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Mexico - Guatemala -

2012      Mexico/Yucatan - Guatemala         km
03.10.2012/Mi                 Flug Zürich - Cancun0
04.102012/DoCancun - Izamal (mit Taxi)0(250)
05.10.2012/FrIzamal0
06.10.2012/SaIzamal0
07.10.2012/SoIzamal - Campeche360
08.10.2012/MoCampeche - Palenque426
09.10.2012/DiPalenque15
10.10.2012/MiPalenque/Mexico - Tikal/Guatemala          405
11.10.2012/DoTikal - Yax-Hà (Yaxja)80
12.10.2012/FrYax-Hà - Sayaxché140
13.10.2012/SaSayaxche - Lanquin176
14.10.2012/SoLanquin0


Wochenbericht 03.-14.10.2012 / Yucatan, Mexico - Guatemala

Nach vielen Abschiedsessen, Abschiedsapéros und Abschiedsküsschen steigen wir am Mittwochmorgen in die Edelweissmaschine und fliegen Richtung Cancun/ Mexico, ohne Calou. Er bleibt für die nächste Reiseetappe durch die zentralamerikanischen Länder zu Hause und wird vor allem von Fiorella und auch von Daniela/Chrigi und Alexander/Sarina betreut. Der Flug verläuft sehr ruhig, da ich aber schon seit Sonntag mit Halsweh, Heiserkeit und Fieber kämpfe und kein Wort rausbekomme, ist er trotzdem nicht gerade ein Vergnügen. Zwischenlandung in Varadero/Kuba: Wir kommen zurück ins Flugzeug und unsere Sitzplätze sind besetzt. Da sitzt ein russisches Pärchen, beide schon arg alkoholisiert. Er, mit Che-Gevara-Kappe, Armeetarnleibchen und einer dicken Havannazigarre im Mund – Typ Popey (anabolikagefüllt). Sie: schwarze Leggins, gestreiftes Leibchen mit Armeebatten (russische), riesen Sonnenbrille, Platinblond. Als wir darauf aufmerksam machen, dass das unsere Plätze sind, lallt Sie: No problem, no problem, rückt aber nicht vom Sitz bis die Stewardess kommt. Die Crewmitglieder verdrehen bereits die Augen und hoffen sicher insgeheim auf einen problemlosen Flug. Die Russen wechseln dann doch den Platz. In Cancun wird unser Gepäck, bestehend aus einer grossen Eurokiste voll mit Ersatzteilen, Moskitospray, Leuchtkörper, CD’s usw. und einem Seesack mit Elektronischen Geräten, Kabeln und etwas Kleider, genauestens inspiziert. Wir nehmen es gelassen und auch die Zollbeamten zeigen sich von der verständnisvollen Seite und lassen uns ohne weiteren Papierkram ziehen. Für die erste Nacht haben wir in Cancun ein Hotel gebucht, welches ca. 3 km vom Flughafen entfernt liegt. Die geschäftstüchtigen Mexis wollen uns eine Taxifahrt dorthin zu 30 Dollar verkaufen! Nach einigen Telefonaten werden wir dann gratis vom Hotelshuttle abgeholt. Bereits um 19 Uhr sind wir im Bett, ich „totkaputt“ und mit einem noch „dickeren“ Hals und einem unmöglichen Hustenreiz (trotz einigen Tabletten PretuvalC). Das Wetter ist regnerisch und immer wieder schüttet es.

Am Donnerstag, pünktlich um 10 Uhr (wie vorbestellt) holt uns Alex mit dem Taxi ab. Bei leichtem Regen  verstauen wir unser Gepäck und steigen ein. Das Taxi lässt sich aber nicht starten – fängt ja gut an! Alex reagiert aber sehr professionell und besorgt gleich ein anderes Fahrzeug. Der Fahrer, ein typischer Mexi, klein, dick mit schmierigen Haaren und sehr wortkarg. Bevor er losfährt und auch während der Fahrt betet er und bekreuzigt sich mehrmals.



Das Armaturenbrett und der vordere Deckenbereich sehen aus wie ein geschmückter Altar in der Kirche, zusätzlich ist das Auto mit zig Stofffröschen bestückt – andere Länder, andere Kulturen. Er bringt uns sicher nach Izamal und wir werden auch sogleich von Harald und Sonja sowie von Haralds Bruder Reinhard begrüsst.



Ernest kann nicht warten und will, dass Bob so schnell wie möglich wieder läuft. Der Batteriekasten wird geöffnet und alle vorhandenen Messgeräte werden angeschlossen. Eine Batterie hat sich offensichtlich selber „umgepolt“, warum ist rätselhaft. Wer kann hier Rat bieten: natürlich Stefan Lang. Die Sachlage wird geschildert, Stefan überlegt einen Augenblick und bringt nach wenigen Minuten die Lösung, respektive die Erklärung. Da die eine Batterie ganz leer war und nicht ganz fachgerecht wieder geladen wurde, hat sie sich, wie erwähnt, „invertiert“ und die Pole (Plus/Minus) gewechselt. So müssen auf jeden Fall neue Batterien her. Reinhard fährt mit Ernest und den alten Batterien in die Stadt und nach etwa 30 Minuten sind die beiden wieder zurück – mit neuen Batterien. Die beiden neuen Batterien, mit der gleichen Leistung wie die alten, haben genau CHF 160.— gekostet. Harald behauptet, er habe die gleichen vor ca. 10 Jahren in seinen Laster montiert und diese würden ihren Dienst auch heute noch tun. Mal sehen. Die neuen werden angehängt und siehe… Bob läuft wieder. Ich sehe, wie Ernest ein Stein vom Herzen fällt, hat er sich doch auf etwas Gravierenderes eingestellt. Da es heiss und schwül ist, lege ich mich zu einer „Siesta“ hin und schlafe gut und gerne etwa 4 Stunden. Auch am nächsten Tag habe ich immer noch Halsweh und Hustenreiz, die Erkältung will einfach nicht weichen und so verbringe ich die meiste Zeit im Bett, während Ernest fleissig am Einräumen ist und kleinere Ausbesserungsarbeiten vornimmt.



Wir beschliessen noch einen Tag zu bleiben und ich kann wieder ruhen, während Ernest immer wieder etwas zum Werkeln findet. Er fährt mit dem Velo in die Stadt und sieht sich das Kloster an. Nach der Besichtigung will er zurück fahren, bringt aber das Schloss am Fahrrad nicht mehr auf. So nimmt er sich eine Touristenpferdekutsche, fugt das Velo uns sich hinein und lässt sich zum Santo Domingo Stellplatz zurück kutschieren. Schade, habe ich das nicht gesehen, wäre sicher ein Foto wert gewesen. Das Schloss wird geschmiert und siehe da, auch dieses Problem wurde mühelos gelöst. Am Abend fahren wir mit Reinhard in die Stadt und nehmen gemeinsam im Los Arcos, einem guten Restaurant für Einheimische, am Zocolo gelegen, das Nachtessen ein. Kosten für vier Personen mit allem Drum und Dran keine CHF 50.--. Pünktlich zum Einnachten kommen hunderte, wenn nicht tausende von kleineren Rabenvögeln in Scharen angeflogen. Sie übernachten in den Bäumen am Zocolo. Es herrscht ein ohrenbetäubendes Gekrächzte. Es dauert etwa eine halbe Stunde bis jeder Vogel sein Nachtquartier bezogen hat und dann ist von einer Minute auf die andere totale Ruhe. Ein kleines Gratisspektakel.
Früh wollen wir los. Ernest will aber ganz sicher sein, dass die  neuen Batterien nicht rutschen und arretiert diese mit Holzlatten.



