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2011Minnesota, South u. North Dakota, Montana - USA  km
04.07.2011/MoMitchell, MN - Chamberlain, South Dakota120
05.07.2011/DiChamberlain - Badlands National Park294
06.07.2011/MiBadlands NP - Wind Cave National Park188
07.07.2011/DoWind Cave NP - Camp Crook353
08.07.2011/Fr       Camp Crook - Th. Roosevelt NP, South Unit North Dakota221
09.07.2011/SaTh. Roosevelt NP/SU - Th. Roosevelt NP, North Unit178
10.07.2011/SoTh. Roosevelt NP/NU - Fort Peck, Montana362


Wochenbericht – 04.-10.07.2011  Minnesota/South u. North Dakota/Montana USA
Heute Montag ist der 4. July, Amerikas Nationalfeiertag und wir sind in Chamberlain auf einem Parkplatz am Missouri River. Gleich haben wir Bekanntschaft mit einer, na ja, speziellen Familie, gemacht. Die Grossmutter (trinkt zu viel) wohnt im Altersheim direkt neben dem Parkplatz und feiert den heutigen Tag mit ihren Töchtern und deren Familien. Die Enkelinnen, alle im Teenageralter, haben gefärbte Haare (grün, blau und rot), sind gepierced und sprechen eine sehr derbe, Sprache. Mit der einen Tochter und deren Ehemann (auch nicht der Erste!) konnten wir uns doch recht gut unterhalten und Ernest hat mit ihm einige Drinks genommen.



Am Abend ging es richtig los und es wurde tonnenweise Raketen und Knallkörper losgelassen. Das öffentliche Feuerwerk war ganz passabel, wobei ich dieses von Bob aus gesehen habe – die Moskitos waren mörderisch und haben sogar auch Ernest geplagt. Calou hat alles gut überstanden und ihm macht die Knallerei zu Glück nichts aus.



Einige Gebiete stehen unter Wasser, unter anderem auch der Campingplatz von Chamberlein. In Chamberlain hatten wir übrigens vor 40 Jahren auf unserer ersten Reise durch die USA einen Platten und gönnten uns nach dem Radwechsel einen Banana Split – an solche Sachen mag man sich noch erinnern!
Eigentlich wollten wir ja weiter nordwärts die USA durchqueren, haben uns aber entschlossen nochmals die Badlands und Black Hills zu besichtigen.
Bis zu den Badlands sind wir vorwiegend durch fruchtbares Farmland gefahren.  Badlands, das erst 1978 gegründete und fast 1000 km2 grosse Naturschutzgebiet überraschte dieses Mal besonders. Wir kennen es von den früheren Reisen mit gedorrtem Gras und jetzt finden wir alles sehr grün vor.



Die Wiesen blühen und der Kontrast zwischen grün und den einzigartigen zerklüfteten Landschaft ist einmalig. Die Kräfte der Erosion schufen in Jahrmillionen aus dem einst flachen Steppenboden die bizarren Formen der Badlands, einer gebirgsartigen, zerklüfteten Landschaft aus weichem Tuffgestein und Sedimenten urzeitlicher Flüsse. Die Badlands waren Ausgangspunkt des letzten verzweifelten Aufbäumens der Indianer gegen die Herrschaft der Weissen. Im Mittelpunkt der kultischen Handlungen stand der „Geistertanz“, durch den sich die Indianer in einen Trancezustand versetzten, um mit den Ahnen Kontakt aufzunehmen. Nachdem Soldaten der US-Armee die Geistertänzer im Dezember 1890 in den Sioux-Reservaten verhaftet und dabei den Häuptling Sitting Bull erschossen hatten, flüchteten die Überlebenden in die Badlands, wo sie 14 Tage später im Massaker von Wounded Knee niedergemacht wurden. Heute haben wir den Jahrespass für die National Parks gekauft – kosten für ein Jahr pro Fahrzeug inkl. Insassen US$ 80.-.



Auf der Fahrt auf Naturstrasse (590) zum Sage Creek Campground sehen wir eine grosse Herde Büffel. Wir steigen aus, auch Calou! Das gefällt einem Bison gar nicht und er kommt in Richtung Parkplatz, möglicherweise kennt er den Geruch „Hund“ noch nicht, da es eher ein junger Bison ist und bald gesellen sich noch weitere zwei „Kollegen“ zu ihm. Auf jeden Fall steigen wir wieder in Bob und die Büffel beruhigen sich und kehren zur Herde zurück.



Ernest steigt auf das Dach von Bob und macht von dort aus Fotos. Im Campground gibt es wieder einmal viele Mosiktos und auch Ernest wird verstochen. Calou hat auch etwas Stress wegen den Fliegen und vor allem den vielen Erdhörnchen (Prairiedogs), für Calou sind dies „Chippers“. Trotzdem geniessen wir den Abend im Campingsessel und sehen in der Ferne sogar noch einen Kojoten herumstreichen. In der Nacht hören wir zeitweise deren Geheul.



Auf Naturstrassen fahren wir in den südlichen Teil der Badlands und machen noch einen richtigen „Offroad-Abstecher“ auf den Sheep Mountain Loop. Dieser Ausflug „Toppt“ alles, was wir bis anhin in den Badlands gesehen haben. Wir können mitten durch die gewaltige Landschaft fahren und „klettern“ bis auf 3282 Feet (1000 M) hoch auf ein Plateau mit grossartigem Ausblick in die bizarre Landschaft.  Später haben wir bemerkt, dass die Durchgangsabdeckung von der Fahrerkabine in die Wohnkabine im Bob teilweise abgerissen ist, dies infolge der grossen Verwindungen während der Fahrt (wurde wieder geflickt!). Weiter geht es auf Strasse Nr. 2, ebenfalls Naturstrasse in Richtung Black Hills.



Gerade noch kommen wir an einer riesigen Gewitterfront mit schwarzen Wolken vorbei. Bei Buffalo Gap gelangen wir wieder auf die Hauptstrasse und nehmen nochmals eine kurze Route/Abkürzung auf Naturstrasse zum Wind Cave NP. Während der Fahrt durch den Park sehen wir wieder zahlreiche Büffelherden. Gerade haben wir auf dem Campground im Wind Cave NP Bob abgestellt, fängt es an zu regnen und kühlt etwas ab – wir begrüssen dies sehr. Fröhlichs haben die Uhr mal wieder falsch eingestellt und deswegen 2 Stunden gewonnen (eine Stunde vor anstatt nach gestellt!) Ein Parkwächter, welcher mit Ernest gesprochen hat, hat die Uhrzeit auf der Uhr von Ernest gesehen und gemeint, wenn es wirklich schon 16 Uhr wäre (war effektiv 14 Uhr), hätte er jetzt Feierabend! Für uns Zeit um Bilder auf den Computer zu laden und Tagebucheinträge zu schreiben. Es ist auffallend, wie viele Ranger und Sheriffs auch in diesem Park präsent sind und immer wieder ihre Runden drehen.



Wir haben Glück und sehen auch im Custer State Park viele Bishonherden. Diese mächtigen Tiere mit ihren vielen Jungen stehen teilweise sehr gemütlich auf den Strassen und müssen umfahren werden. Auch in diesem Park hat es auffallend viele Präriedog Towns und es ist amüsant, diesen kleinen, flinken Tieren zuzuschauen. Nach einem kurzen Halt beim Legion Lake entdecken wir hoch oben auf einem Felsen einige Bighorn-Sheeps. Bald sehen wir aus der Ferne das Crazy Horse Memorial.



