche auf vielen Märkten in Boliven zu sehen sind. Diese dienen einerseits als Fruchtbarkeitssymbol und werden zusammen mit anderen Relikten, wie z.B. einem Steinfrosch (bringt Glück), Essensgaben (für genügend Essen), Geld (für genügend Geld) usw. in einem Korb als Opfergabe im Haus aufbewahrt. Zudem werden Lama-Embryos beim Hausbau in die vier Ecken eingemauert - für die Bewohner bringt das Glück und hält Leid ab. Dann geht es zum Mirador Laikakota und wir geniessen einen tollen Überblick auf die Stadt, eine der höchstgelegenen Grossstädte der Welt (zwischen 3100 und 4100müM).


Auf den ersten Blick bietet La Paz mit ihren ärmlichen Steinhütten und den Mittelklassehäusern, welche sich den Hängen nach hinaufziehen und den sterilen, teilweise kuriosen Hochhäusern nicht unbedingt ein schönes Stadtbild, interessant ist es aber alleweil. Es gibt hier auch vier ganz neue Seilbahnen, die die steilen Hügel miteinander verbinden. Fertiggestellt ist erst die Bahn „Gelb“. Eröffnet wurde sie von Evo Morales kurz vor den Wahlen – der Parkplatz allerdings ist noch im Bau. Die Bahn „Grün“ fährt zu Testzwecken auch schon und wird in den nächsten Wochen freigegeben. Die Altstadt um den Plaza Murillo ist leider sehr heruntergekommen und man sieht, dass es an Geld fehlt. Die vielen schönen Kolonialhäuser sind am Zerfallen.


Das Problem ist nicht nur das Geld, sondern auch, dass die Häuser meist vererbt wurden und sich die Erben nicht einig sind, was mit den Häusern geschieht oder es wohnen Mieter bereits über Jahrzehnte im Haus und diese können nicht einfach unplatziert oder ausquartiert werden. Am Plaza Pedro Domingo Murillo stehen das Parlamentsgebäude (Congreso Nacional) und der Präsidentenpalast mit der Palastgarde.


Wir hören, dass ein Einwohner von La Paz durchschnittlich im Monat etwa U$ 65.- verdient, während ein Parlamentarier im Monat etwa U$ 6000.- nach Hause bringt. Ebenfalls am Platz steht die Kathedrale, deren Türme erst 1988 endgültig fertiggestellt wurden. In ihr liegt der Feldmarschall Andrés de Santa Cruz begraben, er war Präsident von Bolivien 1829-1839. Inmitten des Platzes steht die Statue von Murillo. Er wurde am 28. Januar 1810 auf dem Platz als Freiheitskämpfer und Rebellenführer gehängt, nachdem er in den Yungas von den Royalisten gefangen genommen wurde. Auch der Präsident Gualberto Vallarroel wurde hier 1946 gehängt, diesmal von der wütenden Volksmenge. Eine Statue erinnert an ihn.


Wieder mit einem Collectivo geht es zurück zum Hotel und Campingplatz Oberland. Mit Isabella halten wir noch ein nettes Gespräch in der Cafeteria und dann begleitet sie mich auch noch zur Shopping Mall. Hier kaufe ich eine Data- und Telefonkarte. Dank ihrer Hilfe geht das einiges einfacher. Mit dem Taxi zurück zum Oberland, Einkauf wegräumen, Wäsche versorgen und wiederum nette Gespräche am Abend.  


Frühmorgens verlassen wir La Paz und fahren in Richtung Oruro. Die Strasse wird neu auf 4 Spuren erweitert und entsprechend hat es viele Baustellen. Zudem ist das die Route der „Toten Hunde“. Noch nie auf der Reise haben wir so viele tote Hunde am Strassenrand gesehen – ein Bild zum Heulen. Die Strecke ist ansonsten eher langweilig und geht meist schnurgerade durch den trockenen Altiplano. Die Stadt Oruro liegt nördlich der beiden Seen Uru Uru und Poopo, die über den Rio Desaguadero mit dem Titicacasee in Verbindung stehen. Hier versiegen die Wasser des Titicacasees endgültig (kein Abfluss zum Meer).


Ursprünglich war die gesamte Hochebene zwischen Uyuni und dem Titicacasee ein riesiges Binnenmeer, das nach und nach versiegte. Von Challapata bis zum Ojo de Inca, kurz vor Potosi wären es nochmals 175km – das ist uns zu weit. Und so stellen wir am Ortsausgang von Challapata Bob bei der Tankstelle ab. Es ist erstaunlich ruhig in der Nacht. Am nächsten Tag fahren wir zeitig Richtung Potosi und sind wieder einmal über den Zustand der Strasse sehr erstaunt.


Zwar geht es kurvenreich bergauf und bergab, teilweise durch öde Gebirgslandschaften, dann wieder durch ockerrote Canyons, über mit Büschen versetztes Hochplateaus und vorbei an frühlingshaft spriessenden Bäumen bis hinauf zur Stadt Potosi, welche überragt wird vom Cerro Rico. Kurz vor der Innenstadt stellen wir Bob ab und fahren mit einem Taxi zum Plaza Central. Dieser steht leider im Umbau und besteht aus einer einzigen abgesperrten Baustelle. So sieht man kaum die prunkvolle Kathedrale de Potosi. Die wichtigste Sehenswürdigkeit von Potosi ist die Casa National de la Moneda, heute eines der wichtigsten Museen Boliviens. Ursprünglich 1572 bis 1573 unter dem Vizekönig Francisco de Toledo erbaut, lies Karl III. von Spanien dieses wichtigste Gebäude der Stadt 1759-1773 in der heutigen Form neu errichten. Die Baukosten betrugen damals umgerechnet 10. Mio. Euro! Leider ist ein Besuch für uns nicht möglich, da das Museum erst am späten Nachmittag wieder öffnet und wir weiter nach Sucre wollen. Potosi liegt 4065m hoch und verdankt ihre Existenz den überreichen Silbervorkommen des Cerro Rico de Potosi, wie die Spanier den hinter der Stadt aufragenden 4829 m hohen Bergkegel nannten. 1547 wurde Potosi durch Kaiser Karl V. (seit 1516 auch Herrscher über Spanien) zur Villa Imperial erhoben und durfte den kaiserlichen Doppeladler im Wappen führen.


1573 zählte die Stadt 120.000 Einwohner, 1650 nahezu 160.000 Einwohner, mehr als Madrid, Paris oder Rom zu jener Zeit. Damit war sie die grösste Stadt des ganzen amerikanischen Doppelkontinents. Der Silberstrom in Spaniens leere Kassen nahm gigantische Dimensionen an. Bis 1660 wurden 16.000 Tonnen Silber aus dem Berg geholt und bis heute gesamthaft über 46.000 Tonnen. Potosi war die Schatzkammer Amerikas, „die Stadt, die der Welt am meisten gegeben hat“.