Trotzdem schaffen wir die Ausfahrt aus der Hazienda „Romantic Hotel Santo Domingo“ um etwa 9 Uhr. Bei dieser Gelegenheit möchten wir nochmals erwähnen, dass wir die Stellplätze (auch für längere Zeit) das Romantic Hotel von Harald und Sonja Eder in jeglicher Beziehung empfehlen können (www.izamalhotel.com). Auf der Schnellstrasse fahren wir vorbei an Merida und weiter in Richtung Campeche. Unterwegs werden wir noch etwa eine halbe Stunde durch einen Streik von Strassenbauarbeitern aufgehalten. Offensichtlich haben diese nicht den ganzen Lohn erhalten und stellen deshalb alle Baumaschinen quer auf die Strasse. Wie alle anderen warten wir geduldig. In Campeche geht es zum Chedraui für einen ersten Grosseinkauf und dann weiter zum Campground Nautico, direkt am Golfo de Mexico, auf welchem wir bereits einmal übernachtet haben.
Wir folgen der Küstenstrasse am Golfo de Mexico entlang bis nach Sabancuy. Die Fahrt ist wunderschön, weil sie durch eine vorwiegend unverbaute Gegend führt. „Gamberones a la Plancha“ gibt es zum Mittagessen in einem einfachen kleinen Restaurant direkt an der Lagune gelegen. Gegen Abend erreichen wir „unseren“ Campground Mayabell in Palenque (auch diesen kennen wir vom Frühjahr her). Zum Nachtessen gibt es Suppe für mich und Spaghetti für Ernest im Restaurant. Zwei Musiker geben ihr Bestes und spielen Lieder von Paul Simon und auch mexikanischen Interpreten. In der Nacht schüttet es kräftig.
Nochmals bleiben wir einen Tag in Palenque, fahren schnell mit Bob in die Stadt, um Geld zu wechseln und um zu tanken. Wir erkundigen uns, ob eine Fahrt über die Hügel von Chancala via Aena de Hidalgo möglich ist. Die Frage wird mit der Bemerkung „pero muy peligroso“. Wir vertagen den Entscheid betreffend Route.



Ernest besucht nochmals die Ausgrabungsstätte und ich nähe noch den Reisverschluss in das Mosiktonetz der Beifahrertüre ein (macht das Fotografieren während der Fahrt wieder möglich). Das Nachtessen nehmen wir nochmals im Restaurant Mayabell ein und legen uns früh schlafen.



Am Mittwoch ist um 7.15 Uhr Abfahrt und wir gelangen nach etwa 3-stündiger Fahrt via Catazaja, Emiliano Zapato, Tenosique durch eine wunderschöne grüne, mit vielen kleinen Seen versetzte Landschaft zum neuen Zoll El Ceibo/Al Ceibo (Mexico-Guatemala). Bei der Ausreise „knöpft“ mir der „nette“ Zollbeamte nochmals die Grenzgebühr von etwa 250 Pesos pro Person ab, ich habe mich offensichtlich zu wenig gewehrt und Ernest ist einen Moment lang sauer auf mich. Er meint, wir hätten diese Gebühr bereits mit dem Flugticket  bezahlt. Die Einreise nach Guatemala erfolgt reibungslos und der ganze Übertritt dauert eine knappe Stunde. Das Zollbüro selber ist immer noch in einem Lastwagen untergebracht. Wir haben vorgesorgt und schon mal die notwendigen Kopien (je eine Kopie der ersten zwei Seiten des Passes und des Führerausweis des Fahrzeughalters sowie des Fahrzeugausweises) auf dem „hauseigenen“ Scanner und Drucker erstellt. So erübrigt sich die Fahrt mit einem Tuc-Tuc ins Dorf zum Fotokopierer. Für den „Import-Kleber“ des Fahrzeuges müssen wir auf der „Bank“, welche sich gleich neben dem Zollbüro befindet, 160 Quezales bezahlen. Der Computer des Zollbeamten findet dann allerdings unsere „Schweiz“ nicht. Es wird gesucht nach Suiza, Switzerland, Helvetica (vergessen haben wir allerdings „Confederatione Helvetica“) – keine Schweiz im Computer. So steht nun auf unserem Fahrzeugimportpapier „Swaziland“. Wir machen darauf aufmerksam und so bringt der Zollbeamte auf der Rückseite von Hand mit einem entsprechenden Stempel die entsprechende Korrektur an. Pro Person erhalten wir eine Touristenkarte. Diese kostet nichts. Vom Formular „A-C4“ wollen die Zollbeamten allerdings nichts wissen. Dieses Papier soll die Einreise in die weiteren Staaten Honduras, Nicaragua und San Salvador mit einschliessen. Mit diesen Papieren gehen wir noch zum Immigrations-Zoll (gleich hinter dem Lastwagen) und erhalten dort den notwendigen Stempel im Pass. Auf einer weiterhin erstaunlich guten Strasse geht es in Richtung Tikal.



In Guatemalas hat es keine „Topes“ mehr, hier heissen sie „Tumulos“ und es scheint, dass die hier noch zahlreicher vorhanden sind als in Mexico (auf jeden Fall sind sie wesentlich schlechter markiert). Auffallend ist, dass sich hier in den Dörfern an der Strecke nach La Liberdad jede Familie mindestens ein paar Säue, Hühner, Pferde und Hunde hält. Alle diese Viecher laufen frei herum und sind sich offensichtlich an den Verkehr gewohnt. Die Hunde, wie auch in Mexico, meist bemitleidenswerte Kreaturen, brandmager und nicht wirklich geliebt. In La Liberdad wird auf einer Bank noch Geld gewechselt und dann geht es weiter durch Santa Elena bis nach Tikal. Beim „Kiosk“ buchen wir eine „Morgentour“, Start 04 Uhr! Wir begeben uns zum Jaguar Inn PP, wo wir Bob auf der Wiese abstellen können.
Immer wieder regnet es in der Nacht und pünktlich um 03.30 Uhr geht der Wecker los. Wir starten um 4 Uhr mit Abel, unserem Führer, die „Sunrise-Tour“ – es regnet. Extrem zügig geht es zum Tempel IV, wo wir bereits vor 5 Uhr ankommen. Auf der obersten Treppenstufe warten wir, eingepackt in Faserpulli, Regenjacke und mit Regenhut auf den „Sonnenaufgang“. Leider sehen wir nur Nebelschwaden vorbeiziehen und zwischendurch erhaschen wir einen Blick auf den „Grossen Tempel“.



In Tikal lebten zur Blütezeit ungefähr 100‘000 Mayas. Um ca. 6 Uhr erwachen die Brüllaffen und so kommt etwas „Bewegung“ ins Spiel. Ernest hat lauter gute Ideen: Er meint, dass man etwas Professionalität in diese Besichtigung einbringen sollte und z.B. Kaffee und Gipfeli verkaufen könnte oder eine „Tarzan und Jane-Show“ mit abschliessendem Feuerwerk veranstalten könnte. Offensichtlich ist er noch müde oder spürt den Hunger. Er lacht ab seinen eignen Ideen, die wenigen andern Gäste auf dem Tempel, die andächtig der Stille horchen, finden sein Gekicher gar nicht lustig. Die Sonne zeigt sich also nicht und es beginnt auch wieder stärker zu regnen (das Erlebnis war aber trotzdem ausserordentlich und beeindruckend).



Dies bewegt unseren Führer, uns die Anlage im Schnelltempo zu zeigen und wir müssen höllisch aufpassen, dass es uns nicht hinhaut, da alles extrem schmierig und schlüpfrig ist – da helfen auch unsere Wanderschuhe nicht. Das Positive an der Sache ist, dass wir alleine sind – weit und breit kein anderer Tourist oder Führer mit einer Gruppe.



So können wir die wunderbare Anlage in Ruhe geniessen. Zurück beim Bob gibt es Frühstück. Nach Möglichkeit wollen wir heute noch mit Dieter Richter (Empfehlung von Susi G.) nach Yax-Ha. Wir versuchen mit dem Hoteltelefon zu telefonieren (da kein Netz auf Handy). Strom gibt es aber erst ab 10 Uhr, uns so gelingt es uns, um 10.30 Kontakt aufzunehmen um eine Verabredung zu treffen. Ernest geht nochmals in die Anlage Tikal und ich schreibe Tagebuch. Die Fahrt nach Yax-Ha dauert etwa 1 ½ Stunden, zuerst geht es in Richtung Belizé und dann etwa 11 km auf einer Naturstasse in Richtung Dschungel und Laguna Yaxjà. Am Eingangsgate treffen wir Dieter (Dieter Richter, Café Yax-Hà, Flores, Tel. 502  5830-2060, E-Mail: info@cafeyaxha.com) und fahren dann zum wunderschön gelegenen Campenato (Campingplatz) direkt am See (gratis).