Der Steinmetz Korczak Ziolkowski, der bereits für Gutzon Borglum (Mount Rushmore mit den vier Präsidenten George Washington, Thomas Jefferson, Theodore Roosevelt und Abraham Lincoln) gehämmert hatte, begann  hier 1947 seinen ganz persönlichen Lebenstraum zu verwirklichen und ein Abbild des Sioux-Häuptlings Crazy Horse hoch zu Ross dreidimensional aus dem Berg zu sprengen. Die geplanten Endmasse: Länge 195 m, Höhe 172 m,  mehr als zehnmal so gross wie die Präsidentenköpfe. Ziolkowski starb 1982 und seitdem arbeiten seine Frau und seine zehn Kinder an der Vollendung oder doch wenigstens an der Fortsetzung seines Werks. Es wird wohl noch Jahrzehnte dauern, bevor der grosse Sioux-Häuptling glattpoliert das Black Hill-Tal überblickt, wenn überhaupt! Deadwood ist bekannt durch Billy The Kid (wilder, junger Mann der einige Cowboys erschossen haben soll) und Pat Garret (hat Billy The Kid erschossen) sowie anderen Persönlichkeiten wie  Bill Hickok (wurde während eines Pokerspiels in den Rücken geschossen und getötet), Calamity Jane (Cowgirl, Showgirl, Prostituierte, Gespielin von Bill Hickok, starb mit 53 an Alkoholismus) Wyatt Earp und Doc Holliday, alles Westernhelden aus früherer Zeit. Erwähnenswert ist auch das legendäre Historic Franklin Hotel, welches im Jahre 1903 erbaut wurde. Alle Zimmer tragen Namen von Persönlichkeiten, welche in diesem Hause einmal übernachtet haben wie z.B. Roosevelt Suite, The Kennedy Suite, John Wayne Room oder Kevin Costner Suite (war hier während der Verfilmung von „Dances with Wolves“). Auch wir haben schon in diesem Haus mit unseren Gruppen gewohnt – nur ist leider noch keines der Zimmer eine „Froehlich Suite“ geworden. Kurze Weiterfahrt nach Sturgis. Der Ort ist sicher nur lebhaft und interessant wenn im August das Harleytreffen mit ein paar hunderttausenden von Besuchern mit  ihren Harleys, stattfindet. Jedes Jahr fordert der Anlass x-Tote, auf der Strasse und in den Bars.



Auf der Naturstrasse 752 und 16 geht es weiter in Richtung North Dakota. Grasland, tiefe Canyons und Felsformationen wie in den Badlands begleiten uns auf dieser Strecke. In Medora kommen wir zum Theodore Roosvelt National Park South Unit. Der Nationalpark ist dem Gedenken an Theodore Roosevelt (1858-1919), 26. Amerikanischer Präsident (1901-1909) und Nobelpreisträger von 1906, gewidmet. In jener Zeit trug Präsident Roosevelt viel zur Erhaltung und Konservierung des Westens bei. Unter seiner Regierung wurden 15 Nationalmonumente und 5 Nationalparks gegründet.



Der Park liegt in den abgelegenen, farbenprächtigen Badlands von North Dakota, populäres Rinderweidegebiet im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts. In dieser Gegend nahm Th. Roosevelt 1883 an einer Büffeljagd teil und wurde Teilhaber einer Rinderzuchtfarm – Maltese Cross Ranch. Die Ranch trug den Namen des Brandzeichens – Malteserkreuz. 1884 gründete Roosevelt seine eigene Elkhorn Ranch, die er bis 1898 als Investition hielt. Danach wurde er Gouverneur des amerikanischen Bundesstaates New York (Roosevelt war in New York geboren), Vizepräsident und Präsident. Etwa zur gleichen Zeit zog es auch den französischen Marquis de Mores in die Badlands. 1883 baute er in Medora (nach seiner Frau benannt) eine Packerei für Frischfleisch auf mit dem Ziel, das Fleisch direkt zum Verbraucher, statt Rinder zur Schlachtung zu den Märkten zu bringen. Nach 3 Jahren allerdings scheitere das Unternehmen. Heute steht lediglich noch der Kamin der Fleischfabrik. Medora ist ein nettes Städtchen mit vielen restaurierten alten Gebäuden und natürlich mit vielen Souvenirshops.



Ernest ist mit Calou vor dem Frühstück durch Marschland auf einem Trampelpfad zum Little Missouri River spaziert und auf dem Rückweg hat ihm ein grosser Bison den Weg versperrt. Die zwei mussten einen Umweg durch Wiese in Kauf nehmen und sind wohlbehalten zurückgekehrt. Nach dem Frühstück haben wir den Loop im Nationalpark unter die Räder genommen und einige tolle Landschaftsformationen und auch wieder Büffel sehen können. Leider können wir in den Nationalparks allgemein keine Trailwanderungen mit Calou machen – Hunde sind nur auf der Strasse und auf den geteerten Pfaden, auf den Campingplätzen und Parkplätzen erlauben – und dies auch nur an der Leine. Nach der Rundfahrt setzen wir unsere Fahrt in Richtung Norden fort und wollen auch noch den Th. Roosevelt NP North Unit besuchen. Bei der Einfahrt wird uns mitgeteilt, dass wir lediglich nur etwa die Hälfte des Parkes befahren können, da die Strasse teilweise einbreche. Wir fahren zuerst zu einem Besichtigungsplatz namens Cannonball Concretions.



Hier sehen wir einen Hügel gespickt mit runden Steinen, die aussehen wie Kannonenkugeln (Cannonballs). Ich gehe mit Calou ein paar Schritte auf der Strasse in Richtung Campground spazieren und was sehen wir am Strassenrand – eine etwa einen Meter lange Klapperschlange. Dies ist nicht wirklich das, was ich sehen will und schon gar nicht in der Nähe des Campingplatzes! Die Schlange wird aber doch noch fotografiert, wenn auch mit dem Zoom! Wir fahren weiter in den Campingplatz und können sehen, dass auch hier das Wasser sehr hoch stand und den Campingplatz teilweise sogar überflutet hat. Ich wähle einen Platz, wo ich fast sicher bin, dass es hier keine Schlangen gibt, da es neben und hinter uns andere Wohnmobile oder Zelte stehen hat. Am nächsten Tag geht es weiter auf den Scenic Drive und da die Strasse nirgends gesperrt ist (aber teilweise in schlechtem Zustand), fahren wir bis an das Ende zum Oxbow Overlook und treffen auf  Ranger Heiser mit seinem Pferd Kid.



Er erklärt uns, dass er seit 38 Jahren Ranger ist und zurzeit in diesem Park verantwortlich für den Erhalt und Unterhalt des 40 Meilen langen Zaunes um den Park. Auf dem Weg haben wir ein paar Bisons gesehen und er erklärt uns, dass es sich bei diesen Tieren um Bisoncows (Bisonkühe – weibliche Bisons) handelt, welche die grosse Herde suchen. Bisonkühe mit ihren Jungen seien immer in der Herde anzutreffen im Gegensatz zu den Bullen, welche sehr oft alleine unterwegs seien. Er hat uns auch erklärt, dass ein sehr strenger Winter geherrscht habe mit viel Schnee und die Schneeschmelze und der viele Regen im Frühjahr der ganzen Gegend und den Parks sehr zugesetzt hätte.