Für die Indigena war Potosi dagegen der „Eingang zur Hölle“. Verunglückten und starben die Zwangsarbeiter nicht in den Stollen, so erlagen sie früher oder späten den unmenschlichen Arbeitsbedingungen in dieser Höhe oder an den Vergiftungen des Quecksilbers, das als Scheidemittel eingesetzt wurde. Bis zum 18. Jh. sollen bis zu 8 Millionen Indigena den Tod gefunden haben. Im 18. Jh. kam dann auch der Absturz Potosis und die Einwohnerzahl sank unter 10.000. Heute leben wieder etwa 240.000 Einwohner in und um Potosi. Die Fahrt nach Sucre geht viele Kilometer über eine punaähnliche Hochfläche. Hinter Chiclani folgt ein Abstieg über einige Serpentinen und fast 1000 m tiefer gelangt man zum fruchtbaren Flusstal zum Rio Pilcomayo. Hier sieht man die gut erhaltene Hängebrücke aus dem 19. Jahrhundert. Gegen Abend erreichen wir Sucre (2790m) und parken in der Nebenstrasse gleich beim Hotel Pachamama. Conny und Lutz mit Dongo sind bereits hier und haben sich im Pachamama einquartiert – unser Fahrzeug ist zu gross für den Innenhof des Hotels. Am Abend geht es mit Conny und Lutz zu Fuss in Zentrum und wir geniessen zusammen ein feines Nachtessen in einem Restaurant am Plaza Central. 


Wir beschliessen heute Vormittag die Stadt anzuschauen und am Nachmittag zurück zum vielgelobten Ojo de Inca in der Nähe von Potosi zu fahren. Zu Fuss wiederum geht es ins Stadtzentrum von Sucre. Die Stadt wurde 1538 gegründet und ist heute die nominelle Hauptstadt Boliviens.


Mit dem Aufstieg Potosi wuchs auch die Wichtigkeit Sucres, in der 1623 eine der ersten Universitäten Südamerikas gegründet wurde. Der in Venezuela geborene General Don Antonio José de Sucre startete hier 1809 den Kampf um die Unabhängigkeit. Ihm zu Ehren wurde die Stadt 1828 in Sucre umbenannt und Hauptstadt Boliviens. Die Bedeutung Sucres gegenüber La Paz wurde jedoch nachfolgend immer geringer.


Nach und nach gingen fast alle Funktionen an La Paz verloren, nur der oberste Gerichtshof blieb in Sucre. Von der UNESCO wurde Sucre 1992 zum Weltkulturerbe erklärt. Die Casa de la Libertad besichtigen wir mit einer französisch sprechenden Gruppe. Ursprünglich war das schöne Kolonialhaus mit dem hübschen Innenhof ein Teil der Jesuiten-Universität von 1621, mit Kreuzgängen im typischen Mudéjar-Stil und einem achteckigen Brunnen. Die Führung ist sehr lehrreich und Ausdruck Bolivianischen Nationalstolzes. Sehr interessant ist der Salon de la Indepencia, in dem am 6. August 1825 die Unabhängigkeit Boliviens erklärt und die Unabhängigkeitsurkunde unterzeichnet wurde. In einem Raum hängen Portraits sämtlicher Präsidenten, respektive Könige und Herrscher Boliviens. Weiter sind viele originale Waffen (Degen), Teile von Uniformen, Orden usw. ausgestellt. Interessant ist zu hören, dass Bolivar eigentlich ein Südamerika analog Nordamerikas mit verschiedenen Staaten gründen wollte, dies aber immer wieder durch Kriege verhindert wurde. Im Salpeterkrieg 1879-1884 zwischen Bolivien, Peru und Chile musste Bolivien Antofagasta an Chile abtreten und verlor so seinen Zugang zum Pazifik. 1903 verlor Bolivien auch noch das Acre-Gebiet an Brasilien und im Chacokrieg mit Paraguay 1932-1935 das Chacogebiet an Paraguay. Seit jeher wird Bolivien durch Militärputschs, Ausnahmezuständen, Indigena-Kämpfen, Aufständen der Coca-Bauern, Unruhen, Streiks und Protesten überschattet. Seit 2005 regiert Juan Evo Morales Ayma das Land und wurde erst vor einer guten Woche wieder gewählt (er ist eigentlich ein Indigener, spricht aber seine Sprache „Quechua“ nicht)!


Am frühen Nachmittag fahren wir die gleiche Strecke wieder zurück nach Potosi, respektive zum Ojo de Inca. Ein herrlicher Standplatz direkt an einem kleinen Kratersee mit ca. 35° Wassertemperatur, in dem man baden kann, obwohl es in der Mitte des Sees immer blubbert und neues Wasser aus dem Untergrund hinaufschiesst. 


Am frühen Morgen geniessen wir ein Bad im angenehm warmen Kratersee und machen uns auf in Richtung Uyuni. Die Strecke Potosi – Uyuni ist wohl eine der bisher schönsten Strecken Boliviens mit kontrastreichem Landschaftswechsel und unzähligen Lamaherden. Die Strasse ist fantastisch ausgebaut und angelegt. Man überquert die Cordillera de Chichas bis zu einer Passhöhe auf 4100 m, fährt durch schöne Wildwest-Landschaft mit meterhohen Kakteen, durch Sandlandschaften und berghohe, überwachsene Sanddünen. Ernest fühlt sich heute nicht ganz so gut, hat Kopfweh und ist sehr müde.


Deshalb überlässt er mir das Steuer das erste Mal auf dieser Reise für eine längere Strecke. Auf dieser Strasse macht das Fahren richtig Spass. Vom letzten Hügelzug aus hat man einen fantastischen Blick auf den Salar de Uyuni und die Stadt Uyuni, welche mitten im Nirgendwo liegt. Wir parken etwas ausserhalb der Stadt beim Cementerio de Trenes, dem Eisenbahnfriedhof.

Hier rosten viele Dampfloks und Waggons aus alten Zeiten als eindrucksvolle Schrotthaufen vor sich hin. Mit dem Aufkommen der Dieselloks war die Zeit dieser Dampfrösser abgelaufen. Bald kommen auch Conny, Lutz und Dongo angefahren.
Heute Sonntag ist Ruhetag, wir warten auf Jonathan. Wir haben beschlossen mit Conny/Lutz/Dongo und Jonathan durch den Salar zu fahren und auch die Lagunenroute zusammen zu bereisen. Ernest und Lutz werden zum Einkaufen in die Stadt geschickt mit einem vollen Einkaufszettel. Zurück kommen die beiden lediglich mit Bier und Wasser und ein paar Eier. Zum Einkaufen kann man Ernest wirklich nicht gebrauchen! Gegen Abend tauchen auch noch Oli und Carina mit ihrem gelben Unimog sowie Meinrad und Rosita mit ihrer „Mäggi“ auf und sie werden sich unserem „Convoy“ für die nächsten Tage anschliessen, was uns sehr freut.

 

Kurzgeschichte 18/2014 – Salar de Uyuni
Die riesige Salzpfanne (Salar) ist etwa 160km lang und 135 km breit und die Salzkruste differiert zwischen 2 und 7 Metern. Damit ist der Salar de Uyuni die grösste Salzfläche der Erde und wird von den Einheimischen „Weisses Meer“ genannt. Ursprünglich gehörte der Salar zum gewaltig grossen Anden-Binnenmeer Lago Minchins. Als der Ursee vor Jahrmillionen austrocknete, blieben abflusslose Altiplano-Seen und –Salare zurück.