Zusammen mit zwei weiteren Schweizerinnen, einer Australierin und einem Griechen mit seiner Japanischen Ehefrau geniessen wir eine äusserst interessante und amüsante Führung durch die traumhafte Anlage Yax-Hà, wo einst etwa 18000 Einwohner zur Zeit der Maya gelebt haben sollen.



Gerade richtig zum Sonnenuntergang sitzen wir auf dem höchsten Tempel mit wunderbarem Blick auf den See. Nachdem wir uns von der Gruppe verabschiedet haben, begleitet uns ein freundlicher Ranger in der Dunkelheit zum Bob zurück. Es ist heiss/schwül und wir geniessen eine angenehme „Aussendusche“. Wie schon einige Male erwähnt: Ernest hat immer Hunger. Heute muss er sich aber mit Tomaten, Saronno-Schinken (aus Mexikanischen Schweinen!) und Käse mit Brot begnügen – nach diesem langen und anstrengenden Tag (wir sind hunderte von Treppenstufen hinauf- und hinabgestiegen) mag ich nicht mehr kochen. 
Um etwa 6 Uhr werden wir wieder durch ohrenbetäubendes Krächzen und Rufen tausender Vögel und dem Schreien der Brüllaffen (Howling-Monkeys) geweckt. Das Konzert dauert lediglich 15 Minuten und dann ist wieder totale Ruhe. Auf der Rückfahrt zur Hauptstrasse muss Ernest wieder einmal das Untersetzungsgetriebe einschalten. Die Strasse ist mit grossen glitschigen Steinen bestückt und sehr steil. Aber Bob schafft das. Wiederum geht es durch die netten Siedlungen mit ihren Schweinen, Hunden und Pferden in Richtung Flores. Gleich nach dem Flughafen finden wir ein Einkaufszentrum und besorgen uns wieder Wasser, Dosenfutter, Müesli usw. Flores lassen wir „rechts liegen“ und erhaschen lediglich einen Blick auf die Insel. Die Fahrt geht in Richtung Süden via La Libertad bis nach Sayaxché.



Hier müssen wir auf einer Fähre den Fluss überqueren. Die Fähre wird mit Aussenbordmotoren betrieben – eine interessante Angelegenheit. Da auf der entgegenkommenden Fähre Lastwagen stehen, haben wir keine grossen bedenken und auch der Fluss ist nicht sehr breit! Es scheint, dass das Wasser sehr hoch steht, viele Bäume stehen im Wasser und die Anlagestelle der Fähre wurde mit Kies und Schotter aufgefüllt. Gleich nach der Fährüberfahrt finden wir auf der rechten Seite einen grossen Parkplatz und begeben und auf kurze Erkundungstour durch das Städtchen. Gemäss Führer gibt es hier einen Don Pedro mit einem Reisebüro.



Wir fragen nach ihm und sofort wird telefoniert und uns sein „Büro“ gezeigt. Generell darf gesagt werden, dass die Guatemalteken überaus freundliche, hilfsbereite und zuvorkommende Leute sind und immer lächeln – auch wenn sie hie und da versuchen, uns „über den Tisch zu ziehen“.



Es beginnt wieder einmal zu regnen und wie wir von „Don Pedro“ erfahren, ist dies am Nachmittag meist der Fall. Somit buchen wir also eine Bootstour für den nächsten Tag um 7 Uhr nach El Ceibal. Bob stellen wir direkt vor dem „Büro“ von Don Pedro ab und können auch hier übernachten.



Pünktlich geht es mit dem Boot los – unser Capitano ist Hillio (oder ähnlich) und er überrascht uns mit seinem Englisch und seinen guten und ausführlichen Berichten über die Ausgrabungsstätte El Ceibal, welche wir nach einer Stunde Bootsfahrt und einer Wanderung von ca. 30 Minuten erreichen. Unterwegs treffen wir auf eine kleine Schlange von etwa 20cm Länge. Hillio erklärt, dass diese sehr giftig ist (Name: Santa Maria) und man höchstens noch zwei Stunden zu leben hat, wenn man gebissen wird. Auf dem Weg zum Haupteingang werden wir von Mosquitos geplagt und sind froh, dass wir unseren Spray dabei haben. Als natürliches „Antimittel“ gibt uns Hillio ein kleines Bündel aus jungen Palmenblättern. Damit wedelnd, verscheuchen wir die Viecher. Sehr viel wurde in diesem Gebiet nicht freigelegt, aber die 15 Stelen und der eine Tempel sind wirklich sehenswert. Ein schönes Relief zeigt das ganze Ausmass der Stätte, wo an die 10‘000 Einwohnern gelebt haben sollen.



Der El Ceibo ist ein heiliger Baum der Mayas und wir lernen, dass seine vier Hauptwurzeln immer Ost/West und Süd/Nord ausgerichtet sind.



Auch dieser Besuch hat sich gelohnt, auch wenn er sicherlich nicht als Highlight bezeichnet werden kann. Mit dem Boot geht es wieder zurück nach Sayaxché und im Bob bis nach Grutas de Candelarios. Hier fragen wir an einer Tankstelle, ob die Abkürzung nach Grutas de Lanquin gut befahrbar sei – und das wird bejaht. So fahren wir ca. 20 km auf geteerter Strasse und dann auf einer guten Naturstrasse weiter 10 km. Unterwegs stossen wir auf eine Tafel, worauf angezeigt wird, dass eine Durchfahrt nur von 06-09, 12-14 und 18-19 Uhr aus Gründen von Bauarbeiten möglich ist. Wie einige andere, die in dieser Gegend unterwegs sind, gehen wir davon aus, dass diese Mitteilung für uns keine Gültigkeit hat.



Nach weiteren 5 km aber stossen wir tatsächlich auf eine Barriere und uns wird mitgeteilt, dass eine Weiterfahrt erst um 16 Uhr möglich sei – es ist 15 Uhr. Wie durch ein Wunder geht es aber nach 15  Minuten Wartezeit doch weiter – bis zur nächsten Absperrung.



Hier warten wir mit ca. 20 andern Fahrzeugen gut anderthalb Stunden, bis es bei Dunkelheit wieder weitergeht. Grundsätzlich wollen wir ja bei Dunkelheit nicht fahren, unser Ziel liegt lediglich 15 km vor uns. Auf holpriger Strasse nehmen wir die restlichen Kilometer in Angriff, kommen aber nur ganz schleppend voran. Immer wieder fragen wir uns, ob in dieser verlassenen Gegend unser Übernachtungsort doch noch kommt. Für die 15 km brauchen wir fast eine Stunde und gelangen endlich zum „Hotel El Retiro in Lanquin“, welches im Führer beschrieben ist. Ein freundlicher Mann zeigt uns, dass wir an der Strasse bei einer Ausbuchtung parkieren können und sofort geht es zum Restaurant in der Anlage – Ernest hat wider „kohldampf“, verständlich nach dieser Fahrerei. Er hat sich sein Bier verdient!



Am Vorabend haben wir gehört, dass es nach Semuc Champey Shuttelfahrzeuge gibt. Nachdem wir auf der Internetseite von Thomas (www.abseitsreisen.com) gelesen haben, dass insbesondere die Fahrt über eine Brücke mit grösseren Fahrzeugen nicht möglich ist, beschliessen wir, einen solchen Shuttle zu buchen und nicht mit Bob zu fahren. Wir werden, zusammen mit etwa 10 weiteren Touristen auf die Ladebrücke des Fahrzeuges verfrachtet und los geht es. Die Strasse ist extrem steil, nass und schmierig und vor allem – die Überfahrt über die Brücke wäre mit „Bob“ tatsächlich nicht möglich gewesen – wir fragen uns, wie Thomas das geschafft hat.



Die Brücke wird mit Stahlseilen abgespannt und zwar nicht in die Höhe am Felsen, sondern am Boden. So ist die Durchfahrt unter den Stahlseilen und dem Einfahrwinkel auf die Brücke für grössere Fahrzeuge gar nicht möglich. Aktivprogramm ist angesagt – siehe Kurzgeschichte!
Die 45-minütige Rückfahrt nach Lanquin erfolgt mit einem Kia und wir können diese auf der zweiten Sitzbank im Fahrzeug zurücklegen. Nachtessen im El Retiro bei guter Musik und sehr schlechtem Internetempfang.