Viele Teile seien überschwemmt gewesen und es falle viel Arbeit an, alles wieder in Stand zu setzen. Nicht nur die Parks, sondern auch die Farmer leiden sehr unter den unüblichen Wetterverhältnissen. Der Ranger übrigens ein Supermann; schlank, braungebrannt, gutaussehend – muss einfach erwähnt werden! Kurz vor der Grenze zu Montana, überqueren wir den Missouri River. Wo genau die Flussufer sind, können wir nicht eruieren, denn weite Teile stehen unter Wasser. In Culbertson begeben wir uns zum Visitors Center von Montana und sind sehr überrascht, dass dieses überhaupt offen ist (Sonntag). Dies ist das wohl hübscheste Visitors Center, welches wir je gesehen haben. Zum Center gehört eine kleine Ausstellung, welches in verschiedenen Räumen z.B. eine Hochzeit, ein Schulzimmer, eine Zahnarztpraxis oder eine Nähstube aus früheren Zeiten zeigt. Auf der zweistündigen Fahrt nach Fort Peck mit riesigem Staudamm und grossem Hydrokraftwerk fahren wir durch endloses, weites Wiesen- und Farmland und durch kleine Dörfer, welche oft nur aus ein paar Häusern, d.h. Baracken, bestehen. Immer wieder sehen wir den Missouri River und viel überschwemmtes Land. In Fort Peck, gleich neben dem Damm finden wir einen tollen Platz – Public Acces, gratis, direkt am Seeufer.



Calou findet auch gleich Freunde und vor allem – er kann endlich wieder einmal ohne Leine frei herumstreunen. Er nützt die Gelegenheit und geht auch gleich einmal kurz noch ins Wasser und geniesst sein „freies Leben“ trotz der zahlreichen Moskitos, die bei Sonnenuntergang auftauchen.


Kurzgeschichte 14 - Shootingout in Medora
Auf einem Plakat in Medora haben wir entdeckt, dass am Freitag um 16.30h das Shootingout stattfindet. In vielen Westernorten wird ein solches Shootingout vorgeführt. Es handelt sich dabei um ein Schauspiel, einer Begebenheit oder Geschichte aus früherer Zeit bei welcher meistens Cowboys, Sheriffs, Banditen oder betrunkene Barbesucher eine Schiesserei anfangen und einige dabei erschossen werden.
Das Shootingout von Medora ging so:  Es kamen drei Cowboys in den Park (wo das Schauspiel stattfand) und fingen an Whisky zu trinken. Gleichzeitig nahte der Sheriff mit seinem Gehilfen. Der Sheriff hat den dreien erklärt, dass Trinken auf der Strasse verboten sei. Er müsse alle ins Gefängnis stecken und sie sollten ihm folgen. Sogleich ist eine Schiesserei losgegangen und einer nach dem anderen wurde „erschossen“ und ist zu Boden gegangen – natürlich alle bis auf den Sheriff! Das ganze „Spektakel“ war nach höchstens 2 Minuten vorbei – eine wirkliche „Kurzgeschichte“! 






2011                         Montana USA                                                    km
11.07.2011/Mo     Fort Peck - Fred Robinson Bridge/Autoroute        368
12.07.2011/DiFred Robinson Bridge - Great Falls314
13.07.2011/MiGreat Falls - Missoula270
14.07.2011/DoMissoula36
15.07.2011/FrMissoula - Kalispell215
16.07.2011/SaKalispell - Whitefish - Tally Lake118
17.07.2011/SoTally Lake0


Wochenbericht, 11.-17. Juli 2011    Montana USA
Anfang der Woche haben wir festgestellt, dass ein recht grosser Steinschlag die Frontscheibe von Bob verunstaltet hat. Ernest war „not amused“ und hat mal wieder geflucht wie ein Bürstenbinder. Danach hat er  kundgetan, dass wir heute nur auf Nebenstrassen fahren werden – gut 100 km sollen es werden. Nach der kurzen Rundfahrt über den Fort Peck Dam, dem grössten hydraulisch gefülltem Damm der Welt, welcher zwischen 1933 und 1940 erbaut wurde, sind wir kurz ins Dorf gefahren, in der Hoffnung einen Glas-Doctor zu finden. In diesem Dorf Fort Peck haben wir lediglich ein paar Häuser und ein Theater vorgefunden – mehr gab es nicht. Bald ging es auf die Gravelroad Willow Creek Road in Richtung Westen. Irgendwann einmal nach ca. 1 ½ Stunden haben wir die falsche Strasse genommen – auf das Navi ist sowieso kein Verlass, da diese kleinen Strassen nicht registriert sind und die Strassenkarte, welche wir mitführen ist auch nicht gerade ausführlich. Glücklicherweise sind wir auf einen Grader, mit Chauffeur Randy, gestossen und er hat uns vorgeschlagen, diesen Weg noch etwas weiter zu fahren, da es zu einem sehr schönen Aussichtspunkt mit Blick über den Missouri River führt.



Haben wir getan und der Platz war wirklich toll. Im Weiteren hat er uns noch genau erklärt, wie wir die nächsten 50 km zur Ortschaft Regina fahren. Recht gut haben wir die entsprechenden Strassen gefunden, wobei diese teilweise eng und löchrig, also recht dürftig waren. Irgendwann ging es aber dann tatsächlich nicht mehr weiter – die Strasse Sun Prairie Road war gesperrt wegen zu vielem Wasser. Umkehren und wieder 50km nordwärts Richtung Malta. Kurz vor Malta haben wir gesehen, dass die Sun Prairie Road auch von der anderen Seite her gesperrt war – hat uns beruhigt. Aus den gut 100km Gravelroad sind es dann ca. 280 geworden!!!



In Malta, wiederum ein kleines Dorf ohne irgendwelche Höhepunkte, obwohl im Führer beschrieben als „die Hochburg“ der Dinosaurierfunde. Das Museum haben wir nicht gefunden, haben aber ehrlicherweise auch nicht gross gesucht. Kurzer Halt, Tanken und weiter auf der 191 in Richtung Süden – James Kipp Campground direkt am Missouri war unser Ziel. Dort angekommen – geschlossen, da alles irgendwann einmal überschwemmt worden ist und der Campground aussieht wie ein grosses Lehmfeld. Auch hier sieht man die Folgen des harten und schneereichen Winters und der vielen Regentage im Frühjahr. Kurz vor der Brücke haben wir eine „Auto Tour Route“ entdeckt und sind diese entlang gefahren und haben wir wieder einmal einen tollen Stellplatz gefunden – schön windig und somit fast keine Moskitos oder Fliegen. Am nächsten Tag soll nochmals eine grössere Strecke auf Naturstrasse gefahren werden. Kurz nach der Fred Robinson Bridge sind wir auf die Knob Ridge Road abgebogen und auf die Nebenstrasse gefahren.



Hier ging es teilweise recht ruppig zu und her und wir sind meistens mit dem zugeschalteten Offroadgetriebe gefahren, da der Weg, obwohl er trocken ausgesehen hat, immer noch feucht war. Auf dem Hochplateau hat Ernest eine Prairie Dog Siedlung gesehen – und Calou hat die Viecher gleich gehört, da wir immer mit offenen Fenstern und offener Dachluke fahren. Die Gelegenheit für Ernest und Calou! Schon lange wollte Ernest Calou mal in so einer Siedlung freilassen – bis anhin waren diese aber immer in irgendwelchen Parks anzutreffen und nicht auf „öffentlichem“ Gebiet. Gleich ist Calou losgestürmt und bald haben wir ihn nicht mehr gesehen! Irgendwie sind wir nicht lernfähig, haben wir doch in Traverse City das teure Hundetracking Halsband mit GPS gekauft und dieses Calou nicht montiert (wird nicht mehr vorkommen). Nach etwa einer viertel Stunde und vielem pfeifen von Ernest ist er dann doch wieder zurückgekehrt, ganz nass und mit der hängenden Zunge. Bei der Weiterfahrt haben wir in der Ferne den kleinen See entdeckt, in welchem Calou wohl ein kurzes Bad genommen hat. Auf der Fahrt nach Grand Falls sind wir das erste Mal an einem Unfall vorbei gefahren. Ein Auto lag auf dem Dach im Graben und es gab Verletzte. Das Krankenauto ist uns erst nach etwa 20 Minuten Fahrt entgegen gefahren. In Great Falls haben wir Ausschau nach einem Glas-Doctor gehalten und gleich bei der Einfahrt in die Stadt einen solchen gefunden. Unglaublich – 20 Minuten hat es gedauert, bis der Steinschlag angebohrt und gefüllt war und 39.- US Dollar inkl. Taxen hat es gekostet. Wir erinnern uns, in der Schweiz kostet dieselbe Arbeit mit demselben Aufwand CHF 250.- (mit der Versicherung wird CHF 450.- abgerecht!) – kein Wunder sind unsere Versicherungsprämien so hoch.