In der Trockenzeit verdunstet das spärliche Wasser des Salars, zurück bleibt die harte Kruste aus Salz und Salzausblühungen. Nach Niederschlägen verwandelt sich die Salzdecke in Salzsümpfe. Auf der Salarfläche treten vielfach Ojos (Augen) auf, blubberndglucksendes Quellwasser von unterirdischen Wasserläufen und Gasen, die durch die Salzkruste brechen. Dieses Wasser stammt überwiegend vom Rio Huajala, der zum Salar de Uyuni fliesst, aber zuvor in schlammigem Erdreich versickert. Sowohl im Umkreis von Ojos als auch in Schlammabschnitten besteht für schwere Fahrzeuge Einsackgefahr. Also heisst es morgen aufpassen!




2014

Uyuni/Salar - NP Pan de Azucar

km

Koordinaten/Uebern'ort/M.ü.M.

20.10.2014/Mo

Uyuni - Salar de Uyuni

100

-20.242825S,-67.623038W/3683

21.10.2014/Di

Salar de Uyuni - 10km vor L. Canapa

198

-21.415492S,-67.996051W/4301

22.10.2014/Mi

Lago Canapa, Hedionda, Colorada

113

-22.218115S,-67.797934W/4316

23.10.2014/Do

Lago Colorado - Lago Verde

104

-22.788238S,-67.818672W/4332

24.10.2014/Fr

Lago Verde - San Pedro de Atacama

66

-22.906020S,-68.204730W/2425

25.10.2014/Sa

San Pedro de Atacama - Antofagasta

390

-23.644501S,-70.398914W/1

26.102014/So

Antofagasta - NP Pan de Azucar

457

-26.142149S,-70.660168W/10


Wochenbericht 20.-26.10.2014 / Uyuni/Bolivien – NP Pan de Azucar/Chile
Gestern war in Uyuni kein Diesel zu bekommen. Es soll heute um 9 Uhr ein Tankwagen kommen und das kostbare Gut bringen. Zuerst fahren wir zum Markt und kaufen noch etwas Gemüse und Früchte. Dann geht es zur einen Tankstelle – noch kein Diesel, zur zweiten Tankstelle, auch kein Diesel. Ernest hat aber vorher schon ausgerechnet, dass unsere vorhandene Menge Diesel auf jeden Fall bis Chile reichen wird.


So fahren wir zum Salzhotel, wo wir uns alle treffen wollen. Alle sind sie da, ausser Jonathan. Wir Frauen besichtigen das Salzhotel und sind überrascht, erstens über die Bauweise und zweitens über die liebevollen Dekorationen innerhalb des Hauses. Wir sind überzeugt, dass Jonathan auf den Diesel wartet und den Weg zur Insel Inca Huasi auch selber finden wird. So fahren wir mit 4 Fahrzeugen über den Salar und sind begeistert über die unendliche Weite der eindrücklichen Salzwüste. Immer wieder müssen wir anhalten und es werden unzählige Fotos gemacht.


Auch ich darf wieder einmal ans Steuer – eine Fahrt über diese Salzwüste lasse ich mir wirklich nicht entgehen. Unser Navi führt uns direkt zur Isla Inca Huasi. Viel wächst nicht auf der aus versteinerten Korallen bestehenden Insel. Trockene Grasbüschel und Kakteen, die bis zu zehn Meter in die Höhe ragen und wir haben Glück dass viele davon blühen.


Die Kakteen sind bestückt mit zentimeterlangen, spitzen Stacheln und wachsen jedes Jahr lediglich etwa einen Zentimeter. Manche sollen bis zu 1200 Jahre alt sein. Die Fahrt geht rund um die Insel und wir suchen einen geeigneten Stellplatz. Da etwas Wind aufkommt, stellen wir die Fahrzeuge wie eine Wagenburg ab. Zur Feier des Tages und wegen der einmaligen Fahrt spendiert Meinrad eine Flasche Champagner für die Frauen – welcher Wohlgenuss. Bald taucht auch Jonathan auf.

Nach den obligaten Fun-Fotos und dem wunderbaren Sonnenuntergang ist gemütliches Nachtessen am Lagerfeuer angesagt. 

Wir alle zusammen beschliessen, doch den Südausgang des Solars zu befahren. Nach Gesprächen mit anderen Reisen soll dieser trocken und gut zu befahren sein. Unser Navi bringt uns zielgerecht zum Damm mit der südlichen Ausfahrt aus dem Salar bei Chiguana. Über Cholcha geht es Richtung San Juan. Die Strasse ist recht holprig, aber dennoch gut zu befahren. Nach San Juan ist Mittagspause angesagt.


Neugierige Guanakos stehen um unsere Fahrzeuge herum. Eine neue Piste, welches unser Navi noch nicht kennt, und die auch hier wieder recht ruppig (Rüttelpiste) ist, führt vorbei an weiteren Salaren in Richtung Avaroa/Ollagüe, einem Grenzübergang von Bolivien nach Chile. Hier blässt es dermassen, dass wir uns entscheiden, noch etwas weiter zu fahren und einen geschützten Platz zu suchen. Bei der Bahnstation von Avaroa verabschieden wir uns von Manfred und Rosita, sie fahren direkt weiter nach Chile.


Es sind lediglich noch etwa 25 Kilometer zur Laguna Canapa. Die ersten 15 Kilometer geht es zügig auf weiß gekalkter, flacher Piste vorwärts. Dann biegen wir ab in Richtung Laguna. Unterwegs sind einige Chinchillas zu sehen. Schon nach kurzer Fahrt auf grottenschlechtem Weg müssen wir uns eingestehen, dass wir unser gestecktes Ziel heute nicht mehr erreichen können. So suchen wir einen geschützten Platz und alle sind nach der langen und teils ungemütlichen Fahrt erleichtert, die Fahrzeuge abstellen zu können. Auch hier ist es recht windig und kalt und wir stellen die kleineren Fahrzeuge in den Windschatten der grösseren – wir sind auf etwa 4300 Metern! In der Nacht regnet es zeitweise leicht.
Der in der Nacht aufgekommene Nebel, verzieht sich am frühen Morgen. Die umliegenden Berge sind verzuckert, weiter oben, so ab 5000m hat es geschneit. Für die elf Kilometer zur Laguna Canapa brauchen wir gut eine Stunde.


Die Fahrspur ist derart ruppig, dass von den Fahrzeugen schon einiges abverlangt wird. Jonathan fährt einen Iveco ohne 4x4, meistert diese Strecke aber grossartig. Von der Laguna Canapa sind wir fasziniert, noch mehr aber von den zahlreichen Andenflamingos, die diese Laguna bevölkern – ein wunderbares Bild. Weiter geht es zur Laguna Hedionda. In der Nähe des Hotels, eines der wenigen in dieser Gegend, treiben sich Andenfüchse rum. Auch in der Laguna Hondas sind zahlreiche Andenflamingos, auch Tokoko genannt, sowie die kleineren Churus, James-Flamingos, zu sehen. Auf dem Weg zur Laguna Colorada durchfahren wir abwechslungsreiche und grandiose Andenlandschaften.


Teilweise müssen wir unseren Weg selber suchen, es führen mehrere Spuren in Richtung Süden. Zeitweise klatschen Schneeflocken an unsere Scheiben, dann wiederum strahlt die Sonne vom blauen Himmel. Wir treffen auf kuriose Steinformationen und kurz vor der Laguna auf den „Arbol de Piedra“ und weitere versteinerte Bäume.