Kurzgeschichte 15/12 - Das etwas grenzwertige „Aktivprogramm“ in Semuc Champey
Das Highlight Semuc Champey ist eine 300m lange Naturbrücke aus Kalkstein. Auf dieser Brücke befinden sich zahlreichen Becken, die vom Hangwasser durchspült werden und zum Schwimmen einladen. Für die 140 Quezales (ca. CHF 17.--), welche wir pro Person bezahlt haben, ist ein ganzes Tagesprogramm inbegriffen. Zuerst geht es mit einem Führer etwa 30 Minuten hinauf zum Aussichtspunkt „Mirador“.



Die Aussicht ist tatsächlich fantastisch und der Blick auf die Wasserbecken einmalig. Unten bei den Wasserbecken angelangt, geht es zum nächsten Programmpunkt: Schwimmen, springen, rutschen und tauchen in den türkis und smaragdgrünen Becken. Unsere Badehosen haben wir natürlich vergessen und so geht lediglich Ernest (in Unterhosen – bei den Männer geht das ja!) in die Becken. Es soll sehr viel Spass gemacht haben, trotz den Beulen und Kratzern am Hintern und am Bauch! Bevor es zu weiteren „Attraktionen“ geht, gibt es im „El Portal“ Mittagessen (nicht inbegriffen). Als absoluter Höhepunkt darf die Besichtigung der Höhlen von S. Maria (5 Gehminuten vom „El Portal“) nach der Mittagspause bezeichnet werden. Die Höhle wird watend, kriechend und schwimmend durchquert. In der Höhle selber hört man ständig ein recht intensives Geräusch von tosenden und fliessenden Wassern, ohne dass man genau wüsste, woher es kommt. Am Ende der Höhle erreicht man dann tatsächlich einen Wasserfall, der von aussen einzudringen scheint. Dieser muss unter- resp. hinter quert werden. Auf dem Rückweg folgt man dann diesem Höhlenbach, um nach einer ca. 30-minütigen „Wanderung“ dem absoluten Höhepunkt entgegenzusteuern. Der Bach sucht seinen Ausgang ins Freie durch ein Loch von ca. 80 cm Durchmesser. Weil im Oktober sehr viel Wasser fliesst, wird diese Öffnung (mit unsichtbarem Ende und unbekannter Länge, mit einer Neigung von geschätzten 90 Prozent) eigentlich vollständig mit dem stark fliessenden Wasser durchflutet. Weil das Höhlensystem und der Zugang zu diesem Loch bereits sehr schmal sind und der Lärm des tosenden Wassers gross, verstehen die letzten der Gruppe die Instruktionen des Führers nicht. Immerhin haben auch diese noch knapp mitbekommen, dass es gilt, sich in dieses Loch zu stürzen (der Führer „verabschiedet“ sich als erster, weil ihn bereits die nächste Aufgabe weiter unten erwartet). Also – tief Luft und Mut holen und sich einen „Schups“ geben! Die Rutsche dauert gefühlte 2 bis 3 Sekunden, es geht schnell, die zurückgelegte Distanz ist schwer abzuschätzen. Unten angekommen steuert das Wasser rasant einem andern Ausgang zu, wobei dort – ach welches Glück und Gott sei Dank – der Führer bereit steht, den Teilnehmer am Arm packt und in ruhige Gewässer weiterleitet (mit der Frage, ob noch weitere oben seien!). Ernest hatte sehr grossen Spass an der Sache, wobei er sich ernsthafte Gedanken über die Sicherheit gemacht hat (nur 1 Führer bei einer Gruppe von 12 Personen, nur Kerzenlicht, keine Helme, keine Sicherheitsausrüstung, nada). Aber vielleicht war es gerade deshalb das einmalige Erlebnis.



Als Programmabschluss wird dann noch ein „Tubing“ (Schlauchringfahren) auf den Fluss geboten (mit fakultativem Bier), ein entspannendes Vergnügen auf das doch etwas stressreiche Vorprogramm.


2012Guatemalakm
15.10.2012/Mo          Lanquin0
16.10.2012/DiLanquin - Nebaj          193
17.10.2012/MiNebaj0
18.10.2012/DoNebaj - San Francisco el Alto               176
19.10.2012/FrSan Francisco el Alto - Chichicastenango             85
20.10.2012/SaChichicastenango0
21.10.2012/SoChichicastenango - Lago Atitlan/Panajachel50


Wochenbericht 15.-21.10.2012 / Guatemala

Es ist regnerisch und bedeckt, somit versuchen wir zum x-Mal  unsere Mails zu laden – und siehe es geht, wenn auch nur extrem schleppend. Wieso und warum jetzt und all die paar Tage zuvor nicht, können wir uns nicht erklären. Internet ist nach wie vor kein Thema und so haben wir uns bis anhin nie informieren können, was „auf der Mutter Erde“ so läuft. Langsam geht Bob der Strom aus (alles was unter der Hälfte ist beunruhigt uns) und wir sehen auf der gegenüberliegenden Seite der Strasse auf dem Areal des El Retiro eine Steckdose – mit Strom.



Unsere Kabel sind natürlich nicht lang genug und so fahren wir mit einem Tuc-Tuc, mit Fahrer Cocha, um ein längeres Kabel zu kaufen. Zuerst geht es zur Bank und ich versuche Geld zu wechseln. Es ist ein etwas langwieriges Verfahren, da die an zwei verschiedenen Schaltern meinen Pass sehen wollten. Ich habe nur die ID dabei. Das Problem ist mein Name: Susanne Doris Fröhlich-Müller – irgendwie zu viele Namen für Guatemalteken. Ich erkläre, dass wir in der Schweiz auch zwei Vornamen haben können und auch der Mädchenname nebst dem Familienname aufgeführt wird. Der Bankbeamte „kämpft“ etwa 15 Minuten mit seinem Computer und dann werden meine Dollars doch noch gewechselt. Auf der Quittung steht: Susanne Doris, Kundennummer 6714931! Schnell haben wir ein 25 Meter Kabel gefunden und zurück geht es zum Stellplatz. Ernest hat die gloriose Idee das Kabel über Bob und über die Strasse durch das Geäst eines Baumes zu führen. Grundsätzlich gelingt dies auch, aber das Kabel hängt zu tief und wir müssen mit dem Besenstiel das Kabel für die durchfahrenden kleinen Laster mit Personen „manuell“ erhöhen. Als zweiter Schritt wird die kleine Leiter auf das Dach gestellt um das Kabel höher zu legen. Zum Glück kommt ein grösserer Laster und macht klar, dass auch dies nicht geht. Ernest ist genervt. Ich hole alle Kabel runter und wir beschliessen auf mein Anraten hin, das Kabel einfach auf der Erde liegend über die Strasse zu führen. Links und rechts stellen wir unsere Pillonen auf und in die Mitte legen wir ein grosses Holzstück, so dass sowieso jeder abbremsen muss. Um 17.30 holt uns Cocha mit seinem Tuc-Tuc wieder ab und wir fahren zu den Grutas de Lanquin, den Höhlen von Lanquin. Wir wollen die Fledermäuse aus der Höhle ausfliegen sehen. Auf wieder einmal extrem glitschigem Terrain erreichen wir zu Fuss den Höhleneingang.



Pünktlich zum Einnachten fliegen die relativ kleinen Fledermäuse zu tausenden hinaus in die Nacht. Ein herrliches Erlebnis. In der Nacht regnet es sehr stark. Mitten in der Nacht springt Ernest auf und stösst einige unschöne Fluchwörter aus. Neben unserem Bob steht quer in der Strasse ein Lastwagen. Wegen der rutschigen Strasse und möglicherweise unserem grossen Holzstück auf der Strasse kommt er nicht an uns vorbei, muss wieder zurückrollen und versucht es noch einmal – diesmal zum Glück mit Erfolg. Wir atmen auf, schlafen aber sehr unruhig.
Bis in die frühen Morgenstunden schüttet es heftig und wir hoffen, dass die Naturstrasse von Lanquin bis zur geteerten Hauptstrasse trotzdem einigermassen passierbar ist. Es scheint so, als dass es nur in Lanquin so geregnet hat und nach etwa 45 Minuten erreichen wir die Hauptstrasse in Richtung Coban. Unterwegs immer wieder die ausgemergelten Hunde am Strassenrand und als „Höhepunkt“ zwei kleine, keine 4 Wochen alten Welpen, welche mitten auf der Hauptstrasse spielen – ich muss einfach wegschauen und hoffen, dass die ihr Abenteuer überleben. In Coban füllen wir unseren Wassertank und weiter geht es zum bekannten Highway 7W, der „Mutter aller Schotterstrassen“ (siehe Kurzgeschichte). Ende 2008 ereignete sich ein katastrophaler Bergrutsch, den wir nach etwa einer einstündigen Fahrt erreichen.