Nach einer kurzen Rundfahrt durch die Stadt Great Falls, wo wir wieder einmal auf einem Walmart PP übernachtet haben, ging es weiter durch die Prärie und durch doch schon recht hügeliges Farmland – in der Ferne sind bereits die Rocky Mountains zu sehen. Unterwegs wurde an der Strasse gearbeitet. Nicht etwa wie bei uns! Von der ersten Maschine wird der alte Belag weggekratzt, dahinter kommen die Lastwagen mit dem Teer, dann die Teermaschine und die Dampfwalze und zu guter Letzt wird noch die Sicherheitslinie gezogen – alles in einem „Gang“.



Bald gelangen wir in die Berge und auf den Rogers Pass mit 5610 Ft. Wunderschöne lichte Waldlandschaft und bis nach Missoula begleitet uns der Blackfoot River – ein Paradies für Kanufahrer. Bei der Einfahrt nach Missoula war es für mich klar – ich habe mal wieder eine Nieren- und Blaseninfektion eingefangen. Die Anzeichen waren schon seit Tagen spürbar und an diesem Morgen habe ich auch schon eine starke Antibiotika Tablette genommen – geholfen hat sie allerdings bis gegen Abend nicht.  Bald entdecken wir eine „Drop In Clinic“ und ich bin dort vorbeigegangen. Meine Vermutung wurde bestätigt und ich habe nochmals ein zusätzliches Medikament verschrieben bekommen – ebenfalls Antibiotika. Kosten für den Arztbesuch $ 65.- und Kosten für Medikament, welches in der Albertson-Apotheke abgeholt wurde, $ 19.-. Auf der Fahrt nach Kalispell haben wir das schöne Flathead Valley mit den Dörfern Ronan, Pablo und Polson am Flathead Lake durchfahren.



Der Norden von Montana wird von den durch Auffaltung entstandenen Formationen der Rocky Mountains geprägt, die hier Höhen von über 3000m erreichen und zahlreiche Gletscher hinab in die Täler senden, an deren Enden sich hinter Moränen Seen aufgestaut haben. Heute haben wir  Markus und Tanja telefonisch erreichen können. Markus ist vor vielen Jahren bei uns als Aushilfschauffeur Badefahrten gefahren und hat mit seiner Familie im Sommer den Wohnsitz in Libby. Wir werden sie noch besuchen. Die kurze Strecke von Kalispell nach Whitefish haben wir auf der Schnellstrasse zurückgelegt. Whitefish liegt am Whitefishlake und das Dorf wurde im Stil der 1927er Jahre restauriert.



Demzufolge sieht es aus wie ein altes Westerndorf, eine Hauptstrasse und alles Geschehen, inklusive Bars, Groceriestores, Hardwarestores, Bäckerei, Souvenirläden usw. an dieser Strasse. Man kann auch die Great Northern Locomotive #181 bewundern, eine von nur sieben dieser Lokomotiven welche überhaupt gebaut wurden. Ebenfalls finden wir ein Gebäude, welches von Frank Lloyd Wright erbaut wurde. Frank Lloyd Wright, Architekt, studierte an der Universität von Wisconsin und machte sich 1893 selbständig. Er begann um 1900 mit dem Bau einer Reihe von privaten Landhäusern im „Prärie-Stil“ mit langen, horizontal betonten und der natürlichen Umgebung angepassten Formen (einige stehen heute noch in Chicago).



Weitere Zeugnisse seiner „organischen“ Architektur sind das 1916 erbaute Imperial Hotel in Tokio, das dem Erdbeben von 1923 widerstand, jedoch 1969 abgerissen wurde und das innen spiralförmig angelegte Guggenheim-Museum (1959) in New York. Neuerdings gibt es ein Roman (keine Biografie) welches sein Leben und das Verhältnis mit seinen zahlreichen Frauen erzählt und zudem einen guten Einblick in die damalige Zeit gibt. Es heisst „Frauen“ und wurde geschrieben von T.C. Boyle. Das Dorf ist sehr strikt mit Parkieren und so wollten wir im nahen Campground übernachten – leider ausgebucht. Wir entscheiden uns, an den Tally Lake zu fahren und haben eine gute Wahl getroffen. Sehr netter Campground direkt am schönen Tally Lake in den Bergen. Gute Spaziermöglichkeiten mit Calou und natürlich wieder Chippers – aber auch Moskitos. Trotzdem braten wir heute unser „Plätzli“ draussen auf dem Grill und geniessen die Sonne und wieder einmal eine Flasche Freixenet. Es gefällt uns sehr gut und wir bleiben zwei Tage. Ernest montiert das Sonnensegel und wie wir vermutet haben, ist dieses eher zu klein und gibt zu wenig Schatten.



Meiner Meinung nach ist es auch etwas kompliziert zu montieren – Ernest ist aber von seiner Konstruktion begeistert und überzeugt. Wir werden sehen, wenn diese das erste Mal wirklich in den Einsatz kommt. Tagsüber keine Moskitos und so sitzen wir unter den Bäumen, lesen, sticken und geniessen die Ruhe – es ist richtig Sonntag!


Kurzgeschichte 15  – Prepaidkarte für den ipad
Seit geraumer Zeit schon versuchen wir für den ipad eine Prepaid Datakarte bei AT&T zu kaufen. In Missoula versuchen wir es wieder. Tatsächlich findet der Verkäufer das Account von Oliver, welches bei AT&T immer noch seit seiner Studienzeit in Miami besteht, aber – es fehlt seine Social Security Nummer und ohne diese Nummer gibt es keine Karte. Anruf in die Schweiz und Oliver konnte uns die entsprechende Nummer geben. Am nächsten Tag erneuter Anlauf bei AT&T und es hat geklapp – ohne Social Security Nummer von Oliver, diese wurde gar nicht mehr erfragt! Ernest hat allerdings nach etwa eineinhalb Stunden warten im Laden langsam angefangen zu „kochen und schnauben“! Schlussendlich hat es nach geschlagenen zwei Stunden rumstehen im Laden doch noch funktioniert. Der Verkäufer oder Berater (ein Schwarzer) hatte seinen zweiten Arbeitstag bei AT&& und effektive keine Ahnung von der Materie und hat das „Ding“ nach zwei Stunden nur hingekriegt dank der Mithilfe einer Kollegin. Im Anschluss daran hat sich Ernest zwei Glas Wein beim Koreaner nebenan gegönnt, die E-Mails eingelesen und seine Welt war wieder in Ordnung.