Die Laguna Colorada liegt auf 4275m und ist ebenfalls ein einziges Naturschauspiel. Das Wasser des ca. 60 qkm grossen Sees ist auf Grund kupferhaltiger Mineralien rötlich gefärbt, doch man sieht auch Algengrün und weisse Borax-Inseln. Zusammen mit dem Blau des Himmels, den umliegenden Berggipfeln und Vulkanen sowie dem gelbfarbigen Andengras ergibt dies eine tolle Farbpalette, deren Leuchtkraft von der Tageszeit bestimmt wird.


Auch hier fehlen die Andenflamingos nicht. Es kommt wieder starker Wind auf und wir suchen uns einen geschützten Platz direkt an der Laguna. Von hier aus heisst es einfach nur geniessen. Ernest kann nicht so ganz geniessen. Er ist verunsichert, da unser Dieselvorrat aus irgendwelchen Gründen schneller aufgebraucht wurde als ausgerechnet. Eine Kurzgeschichte wert!
Die Nacht ist kalt. Bei Conny/Lutz und Dongo ist es am Morgen ganze 3° warm/kalt, ebenso bei Jonathan. Bei uns fällt die Temperatur im Fahrzeug (da die Heizung auf dieser Höhe nicht läuft!) auf 14.5°. Am frühen Morgen kommt ein Parkwärter. Erst jetzt haben die offensichtlich festgestellt, dass wir nicht auf den offiziellen Parkplätzen stehen und uns ein windgeschütztes Plätzchen gesucht haben. So heisst es dislozieren und es gibt Frühstück auf dem Mirador. Der Wind ist schon während des gestrigen Abends abgeflaut und so haben wir Zeit, nochmals die grandiose Laguna zu bestaunen. Das Ausreiseprozedere ist etwas kompliziert hier auf der Lagunenroute.


Zuerst müssen die Fahrzeuge abgemeldet werden und zwar auf einem Zollposten etwas abseits der Hauptroute auf über 5000m! Und die grösste Ueberraschung: hier oben befindet sich tatsächlich ein Fussballplatz! Für alle unsere Fahrzeuge ist die Fahrt auf die 5022m ein Höhenrekord und schön ist, dass keines Mühe hat, diese Höhe zu erreichen (Fussball spielen möchten wir hier oben allerdings nicht). Das Ausstempeln für uns alle ist in rekordverdächtigen 10 Minuten erledigt. Die Ausreise für die Personen erfolgt kurz vor der Grenze nach Chile, für uns allerdings erst am nächsten Tag.


Ganz in der Nähe, auf 4850m sind die Geysire Sol de Manana zu besichtigen. Schon auf dem Weg zu den Schlammlöchern und den grossen Dampffahnen zischt und dampft es aus diversen Bodenlöchern. So richtig aktiv ist der Geysir nur morgen früh und dabei soll er eine bis zu 10 m hohe Dampffahne ausstoßen. Im Moment sind es nur etwa 5 m, mir auf jeden Fall reicht das. Irgendwie ist das ganze Gebiet etwas unheimlich, da mit Bestimmtheit nicht abgeschätzt werden kann, wenn möglicherweise die ganze Gegend in die Luft fliegt. Bald kommen wir zur Laguna Chalviri mit den Thermen.


Conny, Carina und Jonathan nutzen die Gelegenheit für ein Bad im etwa 30° warmen Wasserbecken. Die Szenerie der Laguna Chalviri ist ebenfalls faszinierend und sieht einem wunderbaren Aquarellgemälde sehr ähnlich. Zahlreiche andere Touristen bevölkern diese Laguna. Wir haben gehört, dass auf den Lagunenroute täglich etwa 500 Fahrzeuge, vorwiegend Toyota-Landcruiser, mit Touristen unterwegs sein sollen. Hier stehen mindestens 25 davon! Die letzte Lagune, welche wir anfahren, ist die Laguna Verde am Fusse der Vulkane Lincancabur und Juriquez. Sobald die Sonne um die Mittagszeit am höchsten steht, vollzieht sich ein einmaliges Naturschauspiel. Durch den Sonneneinstrahlwinkel und die Reaktion des pflanzlichen Planktons in Verbindung mit dem höhen Blei-, Kalzium- und Schwefelgehalt schimmert die vorher kristallklare und blaue Laguna auf einmal grün. Bei unserer Ankunft am frühen Nachmittag ist die Laguna immer noch grün, verliert aber bald an Farbe. Wir wollen das Schauspiel am nächsten Tag nochmals erleben. Den Rest des Tages verbringen wir vor unseren Fahrzeugen und geniessen die fast unfassbare tolle Umgebung. Am Abend treffen wir uns alle in unserem Fahrzeug. Jeder bringt etwas mit und wir können uns an einem variantenreichen Buffet verköstigen. 

Heute Morgen ist es in unserem Fahrzeug noch 12.5° warm. Bei den kleinen Fahrzeugen sind die Wasserflaschen eingefroren! Nochmals bekommen wir etwas Diesel von Oli und das müsste eigentlich bis nach San Pedro de Atacama reichen, Ernest ist etwas ruhiger. Oli will mit seinem Unimog noch etwas höher hinauf und Ernest darf mit. Sie fahren zum Fusse des Vulkans Lincancabur so weit hinauf, wie es der Weg zulässt. Zu Fuss geht es noch höher und es können ganz tolle Fotos von der Laguna Verde gemacht werden. Der Lincancabur, ca. 5900m hoch, kann bestiegen werden.

Prompt kommen ihnen Schweizer entgegen, welche den Auf- und Abstieg innerhalb von etwa 6 Stunden geschafft haben. Tatsächlich wechseln die Laguna die Farbe gegen Mittag und es wird richtig grün – phänomenal! Die Fahrt geht zwischen den beiden Lagunen Verde und Blanco in Richtung Zoll. Auch unsere Pässe sind schnell gestempelt (Personen-Ausreisestempel). Das Ausreisepapier für das Fahrzeug muss ebenfalls vorgelegt werden, wir hatten sie alle dabei (es soll welche geben, die vom Ausreisezoll für Fahrzeuge auf 5020m nichts gewusst haben und deshalb den beschwerlichen Weg nochmals zurücklegen mussten). Der Zöllner wollte die Ausreisepapiere der Fahrzeuge behalten. Wir wiederum wollten eine Fotokopie davon. Da das Zollamt über keinen Kopierer verfügt, hat er uns nach einigen Diskussionen das Originalpapier überlassen.


Etwa 5km nach der Grenze stossen wir auf die Hauptstrasse. Hier muss entschieden werden: Argentinien oder Chile! Wir sind immer noch auf etwa 4300m.