Bislang wurden keine offiziellen Versuche unternommen, die Strasse zu reparieren. Die Einheimischen haben eine Umleitung konstruiert, die generell, wie wir selber erfahren können, als nicht sicher gilt. Zum Glück regnet es nicht und wir fahren ebenfalls über die Schotter- und Schuttpiste wie viele vor und nach uns. Am Ende der Strasse bezahlen wir den Strassenarbeitern, welche die Piste einigermassen befahrbar machen, gerne die geforderten 25 Quezales.



Erst nach etwa weiteren 30 Kilometern Schlaglöchern, Schlammlöchern und Wasserlöchern erreichen wir dann doch wieder den geteerten Abschnitt der Strasse und kommen recht gut voran. Immer wieder treffen wir auf Landabgänge und müssen die provisorischen Wege nehmen.



Teilweise ist auch die Strasse bis fast zur Hälfte abgebrochen, als Warnung liegen ein paar Aeste auf der Strasse vor dem Abbruch. Wir stellen uns vor, wie das Ganze in der Schweiz gehandhabt würde. Die Strasse würde für Wochen, Monate oder Jahre gesperrt und erst wieder freigegeben, wenn alle Hänge gesprengt, gesichert und stabilisiert wären. Hier hat man einfach Glück oder Pech! Ab Uspantan ist die Strasse gut und es geht über Serpentinen hügelaufwärts und hügelabwärts bis nach Nabaj, auf 2000m Höhe gelegen. Eine lebhafte kleine Stadt, welche vor allem als Ausgangspunkt für Wanderungen in die naheliegenden Cuchumatanes-Berge dient.



Nicht wirklich ein schönes Dorf und sehr ärmlich. Wiederum folgen wir einem Tipp von Thomas und stellen unseren Bob auf dem Hinterhof des Hotel Lleb’al Tenam ab. Zwar parkieren viele kleinere Lastwagen ebenfalls auf diesem Areal und bis etwa 20 Uhr geht es sehr lebhaft zu und her. Wir unternehmen noch einen kleinen Spaziergang durch die Stadt, mit dem Ziel etwas zu essen, finden aber das empfohlene Restaurant nicht und auch die Gerichte an den Strassenküchen sagen uns nicht zu. So geht es zurück zum Bob und die selbstgemachte Ratatouille mit Hörnli schmeckt sehr gut.
Die Sonne scheint und unsere Batterien (Solar) füllen sich schneller als mit dem elektrischen Strom in Lanquin. Wieder wird etwas an Bob gebastelt und geputzt und wir geniessen die ruhige Athmospähre und die kühle Luft auf unserem Stellplatz. Die kleine Stadt Nebaj bringt grundsätzlich nicht viel, ausser man geht auf Wanderung (haben wir nicht gemacht).



Der kleine Markt ist sehr authentisch und andere Touristen haben wir keine gesehen. Der Versuch, in einem Internetcafé die Webseite zu aktualisieren ist infolge der schlechten Verbindung/Leitung leider gescheitert. Früh ins Bett, damit wir früh raus mögen. In der Nacht wird uns dann noch auf dem Parkplatz eine Pillone geklaut.
Hügel rauf, Hügel runter geht es nach Sacapulas.



Unterwegs leeren wir in einer Kiesgrube noch unsere Tanks – natürliche Dumpingstation (anderes gibt es nicht)! Auf der erstaunlich gut ausgebauten 7W gelangen wir bald nach Aguacatàn und hier wird es recht eng.



Es ist Markttag. Die Stände sind an der Hauptstrasse aufgestellt und wir schlängeln uns mit unserem Bob durch das lebhafte Treiben.



Vor uns geht dann einen Moment nichts mehr – ein Lastwagen und ein PW versuchen aneinander vorbei zu kommen. Gelingt auch dank Mithilfe einiger Einheimischen. Wir lassen uns nicht aus der Ruhe bringen und warten geduldig, bis sich der Gegenverkehr etwas gelockert hat. Hinter uns wird zwar gehupt wie wild, aber was solls. In Huehuetenango, immer noch auf 1909m Höhe gelegen, wird der „Schwerverkehr“ wohlweislich nicht mitten durch die Stadt geführt und da wir auch keinen Parkplatz finden, lassen wir die Stadt links liegen. Ausser…….. Ernest sichtet ein Stand mit Pollo Assado. Da erst in etwa zwei Kilometern ein „Retorno“ möglich ist, fahren wir wieder zurück und müssen an einer Kontrollstelle für die Einfahrt in die Stadt 25 Quezales bezahlen. Gibt mal wieder ein „teurers“ Pollo und obwohl die ganze Standequippe sehr nett ist und sich Mühe gibt – das Pollo ist zäh und trocken aber die Kartoffeln sind fein.



Ich packe die Überreste ein und ein am Strassenrand streunender, ausgemergelter Hund freut sich später darüber. Kurz nach Huehuetenango (wue-wuetenango oder nur wue-wue ausgesprochen) erreichen wir die Panamericana und fahren südwärts Richtung Lago de Atitlan. Die Strasse ist gut ausgebaut, allerdings sind hier die, man könnte fast sagen, „Wahnsinnigen“ Buschauffeure mit ihren alten, farbigen Bussen unterwegs. Die kennen gar nichts – hupen und geben Vollgas. In einem Führer steht, dass diese Typen in fast menschenverachtender Art und Weise unterwegs sind und die Passagiere grossen Gefahren aussetzten.



Diesem können wir nur zustimmen und hoffen, dass wir nie an einen Unfall ranfahren. Eigentliches Ziel heute ist der Lago de Atitlàn. Ernest aber besteht auf einen Abstecher nach San Francisco El Alto und so kraxeln wir wieder hoch auf 2582 m in das genannte Dorf. Am Freitag ist Markt und die kleine Stadt soll „förmlich explodieren“. Schon bei der Einfahrt ist Markt und wir entdecken einen geeigneten Stellplatz auf einem Privatareal. Nach kurzen Verhandlungen bekommen wir das ok und parken nahe an der Ausfahrt, weil wir am nächsten Tag gegen Mittag weiter wollen. Ernest geht in die Stadt auf Entdeckungs- und Erkundungstour. Draussen höre ich ein Hallo rufen und schaue mal nach. Da stehen doch drei Expeditionsfahrzeuge, Australische, welche ebenfalls einen Stellplatz suchen. So werden die drei Fahrzeuge einfach hinter unserem Bob parkiert. Einer meint es sehe aus wie „Mother Duck (Bob) mit ihren Ducklings“ – hat etwas.



Bald kommt Ernest zurück und es wird zum Bier gegriffen und eine Besichtigungstour durch die Fahrzeuge gestartet.



Die Reisenden sind drei Ehepaare in etwa unserem Alter und unterwegs auf einer Weltreise. Bereits haben sie Europa, China inkl. Tibet bereist, die Fahrzeuge von Wladiwostok nach Vancouver verschifft und sind nun unterwegs in Richtung Südamerika – wie wir, immer mit Unterbrüchen. Sie werden ebenfalls ab Panama wieder für eine Zeit nach Hause fliegen und im Februar die Reise fortsetzen.
Zeitig machen wir uns auf und besuchen den Markt – es macht uns tatsächlich fast sprachlos.



Ein so buntes, geschäftiges, vielseitiges, farbenfrohes Treiben haben wir tatsächlich noch nie gesehen.



Jeder Zentimeter wird von Händlern genutzt. Pullover, Socken, Unterwäsche, Mais, Orangen, Bananen und weitere Früchte, Gemüse, Steine, Gewürze, Eier, Poulet, Fisch, kunstvoll von Hand und maschinell gestickte Huipiles (Blusen), Röcke, Jeans, Schuhe (meist aus Plastik) usw. werden im unteren Teil der Stadt verkauft.