2011        Montana, USA                                               km
18.07.2011/Mo       Tally Lake - McGregor Lake107
19.07.2011/DiMcGregor Lake - Naxon - Libby                           289
20.07.2011/MiLibby50
21.07.2011/DoLibby5
22.07.2011/FrLibby0
23.07.2011/SaLibby (Wanderung)40
24.07.2011/SoLibby (Wanderung)36


Wochenbericht, 18.-24. Juli 2011    Montana USA
Am Montag fahren wir zum McGregor Lake und finden einen Boat Access mit ein paar wenigen Abstellplätzen. Der Accesshost (Arealbeaufsichtige) lässt uns freundlicherweise über Nacht bleiben obwohl eigentlich Fahrzeuge nur tagsüber abgestellt werden dürfen. Calou und Ernest geniessen ein Bad im McGregor Lake. Immer wieder fahren  Bootsführer mit ihren Booten zum Platz und fahren für eine Stunde oder mehr auf den See. Meistens sitzen die Kinder bei der Wegfahrt auf dem angehängten Boot und die Eltern im Auto – bei uns wäre dies wohl kaum möglich.



Am Abend sind die Mücken wieder los und ein Spaziergang ist fast unmöglich – trotz Mückenspray. Am Dienstag ist wieder Offroad oder besser Naturnebenstrasse angesagt und zwar geht es über die Cabinet Mountains in Richtung Süden. Nach dem genauen Weg müssen wir uns erkundigen da wir über kein gutes Kartenmaterial verfügen. Wir erhalten Auskunft inklusive gezeichnetem Plan von einem netten Herrn und folgen seinen Anweisungen. Es geht zügig hinauf auf guter Naturstrasse in Richtung Butte Pass. Auf der ersten Anhöhe befinden sich einige schöne grosse Pferderanches und die Kulisse zeigt sich wie im Film „Der Pferdeflüsterer“. Viele Szenen wurden hier in Montana gedreht. Die Distanzen sind irgendwie nicht zu ermessen und der Plan zeigt sich zwar korrekt aber von der einen Abzweigung bis zur anderen vergehen mindestens eineinhalb Stunden. Nach einem Passübergang versperrt uns ein in die Strasse ragenden Ast die Weiterfahrt und Ernest steigt auf das Dach.



Er hievt den Ast in die Höhe über Bob hinweg und ich fahre – natürlich nicht ganz seinem Wunsch entsprechend und so sind auch seine Kommentare! Ernest fährt mit dem Velo und mit Calou den Pass hinunter.



Bald kommen wir zum Sylvan Lake, einem weiteren eingezeichneten Punkt auf der Karte. Hier steht eine Tafel „This is Grizzly Bear Habitat“ und zeigt auch den Unterschied zwischen einem Grizzly und einem Schwarzbären – beide hier heimisch. Während der Talfahrt, entlang dem Vermillion River, springt doch tatsächlich ein Bär aus dem Gebüsch und wandert Bordaufwärts.



Den Besuch der „Ross Creek Sedars Scenic Area“ mit den grossen Western Rotzedern lassen wir uns nicht entgehen. Ein angenehmer Rundweg führt durch diesen eindrücklichen lichten Wald mit den, bis zu über 2.5m dicken (Durchmesser) und 55 m hohen, Bäumen.



Auf dem Weg nach Libby fahren wir noch durch Troy, dem tiefgelegensten Dorf in Montana. In Libby finden wir auf anhin das Anwesen von Markus und Tanja mit ihren drei Kindern Kimi, Kaja und Kejan. Ebenfalls anwesend sind Tanjas Eltern Peter und Nelly und eine Freundin von Tanja, Marlene. Sie freuen sich sehr über unseren Besuch und wir können Bob gleich neben dem neu erbauten Loghaus parkieren. Das ganze Anwesen ist traumhaft und liegt mitten in schönem lichtem Wald auf einer Anhöhe und einem Bach in der Talsenke. Die nächsten Tage dürfen wir hier verbringen und haben einiges erlebt. Zu erwähnen ist, dass sich hier keine einzige Mücke gezeigt hat – ein Paradies.




Es scheint so, als dass es den Männern langweilig ist! Irgendwann kommt die Idee auf, mit Bob den Libby Creek zu durchfahren. Zuerst werden auf dem Weg zum Creek kleine Bäume gefällt und Äste weggesägt. Kimi und Kaja wollen natürlich mitfahren. So geht es zuerst durch Wiese und Gebüsch und Wald zum Creek hinunter. Mit der Schaufel wurde bereits die Einfahrt in den Creek etwas entschärft und trotzdem wird vom Auffahrschutz noch etwas Erde verschoben. Bald merkt Ernest, dass die Fahrt durch den Creek nicht ganz so einfach ist. Es liegen relativ grosse Steine im Wasser und diese sind sehr glitschig. Mit einigem hin und her erreichen sie dann das andere Ufer und es wird gewendet.



Die Rückfahrt entpuppt sich als noch schwieriger und Ernest muss Bob zuerst Flussaufwärts mitten im Flussbett auf eine kleine Insel fahren und wenden. Bob steht teilweise bis zum oberen Rand der Räder im Wasser. Bald merken die Männer, dass es nicht möglich ist, Bob wieder aus eigener Kraft ans richtige Ufer zu fahren – zu glitschig ist alles. Markus holt seinen starken Pickup und es wird ein Stahlseil montiert. Mit der Hilfe vom Pickup und Anweisungen von Peter (ehemaliger Fahrlehrer), gelingt es, Bob wieder ans Land zu bringen. Die Männer hatten ihren Spass und Bob hat ein weiteres Abenteuer relativ schadlos überstanden. Einzig die Heizung, respektive die Anzeige (Störk) ist wieder ausgefallen und einige Kratzer mehr finden sich an den Aussenwänden. Auch das Nummernschild musste wieder gerichtet werden.
An einem Tag wollten wir zum Leigh Lake wandern. Mit Peter, Nelly, Kimi und Kaja sind wir zuerst den Cherry Creek und dann irrtümlicherweise dem Snowshoe Creek anstatt dem Leigh Creek entlang bis hinauf zur Mine gefahren. Wir alle haben nicht bemerkt, dass dies wir ins „falsche“ Tal gefahren sind. Zwar haben wir weiter unten im Tal eine Tafel „Trail 132“ gesehen, waren aber der Meinung, diese Weg sei nicht befahrbar und es sei nur der Fussweg, nicht aber die Strasse ausgeschildert. Peter hat schon gemeint, es sähe ziemlich anders aus als vor zwei Jahren als er den Weg bereits einmal gegangen sei. Da es noch andere Fahrzeuge beim Parkplatz hatte, sind wir der Sache aber nicht genauer nachgegangen und haben auch die Wanderkarte nicht sehr gut, oder besser gesagt gar nicht, studiert. Wir haben uns ausgerüstet mit Bärenspray und Bärenglöcklein und uns auf den Marsch gemacht. Der Weg führte steil den Hang hinauf und teilweise war es eher ein Trampelpfad als ein Wanderweg. Markierungen gibt es hier nur dürftig und meistens sind es nur rote kleine Bändel, welche irgendeinmal an Bäumen angebracht werden. Diese fallen natürlich mit der Zeit ab und es ist nicht einfach, den Weg zu finden. Nach einer guten Stunde gelangen wir zum ersten See und haben immer noch nicht gemerkt, dass wir im falschen Tal sind. Peter meinte nur, irgendeinmal müssten wir noch den Bach überqueren und würden an einen Wasserfall gelangen. Beim zweiten kleinen See haben wir auch keinen weiteren Weg mehr gefunden und entschlossen umzukehren. Gerade als wir den Rückweg angetreten haben, sind uns die zwei Männer (bewaffnet mit Pistolen), welche wir ganz unten im Tal bereits überholt hatten, begegnet und anlässlich des Gespräches hat sich dann herausgestellt, dass wir doch die Abzweigung beim Trail 132 hätten nehmen müssen um an den Leigh Lake zu gelangen – dies hier seien die Snow Shoe Lakes. Die Pistolen hatten sie dabei wegen den Bären. Der eine hat zwar gemeint, sie hätten diese noch nie gebrauchen müssen und würden, bevor sie die Bär erschiessen, den Bärenspray einsetzen – sehr beruhigend! Für kurze Zeit uns Calou dann noch verschwunden und wie er dann wieder zu uns gelangt ist, war klar, dass er wieder irgend ein Loch zum graben gefunden hat – Hund total schmutzig. Natürlich war ich wieder „genervt“ und natürlich haben wir ihm das Trackinghalsband nicht angezogen!
Am nächsten Tag wurde die Abzweigung zum Leigh Lake Parkplatz auf anhin gefunden. Die Strasse, wohl eher ein breiter Pfad, führte uns dem Leigh Creek entlang hinauf zu einem kleinen Parkplatz. Dort haben wir, d.h. Peter, Nelly, Kimi und wir, die Wanderung zum Leigh Lake in Angriff genommen. Wieder waren wir ausgerüstet mit Bärenglöcklein, Pfefferspray, Wanderstab und Calou hat diesmal sein Halsband montiert bekommen. Ein schöner, richtiger Wanderweg durch Mischwald mit vielen Zedern führte hinauf ins Tal.