Aus Zeitgründen entscheiden wir uns für die chilenische Seite (ein Entscheid, den wir später keinesfalls bereuen, auch wenn immer wieder behauptet wird, die argentinische Variante biete mehr, was durchaus möglich ist). Die Strasse führt ohne nennenswerte Kurven auf etwa 40 Kilometern gerade aus hinunter auf etwa 2500m Meereshöhe nach San Pedro de Atacama, Chile. Wir nehmen ausnahmsweise zwei Personen mit, welche am Zoll auf eine Fahrgelegenheit nach San Pedro gewartet haben. Ein Ehepaar aus dem Norden von Bolivien. Sie kommen nach Chile (möglicherweise illegal) um Geld zu verdienen. Die Fahrt von ihrem Heimatdorf im Gebiet Beni dauert mit dem Bus 5 Tage. Sie bleiben für etwa zwei Monate in Chile, arbeiten in einem Hotel und fahren dann mit genügend Geld wieder nach Hause, um ein paar Monate in der Heimat Bolivien mit der ganzen Familie leben zu können. Bald kommen wir zum Zoll und stellen uns darauf ein, dass dies etwas länger geht. Gemäss Reiseberichten anderer Reisenden werden die Fahrzeuge hier vom Ministerio Agricultura äusserst genau kontrolliert. Es dürfen keine Früchte und kein Gemüse eingeführt werden. Ebenfalls nicht frisches Fleisch, ungekochte Eier usw., keine Samen, keine offenen Nüsse etc. Es soll damit verhindert werden, dass sich Fruchtfliegen und anderes Getier in Chile niederlässt. Glücklicherweise sind alle Beamten äusserst freundlich, gut aufgelegt, hilfsbereit und effizient. Der Papierkram ist innert 10 Minuten erledigt und der Beamte, der unser Fahrzeug kontrolliert, will lediglich wissen, wo sich die Esswaren befinden. Im Kühlschrank findet er 3 Zwiebeln und 2 Eier, die nicht eingeführt werden dürfen (wussten wir! – er soll ja etwas finden können). Weitere Kästen, Schubladen usw. werden gar nicht kontrolliert. Das ganze Prozedere ist ähnlich bei unseren Mitreisenden. Conny und Lutz haben sogar Papiere für Dongo dabei, welche gar nicht gebraucht worden wären. So sind wir alle innerhalb vom einer halben Stunde offiziell in Chile eingereist. Zuerst suchen wir die Tankstelle auf und füllen die Tanks. Es gibt hier Eurodiesel – Bob wird dankbar sein nach dem eigentlich für ihn ungeeigneten Biodiesel von Peru und Bolivien. Nach einer kurzen Fahrt zum Camping Abuelos, einem Spaziergang ins Städtchen, einem vergeblichen Versuch aus dem Automaten Geld zu beziehen (dann halt Geld gewechselt) und einem feinen Nachtessen fallen wir müde ins Bett – alle sind sie froh, endlich wieder auf angenehmer Höhe (2500m) schlafen zu können. Nochmals stellen wir unsere Uhren vor. Es sind nur noch 4 Stunden Zeitunterschied zur Schweiz.

Wir hatten eine tolle Zeit zusammen auf dem Solar und auf der Lagunenroute – danke an Conny/Lutz/Dongo, Jonathan, Oli und Carina. Wir waren eine tolle Truppe und der Abschied fällt schwer! Wir müssen weiter und etwas „Gas geben“ wenn wir es wirklich bis Ushuaia Mitte Dezember schaffen wollen. So verlassen wir schweren Herzens San Pedro, das uns im Übrigen sehr gut gefallen hat, und fahren dem Salar de Atacama auf der Ostseite entlang bis nach Peine. Auf unserer Karte ist eine schnurgerade Naturstrasse eingezeichnet, welche in Richtung Baquedano/Antofagasta führt. Wir sind überrascht, durch den Salar führt tatsächlich eine gerade Strasse, asphaltiert! So kommen wir gut vorwärts und gelangen bald an die Westseite des Salars. Hier wechselt die Landschaft vom Salzsee/Salar mit Farbe Braun und Grau schlagartig.


Es geht wieder ins kahle Gebirge. Die Strasse windet sich hoch hinauf auf etwa 3000m, wieder einige hundert Meter hinunter, dann wieder hinauf – kurz - wir fahren durch die Hügelzüge des Disierto de Atacama, eine steinige, öde, unwirkliche und doch faszinierende Gegend. In dieser Gegend soll ein grosses Reservoir an Bodenschätzen, allein zwei Fünftel der Weltvorräte an Lithium, verborgen sein. Dazu finden sich Kalium und Borax – alles Minerale, die sehr viel Geld einbringen. Das ganze muss transportiert werden, entsprechend sind viele Lastwagen unterwegs in Richtung Antofagasta. Wohl deswegen wurde die Strasse gut ausgebaut. In Baquedano stossen wir auf die Route 5 (Panamericana Norte), welche bis zur Abzweigung nach Antofagasta als 4-spurige Autobahn ausgebaut ist. Antofagasta überrascht sehr. Obwohl eine Industrie- und Hafenstadt scheint sie sehr ordentlich, aufgeräumt und sehr sauber. Bob wird beim Fischmarkt parkiert und zu Fuss geht es erst einmal zum Yachthafen. Hier gibt es ein Restaurant und einen eingezäunten Parkplatz.


Wir möchten hier essen und mit Bob in der Nacht stehen bleiben – geht, kein Problem! Dann weiter ins Einkaufszentrum. Leider sind Claro, Movistar schon geschlossen. Entel will uns keine Datenkarte für den iPad verkaufen – wir bräuchten eine Chilenische ID-Nummer. Normalerweise geht das auch mit einem Chilenischen Freund – haben wir leider bis jetzt noch keinen gefunden! Irgendwo wird es schon klappen. Das Nachtessen, vorgängig mit Pisco Sour, war ein kulinarisches Highlight und das Restaurant vom Jachtclub kann in jeglicher Hinsicht empfohlen werden.
Frühstück gibt’s bei McDonald. Ernest pumpt auf dem Parkplatz die Reifen auf, wir bewegen uns für die nächste Zeit wohl kaum mehr auf Naturstrassen. Grundsätzlich wollen wir der Küstenstrasse folgen. Auf der Karte ist die No. 1 der Küste entlang eingezeichnet – Navi zeigt nur ein kleines Stück der Küste nach. Wir versuchen es trotzdem, für ganze 10 Kilometer ist das ok und dann: Strasse endet in 2 Kilometer! Auf Navi ist doch meistens eher verlass als auf Landkarten! Wir kehren um und entschliessen uns, der Panamericana (No 5) zu folgen. Die Landschaft ist immer noch steinig und kahl.


Bei der Skulptur „Mano del Desierto“, 1992 vom Künstler Mario Irarrazabal, mitten in der Wüste erstellt, müssen auch wir einen Halt einschalten und das obligate Foto schiessen. Auffallend ist, dass diese Strecke von Antofagasta bis zum Parque National Pan de Azucar fast nur von Lastwagen befahren wird, Autos sehen wir fast keine.


Dann kommt uns ein überbreiter Spezialtransport entgegen, besser wir räumen die Strasse! In Taltal, einem kleinen Fischerort mit knapp 10.000 Einwohnern, gibt’s Mittagessen – ganz feinen, frischen Fisch. Wieder führt die Strasse schnurgerade durch die Hochebene und wir kommen gut voran. Eine gute Schotterstrasse führt in Richtung Meer zum Parque Nacional Pan de Azucar. Eintritt wurde keiner verlangt, es ist offensichtlich noch Nebensaison.


Bei der kleinen Siedlung am schönen Strand richten wir unser Nachtlager ein.