Auf dem grossen Platz oberhalb der Kirche werden auch Tiere angeboten.



Kälber, Kühe, Schweine, Schafe, Federvieh und hie und da auch ein Hund. Die kleinen Schweinchen werden in grosse Säcke gepackt und quietschen zum Herzerbarmen – mir auf jeden Fall drück es schier das Herz ab.



Stehe in dieser Hinsicht eher auf der zartbesaiteten Seite und ich stehe dazu, dass ich teilweise mehr Mitleid mit den Tieren als mit den Menschen habe.



Nach der Besichtigung der Kirche geht es nochmals in Gewühl und es scheint tatsächlich der grösste und authentischste Markt des ganzen Landes zu sein, obwohl oder gerade weil hier nicht annähernd so viel Kunsthandwerkserzeugnisse wie auf anderen Märkten verkauft wird.



Öfters denken wir an Robi (übrigens, genug in die Tasten gehauen?). Als Fotograf hätte er hunderte von Motiven vor der Linse und würde mit seiner Ausrüstung wohl sensationelle Fotos schiessen.



Auf dem Parkplatz verabschieden wir uns von den Australiern und sind sicher, dass wir diese auf unserer Reise wieder irgendwo treffen werden. Auf der sehr gut ausgebauten vierspurigen Panamericana fahren wir, vorbei am Lake Atitlan, bis nach Los Encuentros und biegen ab in Richtung Chichicastenango. Ernest will hier ebenfalls den Mark besuchen, welcher allerdings erst am Sonntag stattfindet. Ich bin nicht gerade begeistert – wieder eine Stadt und ein Stellplatz in einem Hinterhof. Die 17 Kilometer lange Fahrt, welche fast nur durch Tumulos bestückte Dörfer führt, zieht sich in die Länge. Kurz vor der Stadt geht es in Serpentinen zuerst in ein Tal hinunter und dann wieder steil hinauf – Bob muss wieder einmal nicht gerade alles, aber vieles geben. Fast Problemlos finden wir Don Diego Canils Werkstatt und erhalten einen Stellplatz – neben riesigen Sendemasten mit lärmigen Kühlaggregaten, aber dafür mitten in der Stadt. Zu Fuss geht es zum „Plaza“, wo auch der Markt stattfinden wird.



Auch heute finden wir einige offene Stände, sind aber gespannt auf Sonntag obwohl wir wissen, dass San Francisco El Alto nicht mehr „zu toppen“ ist. In einem kleinen Hinterhof finden wir ein Internetcafé und beschliessen morgen ausgiebig zu „surfen“. Im wunderschönen Hotel Santo Tomas, mit prächtigem Innengarten in welchen zahlreiche Papageien auf ihren Stangen sitzen, nehmen wir im kolonialen Stil eingerichteten Speisesaal ein feines Nachtessen ein.
Zurück beim Stellplatz habe ich wieder einmal furchtbar Erbarmen mit Diegos Hunden und gerate fast wieder in eine Krise. Es sind 4 Hunde, alle an einer kurzen Leine irgendwo auf dem Areal angebunden – Tag und Nacht. Wenigstens werden sie gefüttert!
Am Sonntag machen wir uns früh auf zum Markt.



Tatsächlich sieht die Stadt heute ganz anders aus. Auf allen Strassen rund um den Plaza sind bunte Marktstände aufgebaut.



Das Angebot unterscheidet sich wesentlich von demjenigen in San Francisco El Alto.



Hier werden Decken, Tücher, Taschen, Tischtextilien, Masken, Lederwaren, Kerzen, Schmuck, Wolle, Tonwaren, Masken usw. feilgeboten.



Auf der Treppe der Iglesia de  Santo Tomas sitzen Frauen und verkaufen Blumen.



Die offiziell katholische Kirche, welche um 1540 entstanden ist,  ist öfters Schauplatz verschiedener Rituale die nur sehr entfernt Katholisch sind und eindeutig dem Mayaglauben entspringen.



In der Kirche können wir der Taufe einiger Kleinkinder beiwohnen. Ein Priester nennt über Mikrofon und Lautsprecher den Namen des Täuflings. Dann wird das Kleinkind über das Taufbecken gehalten und der Priester schüttet mit einem Milchkannen ähnlichem Gefäss Weihwasser über den Kopf des Kindes und segnet es. Viele Babys tragen hübsche weisse Bekleidung.



Bei der kleineren, auf der anderen Seite des Plazas gelegenen Kirche, sind die Stufen ganztags in eine Wolke aus Kopalduft gehüllt. Indigene Vorbeter schwingen Rauchfässer mit „estoraque“ (Balsamduft) schwingen und  singen magische Worte, mit denen sie ihre Vorfahren und den antiken Mayakalender ehren.



Auf diesem Markt können wir hier nebst der vielen Indigenen und Einheimischen doch einige Touristen ausmachen. Zurück beim Stellplatz werden wir von Don Diego gebührend verabschiedet und bekommen auch noch eine CD geschenkt.



Das Übungslokal mit den verschiedenen Musikinstrumenten und besonders der Marimba (überdimensioniertes Xilophon) müssen wir uns noch anschauen bevor er uns gehen lässt. Die Fahrt nach Panajachel ist kurzweilig – viele, viele Tumulus und in jedem Dorf Markttag. Auf dem Campingplatz vom Hotel Vision Azul, direkt am See, finden wir den schönsten Platz bis anhin in Guatemala. Zwischendurch erhaschen wir sogar einen Blick auf die umliegenden Vulkane – dazu im nächsten Bericht mehr.

Kurzgeschichte 16/12 – Die „Mutter aller Schotterstrassen – Bananenkauf“
Am 16.10.2012 fahren wir nun also die 7W, die Strasse, die im Lonely Planet als „Mutter aller Schotterstrassen“ bezeichnet wird (Lonely Planet hat recht). Auf unserer Michelin Mexiko Karte ist die 7W hingegen als Hauptstrasse eingezeichnet, obwohl ab S. Cristobal Verapaz für die nächsten drei Stunden mit einer Stundengeschwindigkeit von höchstens 10 bis 15 km gefahren werden kann. Am Strassenrand sind öfters kleine Stände aufgebaut, an denen die üblichen Snacks, Getränke und Schleckereien verkauft werden, dann aber auch immer wieder die wunderschönen Fruchtstände, an welchen vorwiegend Bananen angeboten werden. Wir nutzen die Gelegenheit, halten an, hupen zweimal, und schon kommen Mutter und Tochter angerannt. Wir entscheiden uns für einen kleineren Branch mit etwa 5 Bananen und fragen nach dem Preis. 50 (ca. CHF 6.00) ist die Antwort. Wir glauben, dass die beiden uns abzocken wollen, finden das Angebot unverschämt und beginnen zu handeln. Bei 30 sind wir angelangt. Aber auch das ist zu viel. Also geben wir 15 Quetzales  - und werden mit grossen und verständnislosen Augen angeschaut. Die Zehnernote erhalten wir zurück und auf die Fünfernote beginnt das Heraus zählen des Rückgeldes. Genau 4.50 erhalten wir zurück und irgendwie kommen wir uns extrem blöd vor und schämen uns auch ein wenig. 5 Bananen von ausgezeichneter Qualität haben somit 6 Rappen gekostet. Wir bedanken uns und fahren weiter. Überall, vorwiegend vor dem eigenen Haus, werden die Schlaglöcher auf privater Basis ausgebessert. Meistens sind mit dieser Arbeit Kinder oder zumindest ganz junge Leute beschäftigt, die uns für ihren Frondienst mit bettelnden Augen anschauen. So geben wir jeweils einen Quetzales. Das ist wenig, auf der andern Seite können damit 12 Bananen gekauft werden. Das ist viel.



2012   Guatemala                   km
22.10.2012/Mo            Panajachel/Lago Atitlan            0
23.10.2012/DiPanajachel/Lago Atitlan (Schifffahrt)           0
24.10.2012/MiPanajachel/Lago Atitlan0
25.10.2012/DoPanajachel - Antigua119
26.10.2012/FrAntigua0
27.10.2012/SaAntigua0
28.10.2012/SoAntigua0


Wochenbericht 22.-28.10.2012 / Guatemala
So stehen wir nun am zweitgrössten See in Guatemala und geniessen eine wunderbare Sicht auf den See und die umliegenden Vulkane Tolimàn, Atitlàn und San Pedro – alles keine aktiven Vulkane.