Zwar war auch hier der Weg nicht immer gut zu finden, vor allem im oberen Teil, da es durch kleine Geröllhalden und Felsabschnitte ging. Unterwegs gelangen wir direkt an den Leigh Creek mit kleinem Wasserfall, ein toller Anblick. Nach gut eineinhalb Stunden sehen wir den Leigh Lake. Auf diesem schwimmen immer noch viele kleinere und grössere Eisschollen und man kann erahnen, wie hart der Winter hier oben auf den ca. 1600 Metern war. Weit oben im felsigen Gebirge sehen wir drei Mountain Goats. Calou hat zwei Mal ein sehr kurzes Bad genommen.



Heute ist es sehr warm und wolkenlos – Traumwetter. Nach dem Pick-Nic geht es wieder talwärts und wir treffen doch einige Leute an, welche diesen Weg auch begehen. Calou hatte noch ein kleiner Kampf mit einem anderen Hund (Mischling Husky-Kampfhundart) und hat eine kleine Schramme am Ohr abgekriegt – nicht schlimm.  Auf der Rückfahrt waren wir noch einkaufen, in der Meinung, dass wir am Montag dann wirklich weiter reisen. Allerdings mussten wir erfahren, dass Markus bereits mit Dave abgemacht hat, dass die Männer frühmorgens fischen gehen. Also noch ein schöner Tag in Libby.


Kurzgeschichte 16  -  „Garage Sales“
Meist an den Wochenenden finden sogenannte „Garage Sales“ statt. Diese werden mit Hinweisschildern oder auch in der lokalen Zeitung angekündigt. Ein Garage Sale ist eigentlich ein „hauseigener Flohmarkt“, d.h. man verkauft Ware im eigenen Garten oder eben in der eigenen „Garage“. Hat man genügend, Kleider oder Babysachen, Spielzeuge, Fahrräder, Büchsen, Geschirr, Dekomaterial, Decken, Bastelmaterial, Bücher, Hefte usw. zusammen, welche nicht mehr gebraucht werden oder man löst einen Haushalt auf, veranstaltet man eben einen solchen „Garage Sales“. Die Ware wird zu einem sehr geringen Preis verkauft und so kann man gut und gerne Kinderschuhe für -, 50 Cents oder ein T-Shirt für 1,- Dollar ergattern. Tanja hat 5 alte Blechbüchsen für 1.- Dollar erstanden. Die Kinder konnten für -.50 Cent einen Sack Spielzeug kaufen, Markus hat für …. Dollar zwei Fenster für ein Baumhaus für die Kinder ergattert und ich habe etwa 10 Hefte mit Stickvorlagen für 1.- Dollar erstanden. Garage Sales besuchen ist hier ein „Weekendsport“ und kann süchtig machen.



2011                            Montana USA – Alberta Kanada                      km
25.07.2011/Mo              Libby (Fischen)                                                0
26.07.2011/Di               Libby – Whitefish                                              233
27.07.2011/Mi               Whitefish                                                         0
28.07.2011/Do              Whitefish – Apgar/Glacier NP                            206
29.07.2011/Fr               Apgar/Glacier NP– St. Mary/Glacier NP             202
30.07.2011/Sa              St. Mary/Glacier NP – Many Glacier NP             30
31.07.2011/So              Many Glacier NP – Waterton Lakes NP CA        88


Wochenbericht – 25.– 31. Juli 2011 Montana USA – Alberta Kanada
Die Männer waren fischen (siehe Kurzgeschichte) und kamen im Laufe des Nachmittages zurück mit einer „fetten Beute“ von 6 eher kleinen Kootenai-Salmons. Dies reichte natürlich nicht für das Nachtessen für die ganze Schar. Die Fische haben Kimi und ich unten am Libby Creek ausgenommen.  Bei angenehmen Temperaturen haben wir sowohl die Fische wie auch die dazugekauften Steaks draussen am Grill gebraten – alles schmeckte sehr lecker. Es war tatsächlich unser „Fairwell-Dinner“, da die Abreise definitiv für den nächsten Tag festgelegt wurde.



Mit einem weinenden und einem lachenden Auge haben wir von Messmers und Vetsches Abschied genommen. Die Tage waren herrlich, aber es zieht uns doch weiter. Dem Kootenai River folgend sind wir zum 150km langen, bis nach Canada reichenden, Lake Kocanusa gekommen und weiter zur kleinen Stadt Eureka. Diese liegt nur ca. 10km von der Canadischen Grenze entfernt.



In Eureka besuchen wir das Kootenai House mit einer eindrücklichen Pelzsammlung. Hier werden Mützen, Mäntel und Jacken hergestellt, vieles auf Bestellung und nach Mass. Zudem gibt es zahlreiche lokale Güter wie Tassen, Geschirr, Dekorationsmaterial, Teppiche, Tische und andere Einrichtungsgegenstände. Mit diesen Sachen könnte man ein ganzes Haus einrichten und vor allem vom Geschirr waren wir total begeistert. Ganz ohne Einkauf sind wir nicht aus dem Laden – für unseren ersten Enkel haben wir einen „Rucksack-Bär“ gekauft.



Ja, jetzt dürfen wir „rausrücken“ damit – wir werden im Februar 2012 Grosseltern. Michèle und Oliver bekommen ihr erstes Baby. Seit dem 8. Juli wissen wir es, mussten es aber noch etwas für uns behalten. Wir freuen uns ganz riesig auf das grosse Ereignis und werden Ende Januar bis etwa Mitte März in die Schweiz reisen und auch an der Hochzeit von Jeannine und Karel dabei sein.
In Whitefish haben wir zuerst wieder versucht im Statepark Campground am See einen Platz  zu finden, war aber wieder voll. So sind wir weiter in das Dorf gefahren und haben beim Cheap Sleap Motel einen guten RV-Platz gefunden. Hier haben wir Bekanntschaft mit einem Paar aus Bern gemacht, Larissa und Marc. Sie befinden sich auf einer mehrwöchigen Ferienreise und waren eine Woche  auf einer „Working-Ranch“ in Wyoming. Gleich neben uns haben die Ruoss ihr Trailer und Pickup abgestellt. Iwan Ruoss, ursprünglich aus Laufenburg, hat vor 20 Jahren während einer Wandertour seine Frau Kate kennengelernt und ist in Canada „hängengeblieben“. Iwan ist Schreiner und Besitzer der Cranbrook Interior Woodwork Ltd.in Cranbrook, BC. Die Fahrt in den Glacier Nationalpark haben wir noch um einen Tag verschoben, da das Wetter in den nächsten Tagen besser werden soll. In den Bergen ist noch alles verhangen und immer wieder gibt es kleinere Regengüsse.