 

Kurzgeschichte 19/2014 – Defekte Tankanzeige
Schon am Mittwochabend beschleicht Ernest auf der Lagunenroute das ungute Gefühl, zu wenig Diesel mitzuführen. Die Anzeige beider Tanks (I und II) zeigt in Richtung Reserve an. Am Donnerstag ist es soweit, bei beiden Tanks erscheint ein Warnton. Am Abend bekommen wir von Lutz 20 Liter. Sollte bis San Pedro reichen. Bob springt am nächsten Tag erst nach einigen Versuchen wieder an. Dies hat allerdings mit der Höhe und der Kälte zu tun, wie sich später herausstellt. Ernest versucht, mit der Taschenlampe und einem Spiegel den Stand im Tank I zu sichten – gelingt nicht, da er den Kopf nicht nahe genug zum Tankstutzen führen kann. Möglicherweise vergisst er den Tank II zu kontrollieren! Nochmals bekommen wir Diesel, 30 Liter von Oli für Tank I. Reicht bestimmt bis San Pedro, Ernest ist beruhigt. Bei der Tankstelle wird der Tank I gefüllt und es gehen fast 300 Liter rein, der Tank war somit praktisch leer. Tank II soll auch noch gefüllt werden und siehe da, es gehen lediglich etwa 100 Liter rein! Fazit: Tankanzeige beim Tank II defekt – der Dieselvorrat von fast 200 Litern hätte auch auf Offroad-Pisten noch für ca. 600 km gereicht! Man lernt immer wieder dazu!


2014

NP Pan de Azucar - L. Panguipulli

km

Koordinaten/Uebern'ort/M.ü.M.

27.10.2014/Mo

NP Pan de Azucar - La Serena

618

-29.953804S,-71.301723W/10

28.10.2014/Di

La Serena - Vina del Mar

453

-33.015046S,-71.557302W/10

29.10.2014/Mi

Vina del Mar - Santiago de Chile

92

-33.330774S,-70.714058W/488

30.10.2014/Do

Santiago de Chile - Molino/Rastpl.

240

-35.137585S,-71.362675W/229

31.10.2014/Fr

Molino - Mulchen

337

-37.713829S,-72.249123W/133

01.11.2014/Sa

Mulchen

0

-37.713829S,-72.249123W/133

02.11.2014/So

Mulchen - Lago Panguipulli

290

-39.642437S,-72.317989W/136


Wochenbericht 27.10.-02.11.2014 / NP Pan de Azucar/Chile – Siete Lagos/Lago Panguipulli
Grundsätzlich haben wir schon seit Antofagasta erwartet, dass es an der Küste neblig sein wird. Dem ist zum Glück nicht so. Bei traumhaftem Wetter fahren wir im Park Pan de Azucar vorbei an wunderbaren Sand- und Badestränden.


Auch die Küste nach Chanaral ist wunderbar. Ab Antofagasta wird an der No 5/Panamericana gebaut, die Strasse wird auf 4 Spuren erweitert. Der Verkehr durch die Baustellen ist aber sehr gut organisiert und wir stehen höchstens einmal 5-10 Minuten. Vorerst fahren wir an Copiapo vorbei und sind uns dann noch wieder nicht so sicher, ob unser Diesel aus einem Tank bis nach La Serena reicht. Nochmals eine Geschichte mit den Dieseltanks! Sicherheitshalber kehren wir, füllen Tank I und wollen es dann auf Grund des Dieselstandes in beiden Tanks wissen, wie sich das ganze verhält. Fazit: Diesel wird nur dem Tank I entnommen, Tank II ist immer voll und bei der Anzeige übernimmt Tank II die Anzeige vom Tank I. So wollen wir in Santiago de Chile bei MAN einen „Besuch“ abstatten, um das Dieseltankproblem zu lösen und auch das lästige Pfeifen der Motorbremse eliminieren zu lassen.
In der Nähe von Copiapo wurden am 5. August 2010 bei einem Bergsturz 33 Minenarbeiter in der Kupfer- und Goldgrube San José verschüttet. Die spektakuläre Rettungsaktion sicherte Chile wochenlang Spitzenplätze in den internationalen Schlagzeilen zu. Nach 17 zermürbenden Tagen drangen zwei Sondierungsbohrungen in den Schacht vor, in dem man die Bergleute vermutete. Dann brachte ein Bohrkopf auf einem Zettel die überraschende, erlösende Nachricht nach oben: „Estamos bien en el refugio, los 33“ (uns 33 geht es gut im Schutzraum). Staatspräsident Sebastian Pinera persönlich las die Nachricht den Angehörigen und Journalisten vor, die in dem neben der Mine errichteten Camp Esperanza (Hoffnung) warteten. Wie durch ein Wunder hatten die Bergleute überlebt und wurden schliesslich am 13. Oktober, 69 Tage nach dem Unglück vor den Augen von 1700 Journalisten vor Ort und Millionen Fernsehzuschauern weltweit mit einer eigens konstruierten Rettungskapsel einer nach dem anderen wieder ans Tageslicht geholt. Präsident Pinera wiederum liess es sich nicht nehmen, jeden einzelnen zu begrüssen. Die 33 Mineros wurden als Helden gefeiert. Das „kleine“ Chile hatte der Welt ein halbes Jahr nach dem Erdbeben ein Reality-Drama mit glücklichem Ende beschert. Beim Erdbeben der Stärke 8.8 und vor allem beim anschliessenden Tsunami starben am 27. Februar 2010 etwa 500 Menschen. Einige Dutzend Kilometer vor La Serena ändert sich ganz langsam die Landschaft und es wird etwas grüner.


Vermehrt Büsche an den Berghängen und viele blühende Sträucher und Blumen finden sich in den Ebenen. La Serena gefällt uns. Ein etwa 8 Kilometer langer Sandstrand liegt zwischen den beiden Städten La Serena und Coquimbo. Im Januar und Februar sollen sich diese Orte wenig von Benidorm an der Costa del Sol oder Rimini unterscheiden. Jetzt aber ist es ruhig und angenehm und die schöne Promenade fällt auf.

Bei der Caleta de Pescadores (Fischerdorf) gibt es viele kleine Restaurants mit vorzüglichen Fischspezialitäten – das lassen wir uns nicht entgehen, einparken und bei Donde Elbita (wir können für die Nacht vor dem Restaurant, direkt am Strand stehen bleiben) ein herrliches Nachtessen geniessen, nicht zum ersten Mal hier in Chile.
Schon am Vortag haben wir den riesigen Lider (Wal Mart) bei der La Serena Shopping Mall gesehen und kaufen hier ein.


Alles gibt es was das Herz begehrt. Zahlen kann man an einer der 48 Kassen! Ab La Serena ist die Panamericana bereits als 4-spurige Autobahn ausgebaut und so kommen wir ganz zügig voran. Wir passieren wunderbare Strände, da die Strasse teilweise dem Meer entlang führt. Manche Gegenden ähneln sehr der Riviera, ausser dass bei Weitem nicht so viel verbaut ist. Erst wollten wir in Los Vilos übernachten. Das verlassene Nest sagt uns nicht wirklich zu und so entscheiden wir uns für Vina del Mar.