Der See liegt in einem Krater (Caldera), der durch die Explosion eines sehr grossen Vulkans entstand. Im Laufe der Zeit ist der Wasserspiegel des Sees angestiegen, da das Tal keinen natürlichen Abfluss hat.



Dies ist gut ersichtlich, da manche Gebäude wie Bootshäuser, Anlegestellen usw. unter Wasser liegen. Die Anwohner des Sees sind mehrheitlich Indigene (Mayas) und leben in den kleinen Dörfern rund um den See.



Am Morgen ist der See sehr ruhig und gegen Mittag kommt ein starker Wind auf, der Xocomil. Die Legende besagt, dass es sich (dem Wind!) um einen unglücklichen Prinzen handelt, der seine Geliebte bei einer Bootsfahrt auf dem See verlor. Der See liegt auf 1560 m über Meer und so herrschen zurzeit sehr angenehme Temperaturen, tagsüber zwischen 20-25° und in der Nacht um die 10-15°. Am frühen Vormittag fahren wir mit einem Tuc-Tuc nach Panajachel (wir stehen etwa 2 km ausserhalb des Dorfes) und genehmigen uns ein Frühstück in einem kleinen Restaurant. Das Dorf ist sehr stark vom Tourismus geprägt und an der „Hauptstrasse“ findet man viele Bars, Restaurants, Cafés und natürlich Verkaufsstände, wo die einheimische Bevölkerung ihre Ware anbietet. Ein Besuch in einem Internetcafé muss auch sein. Ein gemütlicher Tag.
In einem kleinen Reisebüro buchen wir am nächsten Tag eine Schiffsrundfahrt auf dem See. Mit einem kleinen Boot fahren wir in Richtung San Juan de Laguna.



Nach einer guten halben Stunde frischt bereits der Xocomil auf und die Wellen werden immer etwas höher. Unser umsichtiger Kapitän versucht, möglichst das Schaukel und Schlagen zu vermeiden. In San Juan La Laguna haben wir eine Stunde Aufenthalt und verbringen die Zeit meist in den Indigenen Kooperativen, wo vor allem Textilien von Frauen hergestellt werden.



Eine grosse blaue Decke wechselt den Besitzer! Mit einem anderen Boot geht es weiter nach San Pedro La Laguna, am Fusse des Vulkans San Pedro (3020m). Der Kapitän ist von anderem Kaliber und gibt voll Gas. Uns schüttelt es hin und her und insgeheim hoffen wir, dass das Boot bei den heftigen Schlägen nicht auseinander bricht. San Pedro ist wiederum recht touristisch und beheimatet auch einige Sprachschulen. Nach einem feinen Mittagessen (Tortillas con pollo) geht es weiter nach Santiago Atitlàn.


Hatten wir eh nicht vor........


Hier unternehmen wir mit einem Führer (Sivi spricht nur spanisch) in einem Tuc-Tuc eine kleine Stadtrundfahrt.



Santiago war das erste Dorf des Landes, das während des Bürgerkriegs die Armee erfolgreich vertrieb. Zuvor aber waren am 2. Dezember 1990 bei einem berüchtigten Massaker 13 Dorfbewohner getötet worden. Wie wir auf den Gedenksteinen sehen können, der Jüngste mit 9 Jahren. Der Ort dieses Massakers heisst „Parque de Paz“. Natürlich will er uns auch den über die Grenzen hinaus berühmten „Maximon“ zeigen. Er ist zwar an einem „geheimen Ort“ zu Hause, aber jedermann weiss wo das ist. Die Spanier nannten ihn San Simon, die Ladinos gaben ihm den Namen Maximon und die Mayas kennen ihn als Rilaj Maam. Unter welchem Namen auch immer: Die synkretistische Verschmelzung aus Mayagöttern, dem spanischen Konquistador Guatemalas, Pedro de Alvarado und dem biblischen Judas ist eine im gesamten Hochland Guatemalas verehrte Gottheit. Guatemalteken aller Schichten bringen Opfergaben der Statue von San Simon dar und bitten um seinen Segen. Die Statue „wohnt“ für gewöhnlich im Haus eines Mitglieds der „cofradia“ (religiöse Mayabruderschaft) und zieht jedes Jahr an einen anderen Ort um. Ein Brauch, der – so glauben Anthropologen – entwickelt wurde, um das Machtgleichgewicht im Ort zu erhalten.



In Santiago Atitlàn ist Maximon eine in bunte Seidenschals oder Krawatten gehüllte Holzfigur, der eine fette Zigarre pafft. Die Einheimischen bewachen und verehren ihn, singen für ihn und verwalten die Opfergaben, die ihm dargebracht werden (inklusive des Eintritts in Höhe von 10 Q und einer Gebühr für Fotos!). Seine Lieblingsgeschenke sind anscheinend Payaso-Zigarren und Venado-Rum. Früchte und grelle, blinkende elektrische Lichter schmücken seine Kammer und Statuen von Jesus Christus liegen zu beiden Seiten. Bei der grossen Kirche, gegründet im Jahre 1547, mit den vielen farbigen Statuen, endet unsere Tour und wir begeben uns zu Fuss durch die vielen Marktstände wieder zum Bootsanlegeplatz. Der Wind hat etwas nachgelassen und so geniessen wir die stündige Bootsfahrt zurück nach Panajachel.
Geplant ist, heute Mittwoch weiter zu fahren. Wir erhalten aber ein Mail von Daniela Langs Cousine, welche seit 26 Jahren in Panajachel wohnt und verabreden uns für den Abend. Den Tag verbringen wir mit lesen, „chlütere“ und süssem Nichtstun. Im Patio treffen wir Ursula und nach einem Apéro werden wir zur „Circus Bar“ geführt. Ein Restaurant, bestückt mit alten Zirkusplakaten, vorwiegend vom Zirkus Knie aus der Schweiz.



Anlässlich unseres Treffens erfahren wir von Ursula viel Interessantes vom Leben hier in Guatemala, von ihrer Familie, Gebräuchen und ihrer eigenen Lebensart. Es war ein äusserst netter Abend – danke Ursula.  Am Donnerstag geht es definitiv weiter. Ursula hat uns geraten, eine Strecke „über Land“ zu fahren, ruft aber früh am Morgen an und meint, ihre Männer fänden, dass dies keine gute Idee sei. Die Strasse sei für unser Fahrzeug viel zu eng und wir sollten doch die grosse Strasse nehmen.



So fahren wir wieder via Sololà bis nach Los Encuentros und auf der vierspurigen Autobahn in Richtung Chimaltenango und Antigua. Auch hier überholen uns wieder laufend die „wahnsinnigen“ Buschauffeure in ihren alten Guatemaltekischen Bussen. In Pastores, kurz vor Antigua schalten wir einen Halt ein.



Das Dorf ist bekannt für seine Lederstiefelateliers. So besuchen wir einige und stellen fest, dass die Stiefel zwar recht günstig sind, aber die Qualität nicht ganz unserer Vorstellung entspricht. Einen Gurt für Ernest kaufen wir dennnoch. In Antigua finden wir schnell den Stellplatz auf dem Gelände der Touristenpolizei. Ebenfalls hier stehen David aus Jersey, er ist auf einer Weltreise in Richtung Australien – dorthin will er auswandern – und eine Familie aus Quebec, welche mit einem alten Schulbus unterwegs ist.



Gegen Abend gehen wir zu Fuss in die Stadt und sind, wie alle anderen auch, begeisterst von diesem Ort. Viele Gebäude aus der Kolonialzeit mit ihren wunderbaren Innengärten, den alten Kirchen und dem schönen Plaza Mayor. In einem „besseren“ Restaurant genehmigen wir uns ein feines Nachtessen, Ernest: Château Briand mit Pilzen und ich Lachsfilet mit Kartoffeln und Salat. Das Essen war sehr gut, nur, die folgende Nacht schrecklich. Mitten in der Nacht werde ich geweckt und Ernest meint, er hätte Lähmungserscheinungen im linken Arm und irgendetwas stimme nicht. Der kurze Gang zur Toilette schafft er es auch nicht, so wackelig ist er auf den Beinen. Aspirin will er und fühlt sich danach etwas besser. Ob es die Aufregung ist oder ebenfalls das Essen, ich habe schrecklichen Durchfall und kann bis in die Morgenstunden auch nicht mehr schlafen.