Bei schönem Wetter geht weiter in Richtung Glacier Nationalpark. Unterwegs rufen wir Robi an – er hat heute (28.7.) Geburtstag. In Apgar fahren wir zum Campground und reservieren uns einen Stellplatz, was eine sehr gute Idee ist, da die meisten Campgrounds im Glacier gegen Mittag immer „Full“ sind. Ernest möchte noch „kurz“ zum Kintla Lake fahren, was wir auch tun. Die Inside North Fork Road ist leider noch gesperrt und so nehmen wir die Outside North Fork Road, ebenfalls eine Naturstrasse.



Bis nach Polebridge ist die Strasse gut und danach leider gar nicht mehr. Für die weitere Strecke von etwa 28 Kilometer bis zum Kintla Lake brauchen wir mehr als zwei Stunden. Die Landschaft welche wir durchfahren ist aber wieder einmal einmalig und rechtfertigt absolut die Holperfahrt. Bei der Wiedereinfahrt in den Glacier Nationalpark kurz nach Polebridge werden wir von einem Ranger in Schweizerdeutsch begrüsst – leider wissen wir nichts Genaueres über ihn, da hinter uns einige Autos ebenfalls in den Park einfahren wollen und wir weiter müssen.



Der Kintla Lake liegt wunderschön inmitten Wäldern und Bergen und war die Fahrt wert. Hier lernen wir Bob und Linda Olsen aus Kalispell kennen. Die beiden sind, zusammen mit Kollegen auf einer KTV (Kollegen mit einem ATV) hier hochgefahren. Sie haben uns eingeladen auf ihrem Grundstück zu parkieren, falls wir nochmals in Richtung Flathead Lake fahren.  Auf der Rückfahrt machen wir am North Fork Flathead River einen Halt und Calou bekommt nach seiner Chipperjagd wieder einmal ein Shampoo-Bad verpasst – Ernest meint, er „stinkt“.



Zurück beim Campground kommt eine Dame ganz aufgeregt auf uns zu – und wir werden mit jemand anderem verwechselt. Olivia und Fred Harrington haben auf der Tour einen Guy Albert Bazin aus der Schweiz kennen gelernt, er ist ebenfalls mit einem MAN unterwegs. Gleich erhalten wir auch seine Anschrift respektive Email- und Internetadresse von Olivia. Nach dem Nachtessen waren wir noch „auf Besuch“ bei Fred und Olivia. Sie  hat uns ihre „Behausung“ gezeigt, ein typischer amerikanischer Wohnanhänger mit Slideouts (ausfahrbaren Teilen), mit viel Floorteppich, Vorhängen, „Rüscheli“ hier und dort, allerlei Nippes usw. Die beiden sind 7 Monate im Jahr unterwegs, vorwiegend vom Frühjahr bis Herbst im Norden von Amerika und wohnen im Winter in ihrem Heimatort Waxahachie, Texas. Fred war politisch engagiert und hat entsprechend viele Fragen diesbezüglich über die Schweiz und Europa gestellt. Auf deren Visitenkarte steht als Beruf: „Retired, Travelers und Volunteers“ – das Bild auf der Visitenkarte zeigt die beiden in voller „amerikanischer Montur“ spricht Hemd und Bluse mit „Stars and Stripes“. Mit nur einem Kaffee im Bauch geht es am nächsten Tag sehr früh zum Avalanche Creek in Richtung Logan Pass.



Ich fahre heute mit dem Shuttlebus über den Pass nach St. Mary. Unser Fahrzeug ist zu lang und zu hoch für den Loganpass. Erlaubt sind 21 Feet lang und 8 Feet hoch – wir haben 25 Feet Länge und 11.7 Höhe. Aus diesem Grunde fahren Ernest und Calou „untenrum“ via Browning nach St. Mary. Meine Fahrt mit dem kleinen Shuttlebus geht zügig hinauf auf die Passhöhe.  Ab halben Weg wird an der Strasse gebaut und immer wieder stehen wir an einem „Rotlicht“. Die Passstrasse ist sehr imposant und absolut zu vergleichen mit unseren Pässen in der Schweiz. Auf der Passhöhe unternehme ich einen kleinen Spaziergang, teilweise auch über Schneefelder und besuche das Visitors Center mit einer interessanten Ausstellung über die heimischen Tiere: Mountaingoats, Bighornsheep, Cougars (Pumas), Mountain Ground Squirrels (Berg-Höhlen-Eichhörnchen) und natürlich Bären. Eine Bärentatze eines Grizzlys wird gezeigt, Masse: ca. 30cm Breit und 40cm Hoch, Krallen von ca. 10cm Länge – diesem Tier möchte ich wirklich nicht begegnen.



Der Shuttle-Service über den Pass ist im übriges gratis und es verkehren Kleinbusse in 15 - 30 minütigem Abstand. Die Fahrt hinunter nach St. Marys erfolgt in einem „Linienbus“, was nicht gerade vertrauenerweckend war, vor allem im oberen, steilen Teil.



Über den Pass fahren auch alte, rote Cabriolet-Ford-Busse, welche aber mit neuen umweltfreundlichen Motoren ausgerüstet wurden. Kostenpunkt für eine solche Fahrt pro Person US$ 49.-.  Bereits um 13 Uhr ist Ernest in St. Mary eingefahren und beim nahegelegenen Campingplatz  „Johnson’s of St. Mary“ haben wir einen wunderschönen Platz auf einer Wiese zugewiesen bekommen. Mit dem Situationsplan wurde uns ein „Nachruf“ des Gründers des Campgrounds, Lester Reinold Johnson, geboren 27. April 1912 und gestorben im hohen Alter von 96 Jahren überreicht. Er muss eine aussergewöhnliche Figur gewesen sein, hat in seinen jungen Jahren verschiedenen Berufe ausgeübt, hat am Bau des Fort Peck Dam (siehe 10./11.07.2011) mitgewirkt, in der Great Mine in Butte gearbeitet, eine Sägerei bei Great Falls betrieben, war in Alaska auf einer Liberty Ship und als Zivilist im 2. Weltkrieg hat er in Shemya mitgeholfen die Flugpiste zu bauen und auch beim Erstellen des Alcan Highway war er dabei. Nach dem Tod seines Vaters im Jahre 1944 hat er die Farm seiner Eltern übernommen und wurde Farmer und bald einmal hat er in St. Mary nebenbei sein eigenes Handelsgeschäft erfolgreich betrieben. Sein erster Campground eröffnete er bereits im Jahre 1955 und er wurde nebenbei Friedensbeauftragter für das Glacier County, spielte Musik und kochte gerne im eigenen Restaurant, welches ebenfalls zum Campground gehört. Von einem seiner Enkel wurde er einmal gefragt, was die grösste Veränderung in sein Leben brachte – seine Antwort war „Electricity“. Im sehr hohen Alter liebte er es, in seinem Golfwagen auf seinem Campground Bären zu verjagen. Ein wirklicher Kerl von einem Mann! Beim Spaziergang mit Calou auf dem Areal treffe ich auf Franco (www.franco-on-tour.ch) aus Bachenbülach. Er ist seit gut einem Jahr mit seiner BMW auf Weltreise, hat die Türkei, den Iran, Pakistan, Indien, Nepal, Thailand und Japan bereist, übergesetzt nach Vancouver und ist jetzt Richtung Südamerika unterwegs. Er wurde von uns zum Nachtessen eingeladen und wir haben interessante Berichte gehört und zahlreiche Fotos seiner bisherigen Reise gesehen – wiederum ein netter Abend mit einer Reisebekanntschaft.
Von Ernest: Susanne hat Angst vor Bären (korrekt: fürchtet sich vor Bären) – das hat sie mir heute gestanden. Und so bin ich alleine vom Saint Marys Motel beim Swift Current Lake zum Iceberg Lake gewandert. Nicht ganz alleine - ich habe auf den speziellen Wunsch von Susanne hin eine Gruppe abgewartet, hinter der ich dann ein einem Anstandsabstand nachgewandert bin. In Gruppen wandern entspricht den Empfehlungen der Parkverwaltung, der Ranger usw., weil wir uns hier in einem „Baer Habitat“ befinden. Ein massives Bären-Pfefferspray gehört zur Grundausrüstung (neulich haben wir beim Wandern zwei Amerikaner getroffen, die waren zum Schutz gegen Bären mit zwei schönen Magnum Colts ausgerüstet). Nach zirka einer Stunde wird es urplötzlich laut und schrill an der Spitze der Gruppe und gleichzeitig kommt die Warnung: Baers! Ich befinde mich noch hinter einer leichten Wegkrümmung, sehe aber ein paar Sekunden später, dass sich die ca. 5 Kopf starke Spitzengruppe bereits wieder zurückbewegt, weil leicht erhöht, direkt am Pfad, in einem Abstand von etwa 20 Meter zu mir ein recht grosser Bär steht, der keinerlei Anstalten macht, sich irgendwie zurückzuziehen.