Die Stadt ist etwa genau so gross wie die Nachbarstadt Valparaiso, besitzt aber weder einen grossen Hafen noch Industrie – dafür Wohnpaläste, Parks, ein Spielkasino und einen schönen Sandstrand. Deswegen ist die Gartenstadt eines der beliebtesten Seebäder Chiles. Dank Nebensaison ist es hier für die Grösse der Stadt recht beschaulich und wir stellen Bob direkt am Meer an der Avenida Peru ab (bei den Playas leider Parkverbot für Casa Rodantes!) und machen uns auf einen kurzen Spaziergang. Obwohl unser Kühlschrank proppenvoll ist, können wir nicht wiederstehen: Wieder ein schönes Fischrestaurant und so nehmen wir das Nachtessen bei „Gerard“ ein  – das Essen wir immer besser!
Zeitig machen wir uns auf den Weg in Richtung Santiago de Chile. Vorgängig fahren wir noch durch Valparaiso. Die Stadt zieht sich einem schmalen Uferstreifen entlang und dann die steil aufragenden Hügel hinauf. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts kam der Aufschwung. Es kam mit den Lastschiffen, die Waren aus Spanien brachten und Silber und Gold mit zurücknahmen, mit den Walfängern, die im Südpazifik ihrem Handwerk nachgingen; es kamen aber auch Piraten und Freibeuter auf der Suche nach reicher Beute. Schliesslich war Valparaiso der erste grössere Hafen, in dem man nach der Umsegelung von Kap Hoorn oder der gefährlichen Durchquerung der Magellanstrasse in Ruhe einige Tage verschnaufen konnte. So wundert es nicht, dass hier alle prominenten Forscher anlegten, die Südamerika umrundeten. Adalbert von Chamisso kam 1816, Charles Darwin 1833, und Mitte des 19. Jh. war Valparaiso längst zu einem wichtigen internationalen Hafen geworden. Regelmässig verkehrten Güterschiffe von hier aus in alle wichtigen Häfen der Welt, und die Reederei Hamburg-Süd liess 1873 sogar einen Schnelldampfer namens „Valaparaiso“ bauen. 1906 verwüstete ein schweres Erdbeben die Stadt – 6000 Menschen starben in den Trümmern. Kaum hatte sich Valparaiso erholt folgte der nächste Rückschlag: 1914 wurde der Panamakanal eröffnet und Valparaiso war damit schlagartig von den internationalen Handelsrouten abgenabelt. Erst in den 1980er Jahren änderte sich das wieder. Chiles exportorientierte Wirtschaft wuchs und damit auch Valparaisos Hafen. Und es kamen die Kreuzfahrtschiffe, jedes Jahr mehr und grössere. Rund 50 dieser schwimmenden Riesenhotels legen pro Saison hier an und bringen über 120.000 Touristen in die Stadt. Bis Santiago de Chile sind es gut 100 Kilometer (Autobahn). Eine tolle Fahrt durch Wälder (haben wir schon lange, lange keine mehr gesehen) und das Weingebiet von Casablanca – Grüne Landschaft, herrlich! Unser Navi bringt uns zielgenau zu MAN an der Routa 5 Norte (-33.330774S,-70.714058W). Hier werden wir nett empfangen, unsere Probleme werden diskutiert und nun warten wir auf die Reparatur! Bald heisst es: heute geht nichts mehr, aber morgen bestimmt und wir werden morgen auch weiterfahren können.


So verbringen wir wieder einmal eine Nacht auf einem MAN-Gelände. Das Gelände übrigens ist um einiges grösser als in Lima und es scheint auch nochmals ein „Tick“ professioneller zu sein.
Es wird erst um 08.30 Uhr angefangen zu arbeiten. Samuel der Mechaniker macht einen sehr guten Eindruck und gleich nach der Einfahrt in die Halle wird die Kabine gekippt. Das Problem mit dem Pfeifen der Motorbremse wird angegangen. Bald wird festgestellt, dass das alte Problem mit dem Turbokanal nicht zu 100 % behoben werden konnte und das Pfeifen verursacht. Das Diagnosegerät wird noch angehängt, alles am Motor geprüft und auch nach der Konsultation mit dem Chef wird uns mitgeteilt, dass wir mit dem Geräusch „leben sollen“. Keine tragische Sache, das Problem könne bei unserer Rückkehr nach Europa erledigt werden. Hoffen wir nur, dass Bob wie bis anhin das Pfeifen nicht jeden Tag von sich gibt und dass die Prognose richtig ist. Dann geht es an den Tank. Freudestrahlend kommt Samuel nach ein paar Minuten mit der Mitteilung, dass lediglich eine Sicherung durchgebrannt sei und deshalb das Umstellen auf den Tank II nicht klappt. „Que tonto soy“ meint Ernest – hätten wir doch auch einmal kontrollieren können. Dann werden noch die Batterien kontrolliert und neu befestigt. Die Ursache des hie und da auftretenden Geklappers ist somit auch geklärt und gehoben. Kurz vor Mittag verlassen wir das MAN-Gelände. Für die ganze Arbeit haben wir ca. 150.- USDollar bezahlt. Bereits bei der Durchfahrt auf der Carretera Central stellt Ernest fest, dass die Tankanzeige wieder nicht tut. Da wir das Problem aber im Griff haben und sicher nicht wieder mit zu wenig Diesel fahren, kehren wir nicht um und wollen später kontrollieren, ob schon wieder eine Sicherung defekt ist. Sehr zügig fahren wir durch Santiago auf der Carretera 5 (Panamericana) in Richtung Süden und gelangen bald einmal in den „Obst- und Weingarten“ von Chile. Die zentrale Ebene zwischen Küstenkordillere und den Andengipfeln ist das wichtigste Anbaugebiet des Landes – stundenlang dasselbe Panorama: Obstplantage, Reben, Obst und Wein, Wein und Obst und dahinter die schneebedeckten Gipfel der Andenkette. Für uns ein herrliches Bild nach all den vielen Wüstengegenden.


Bei Curico wollen wir versuchen, auf dem Parkplatz eines Weingutes zu übernachten. Leider wollen die uns weder bei der Bodega Miguel Torres noch bei der Vina San Pedro übernachten lassen. So kaufen wir lediglich Wein und fahren weiter bis zum nächsten Rastplatz und bleiben dort für die Nacht. Der überaus nette und freundliche Parkplatzwärter Enrique beschenkt uns schon am Abend reichlich mit Chirimoyas und gibt uns auch gleich noch ein Rezept für einen „Fröhlichen Abend“ (1 Liter Wein, Fruchtfleisch einer grossen Chirimoya pürieren und etwas Zucker dazu, fertig ist das Wundergetränk) – mal sehen. Wir schenken ihm noch eine Schokolade, die verdrückt er innerhalb von Minuten. Der Platz ist zwar die ganze Nacht sehr „lebendig“. Es ist Feiertagswochenende und viele Chilenen fahren ans Meer, machen hier Pause und spielen mit ihren (bellenden) Hunden oder mit ihren schreienden Kindern die ganze Nacht durch.
Bevor wir abfahren, taucht Enrique wieder auf. Er beschenkt uns mit einem Dutzend Eiern von seinen eigenen Hühnern und einem Sack voll Avocados. Wir sind sehr gerührt ab der Herzlichkeit der Chilenos. Wir revanchieren uns mit einem Sackmesser. Ja, wir „geben Gas“ und lassen sicher die eine oder andere Sehenswürdigkeit oder den einen oder anderen Park links oder rechts der Panamericana „liegen“. Unsere Zeit eilt etwas und wir möchten im Süden noch einiges besichtigen. So geht es vorbei an Chillan und Los Angeles bis nach Mulchen. Diese Ausfahrt wählen wir ganz zufällig, weil wir eine Reklametafel eines Hotels gesehen haben und Ernest wieder einmal Hunger hat. Gleich bei der Einfahrt des Städtchens überqueren wir einen hübschen kleinen Fluss und entdecken einen Park am Ufer neben einer kleineren Rodeo-Arena. Hier wird parkiert und das (hauseigene!) Mittagessen eingenommen. An der Rodeo-Arena wird „gewerkelt“ und nach kurzer Abklärung stellt sich heraus, dass in den nächsten zwei Tagen Festlichkeiten mit Rodeo angesagt sind. Keine Frage: wir bleiben und wollen uns ein Chilenisches Rodeo nicht entgehen lassen. Es ist ein herrlicher Platz mit vielen grossen Bäumen, dem gemächlichen kleinen Fluss und das Wetter könnte nicht besser sein – strahlend blauer Himmel. 