Die Spitzengruppe hat drei Fehler gemacht: Sie war zu wenig aufmerksam und hat den Bären übersehen. Beim Kontakt mit dem Tier war sie zu laut und sie hat sich zu schnell zurückgezogen. Das ist leicht zu sagen, wenn man, wie ich, den nötigen oder zumindest einen grösseren Abstand hat. Der Bär ist einige Sekunden weiter dort stehen geblieben, wo er offensichtlich immer gestanden und seine Huckelberries gefressen hat, Dann hat er aber nicht, wie von uns erwartet, den Wanderweg talwärts überquert, sondern ist gemächlich auf uns zugekommen, worauf sich ein Teil der Gruppe gänzlich hinter der kleinen Krümmung verzogen hat. Endlich hat sich der Bär dann doch noch talwärts bewegt und wir konnten zu einem nahe gelegenen Rastplatz weiter wandern, wo das Ereignis diskutiert werden konnte. Und hätte ich die Fotos nicht gesehen, ich würde es sehr wahrscheinlich nicht glauben, was da nun im Detail erzählt worden ist: Offensichtlich ist ein Ehepaar in einem kleinen Abstand zu einer Dreiergruppe und in einem weiteren Abstand zur restlichen Gruppe ein paar Schritte voraus gewandert und hat den Bären übersehen. Dieser wurde auch überrascht und hat in einer Distanz von ca. 2 Metern (es wurde von einem Meter gesprochen), einen Scheinangriff gemacht, worauf die entsprechende „Panik“ ausgebrochen ist. Ein Franzose in der Dreiergruppe hatte die Nerven, relativ schnell einige Fotos zu machen, welche er uns und dann später am Iceberg Lake mindestens weiteren 30 Personen gezeigt hat. Auf einigen Fotos war wirklich nur der Kopf des Bären oder Teile des Tieres zu sehen – es muss eng gewesen sein. Die Wanderung zum Iceberg Lake war im Übrigen fantastisch. Das Many Glacer Valley ist wohl der schönste Teil des National Glacier Parks.



Bereits am frühen Morgen stehen die Camper tatsächlich schon “Schlange” und wollen unseren Platz. Wir lassen uns Zeit für ein ausgiebiges Frühstück und sehen zu, dass wir keinerlei frisches Gemüse und frische Früchte mehr haben – heute geht es weiter nach Canada. Wir bereiten unsere Dokumente für den Zollübergang vor – Pässe, Wagenpapiere usw. und machen noch das „Dumping“. Via Babb geht es zum Zoll „Chief Mountain“ und wir machen uns auf eine längere Prozedur gefasst. Die Amerikanischen Zöllner wollen überhaupt nichts von uns – neuerdings muss man auch die grünen Zettel nicht mehr abgeben, respektive bekommt man bei der Einreise gar keinen mehr in den Pass geheftet. Bei der Einreise in die USA gibt es jetzt ein neues weiss/blaues Formular, welches aber bei der Einreise nur abgegeben wird. Das ganze mag damit zusammen hängen, dass die Amerikaner von uns ja sowieso schon alle Fingerabdrücke und Augenscannung haben. Ist mir aber immer noch nicht klar, wie die kontrollieren wollen, ob wir nach 90 Tagen wieder ausgereist sind oder nicht. Weiter zum Kanadischen Zoll. Hier steht ein sehr freundlicher Zöllner und verlangt unsere Pässe. Wir werden noch nach unseren Reiseplänen gefragt und in ein kurzes Gespräch verwickelt, derweilen sein Kollege einen Stempel in unseren Pass drück und uns mitteilt, dass wir 6 Monate in Canada bleiben können, wenn wir wollen. Weder nach Wagenpapieren, Versicherungspapieren, Hund (Calous Pass haben wir gar nicht gezeigt), nach Esswaren, Spirituosen oder sonstigem wird gefragt – das ganze Prozedere dauerte etwa 5 Minuten, eine echte freudige Überraschung. Im Waterton-Glacier International Peace Park fahren zum Crandell Mountain Campground.



Ernest versucht wieder sein Segeltuch aufzuziehen und meint, in ca. 5 Minuten sei es geschafft. Nach einer geschlagenen Stunde hängt das Seil aber spendet absolut keinen Schatten weil es viel zu hoch hängt und die Sonne schon tief steht. Ernest gibt (endlich!) zu, dass das Ganze nicht das „Gelbe vom Ei“ ist – späte Erkenntnis, aber besser als nie! Am Abend besuchen wir den Vortrag eines Rangers über die Kanadischen Nationalparks, eine unterhaltsame und interessante Sache. Ernest meint, man müsste solche Anlässe des öftern besuchen.


Kurzgeschichte 17  – Männer und das Fischen, es bleibt ein Geheimnis!
Bericht von Ernest: Eben – Fischen ist Männersache und Männer berichten nicht gerne, was alles beim Fischen passiert und über was gesprochen wird. Aber dennoch: Dave hat uns Männer auf sein Boot eingeladen, ein Aluminiumboot, nicht zu gross und nicht zu klein aber mit überraschend guten Fahreigenschaften. Mit zwei Autos sind wir zum Libby Dam Stausee gefahren. Dort haben wir gemerkt, dass auch ein einziges, nämlich das grössere Auto von Markus gereicht hätte, denn er führt im Kofferraum seit neustem eine Anhängekupplung mit, mit der das Boot mühelos gezogen hätte werden können. Als das Boot nach einigem Minuten im Wasser war, konnte der 90 PS Motor nicht gestartet werden – zu wenig Strom in der Batterie. Dave war nicht „amused“ und hat sich schon auf der Rückfahrt und mit der Besorgung von neuen Batterien gesehen. In seinem Auto hat er dann aber nach längerem Suchen und zu seiner grossen Überraschung ein Überbrückungskabel gefunden. Das war aber nicht mehr notwendig, weil in der Zwischenzeit mit der halb lahmen Batterie der 9 PS Motor gestartet werden konnte und dieser wiederum die Batterie für den Start des grösseren Motors aufgeladen hat. Ja, das waren dann auch schon die Highlights. Die sechs kleinen Fische haben wir schnell in fünf Stunden gefangen und dabei kein einziges Bier getrunken – der Morgen war anfänglich bitterlich kalt. Der Anlass war aber wirklich wunderschön, amüsant, interessant und eben – Männer unter sich.