Bereits um 8 Uhr am Morgen beginnt der „Wettkampf“, es gibt verschiedene Arten von „Chilenischen Rodeos“. Für jede Übung werden Punkte vergeben. Eine Variante ist, eine Art Dressurprüfung. Schrittgang mit losem Zügel, angaloppieren aus dem Stand mit anschliessendem Galopp durch die ganze Arena, und dieser Galopp muss mit einem direkten stillstand und einer Wende auf den Hinterbeinen enden, der nächste Galopp muss direkt folgen. Wenn das Pferd richtig aufgedreht ist, muss es stillstehen. Stillstehen, während der Reiter absteigt, einige Schritte macht, wartet und wieder zum Pferd zurückkommt – die ganze Zeit stillstehen, ohne auch nur mit einem Huf zu zucken. Was wir sehen ist folgendes: Je zwei Reiter versuchen ein Kalb nur mit dem Pferd, ohne Peitsche oder Lasso, ein einen bestimmten Punkt in der Arena zu treiben. Die beiden Reiter müssen schnell und sicher mit Ihren Pferden umgehen und gut zusammenarbeiten: während der eine das Kalb nach vorne treibt, muss der andere versuchen, ihn schräg an den festgelegten Punkt an der halbmondförmigen Einzäunung zu drängen – alles im Galopp. So wissen wir nun auch, weshalb einige Reiter heute früh in rasanter Geschwindigkeit seitwärts über den Platz geritten sind, sie haben eben geübt. Wir wissen nun auch, weshalb in ganz Südamerika immer wieder seitlich geritten wird – die Rinder werden so abgedrängt.


Eine weitere Variante ist, dass das Kalb bei einem bestimmten Punkt in der Arena hingelegt werden muss, ebenfalls ohne Lasso und Peitsche – in erster Linie muss das Pferd dies erledigen. Es gibt Punkte für Stil und Aussehen. Der breitkrempige Hut darf natürlich nicht runterfallen, das weisse Hemd und der Poncho dürfen nicht verdrecken, die Stiefel werden vorher sauber geputzt und die Sporen (alles „Rädersporen“) poliert. Auch darf nicht brutal mit den Pferden oder dem Kalb umgegangen werden – Eleganz wird mit Pluspunkten belohnt. Die Sieger sind Helden – bei lokalen Rodeos für den Tag in ihren Dörfern, beim landesweiten Rodeo von Rancagua in ganz Chile. Wir lernen auch, dass Chile ein straffes Tierschutzgesetz hat und Stierkämpfe absolut verboten sind.
Gleich neben der Arena sind auch Verkaufsstände aufgebaut worden. Hier wird wunderbares handgearbeitetes Sattel und Zaumzeug für die Pferde dargeboten. Auch die breitkrempigen Hüte werden hier vor Ort mittels Formen und auf Grund der Kopfgrösse des Käufers hergestellt. Schuhe, Ponchos, Lederwaren, Seile usw. können ebenfalls erworben werden. Die Preise sind überraschend hoch. Der ganze Tag herrscht ein reges Treiben bei wunderschönem Wetter und angenehmer Chilenischer Musik. Ein unvorhergesehener toller Ruhetag. 


Am nächsten Tag beginnt das Spektakel bereits wieder um 7 Uhr und viele Reiter sind schon im Einsatz. So verlassen wir früh am Morgen das Gelände, damit wir von den Fahrzeugen der Sonntagsbesucher des Rodeos nicht blockiert werden. Auf der Panamericana geht es bei sehr geringem Verkehr durch Wälder und Landwirtschaftsgebiet.


Der Ginster und der Raps blühen, man könnte meinen, durch Frankreich zu fahren. Kurz nach Tremuco, der Hauptstadt der Region La Araucania und der fünftgrössten Stadt des Landes, verlassen wir die Hauptstrasse und fahren in Richtung Villarica, am gleichnamigen See. In unserem Führer steht geschrieben, dass die Stadt ein unansehnlicher Ort wie eh und je ist. Dem können wir nicht zustimmen. Obwohl heute die meisten Läden geschlossen sind und sicher nicht viel Betrieb herrscht, erinnert uns das Städtchen eher an eine amerikanische Kleinstadt, sehr ordentlich und sauber und mit einer schönen Strandpromenade. 1552 gründeten die Spanier hier eine Stadt als Handelsstation. Diese wurde jahrzehntelang immer wieder von den Mapuche angegriffen und 1602 vollständig zerstört. Fast 300 Jahre siedelte hier niemand mehr an. Deutsche Auswanderer bauten dann die ersten Häuser, der Boom kam aber erst mit dem Beginn des Tourismus in den 1980er Jahren. Heute werden für ufernahe Grundstücke Spitzenpreise bezahlt. Dass Deutsche hier angesiedelt haben, erkennt man immer noch an den Deutschen Namen von Kaffees, Restaurants und diversen Strassennamen. Wir stossen auf das Café Sweet und können nicht widerstehen – Cappuccino und Kuchen am schön wärmenden offenen Feuer. Draussen hat es angefangen zu regnen, innen ist es sehr kuschelig warm.


Es ist hier Frühling, teilweise fast noch Vorfrühling und noch nicht alle Bäume stehen im vollen Laub. Weiter geht es durch schönes Farmland mit viel Viehbestand (alle Tiere sehr wohlgenährt) zum Lago Calafquen und Lago Panguipulli. Zwischendurch hört der Regen auf und die umliegenden Vulkane zeigen sich kurz. Am Lago Panguipulli, gleich neben dem schönen Sandstrand bleiben wir und geniessen zum Nachtessen frisch geräucherten Lachs mit Avocado und frischen Brötchen vom Beck.

 


Kurzgeschichte 20/2014 – Zahlstellen in Chile
Zahlstellen auf der Panamericana sind nicht selten und gehen, je nach dem, in welche „Kategorie“ wir eingeteilt werden, ganz schön ins Geld. Wenn ich unsere Belege zusammen zähle, komme ich auf umgerechnet etwa CHF 100.- seit einer Woche. Ernest macht sich wieder einmal einen Spass daraus „zu verhandeln“. So kommt es auch, dass wir von Kategorie 2 (Auto)  bis 5 (schwerer Lastwagen) schon jeden Betrag bezahlt haben. Allerdings muss ich gestehen, dass er es nicht jedes Mal darauf abkommen lässt, eine Warteschlange hinter sich aufbauen zu lassen, je nach Lust und Laune fühlt er sich in Verhandlungslaune, oder eben auch nicht. Grundsätzlich wird er aber zunehmend etwas mehr „mellow“, freut sich aber auch jedes Mal wieder und ist ganz stolz, wenn nur Tarif 2 bezahlt werden musste und meint dann trocken: schon wieder zwei „Cervezas“ gratis!




Ganz nach oben   2014 Sept.-Okt. Pe/Bol/Chi


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