Ziemlich „geschafft“ stehen wir auf und auf ein Frühstück haben wir beide keine Lust. Trotzdem können wir nicht den ganzen Tag hier im Bob hocken und beschliessen, so gut es geht, den Markt zu besuchen.



Es geht, wenn auch mühsam und viel Freude macht es nicht. Wir besuchen die im 1767 erbauten Kirche La Merced, mit ihrer weissen und gelben Fassade. Antigua selber wurde einige Male von starken Erdbeben heimgesucht und die Kirche wurde in Anbetracht dessen entsprechend gebaut. Bis ins Jahr 1773 war Antigua die Hauptstadt von Guatemala, gegründet im Jahre 1543. Kurze Geschichte: Im Zug der Eroberung Guatemalas durch Pedro de Alvarado richteten die Spanier am 25. Juli 1524 eine erste Hauptstadt in Tecpán Guatemala bei Iximché (Chimaltenango) ein. Am 22. November 1527 verlegte man sie in das sechs Kilometer südwestlich von Antigua Guatemala gelegene Santiago de Goathemala, die heutige Ciudad Vieja (dt. „Alte Stadt“). Im Herbst 1541 begrub eine Schlammlawine den Ort unter sich, mehrere hundert Menschen starben. Am 10. März 1543 gründete Bischof Francisco Marroquín im nahen Panchoy-Tal die dritte Hauptstadt, die 1566 von König Philipp II. den Namen La Muy Noble y Leal Ciudad de Santiago de los Caballeros de Goathemala erhielt (heute Antigua Guatemala).



In den folgenden 200 Jahren entwickelte sich die Stadt zum politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum Mittelamerikas, das Mexiko-Stadt oder Lima in nichts nachstand. Erdbeben richteten im Lauf der Zeit mehrmals schwere Schäden an, doch blieben die negativen Auswirkungen auf die städtebauliche Entwicklung nur von kurzer Dauer. Mitte des 18. Jahrhunderts hatte Antigua mehr als 50.000 Einwohner, über 50 Kirchen und Kapellen, Krankenhäuser, Schulen, eine Druckerei und auch eine Hochschule, aus der die heutige Universidad de San Carlos de Guatemala hervorging. Diese Stadt wurde am 29. Juni 1773 durch ein schweres Erdbeben völlig zerstört. Zunächst plante man einen Umzug der Hauptstadt ins etwa 150 km östlich gelegene Jalapa, dann entschied man sich für die 45 km entfernte Ermita-Hochfläche, wo sich heute Guatemala-Stadt befindet.



Antigua Guatemala wurde als Stadt nie aufgegeben, erholte sich jedoch nur sehr langsam. Ab 1871 ermöglichten die Säkularisierung des Kirchenbesitzes und die liberalen Reformen der Regierung Barrios in- und ausländische Investitionen und den Aufbau einer auf Kaffee basierenden Exportwirtschaft. 1976 richtete ein weiteres Erdbeben in Antigua, wie auch in anderen Städten Guatemalas, erneut schwere Schäden an. Einige wenige Ruinen erinnern noch an die verschiedenen Naturkatastrophen, die die Stadt im Lauf der Zeit heimgesucht haben. Seit 1979 ist Antigua Weltkulturerbe.



Eine weitere Attraktion sind die in Sichtweite gelegenen Vulkane Agua, Acatenango und der noch aktive Fuego. Bis anhin verstecken sich diese allerdings hinter dicken Wolken.
In der Posada de Don Rodrigo mit einen wunderschönen Innenhof und einer Live-Musik mit zwei riesigen Marimbas (Xylophon – siehe Kurzgeschichte) genehmigen wir uns Coca-Cola, soll ja in „schlechten Zeiten“ helfen. Und tatsächlich, es geht uns bald etwas besser. Zum Abendessen gibt es Reis und Gehacktes und es geht früh ins Bett.
Wir schlafen 12 Stunden und fühlen uns beide viel, viel besser. Ich beschliesse Tagebuch zu schreiben, da ich arg in Verzug bin und Ernest geht alleine in die Stadt. Heute zeigt sich auch der Vulkan Fuego und speit tatsächlich etwas Rauch aus. Der letzte grössere Ausbruch, bei welchem auch einige nahegelegene kleinere Ortschaften evakuiert werden mussten, fand im Mai dieses Jahres statt.



Am Abend geht es wieder in die Stadt und wir wohnen einer netten „Freiluft-Ballett-Aufführung“ vor der Kathedrale am Plaza Mayor bei.
Ernest fährt heute Sonntag mit einem Taxi nach San Andrés Itzapa, wo heute der Rilaj Mamm für ein Jahr ein neues Zuhause findet.



Er wird aus seinem alten Zuhause geholt und im Rahmen eines heidnischen Festivals in einer Parade durch die Strassen getragen. In den Kirchen werden Opfergaben dargeboten, Schamane bespeien Gläubige oder peitschen diese mit Kräuterbündeln aus und auf den Strassen wird getanzt.



Auch werden viele Feuerwerkskörper gezündet. Irgendwie scheint diese Knallerei den Guatemalteken Spass zu machen, man hört diese jeden Tag, sei es am Tag oder in der Nacht. Gegen Mittag ist Ernest zurück und ich war derweil beim Coiffeur – auch das muss mal sein. Wiederum verbringen wir den Nachmittag in der Stadt und bummeln durch die geschichtsträchtigen Gassen.



Am Abend sitzen wir mit David im Bob und da er schon fast die ganze Erde mit seinem Land-Rover umrundet hat, hat er viel zu erzählen.

Kurzgeschichte 17/12 – Marimba
Die Marimba stammt aus Afrika. Vom 16. Jahrhundert an gibt es zahlreiche schriftliche Quellen und Abbildungen von Xylophonen in Afrika. Der älteste Hinweis – ein Bericht des arabischen Reisenden Abu Abdullah Muhammad Ibn Battuta über seinen Besuch im Königreich Mali – stammt aus dem Jahr 1352, somit aus einer Epoche lange vor Beginn des transatlantischen Sklavenhandels. Die Instrumententypen, die sich in den frühen Quellen finden, sind in der großen Mehrheit Rahmenxylophone mit Kalebassenresonatoren oder Holmxylophone. Trog- oder Grubenxylophone tauchen hingegen kaum oder zumindest erst sehr spät auf. In den Manuscritti Araldi, einem zwischen 1654 und 1678 entstandenen Codex, der vom italienischen Missionar Giovanni Antonio Cavazzi stammt und sich heute in Modena befindet, wird einer der Musiker als „Marimbero“ bezeichnet, was die bislang älteste bekannte Verwendung des Begriffs „Marimba“ im Zusammenhang mit einem Xylophon darstellt.



In den Brennpunkt des Forschungsinteresses trat die Marimba erst im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert im Zuge der Kulturkreislehre. Bei dem Versuch, die Stimmungen afrikanischer Instrumente von indonesischen Stimmungen abzuleiten, so die Wanderung des Xylophons von Südostasien nach Afrika zu belegen und damit die kreisförmige Ausbreitung von Kulturen von einem angenommenen Zentrum aus – das zentrale Element der Kulturkreislehre – nachzuweisen, nahm die Marimba eine zentrale Rolle innerhalb dieser Theorie ein – Albrecht Schneider spricht vom „Xylophon als historischem Forschungsmittel“.
Heute finden sich Rahmen-, Holm-, Gruben-, Schenkel- und Trogxylophone sowie lose Klangstäbe in Afrika. Der bislang älteste bekannte eindeutige Hinweis auf die Existenz einer Marimba in Amerika findet sich im Bereich des heutigen Guatemala und stammt aus dem Jahr 1680. Quellen, welche von manchen Autoren für den Nachweis der früheren Existenz von Xylophonen herangezogen werden, etwa La cristianización de los indios de Santa Lucía 1545 aus Chiapas, in der ein Musikinstrument namens yolotli erwähnt wird, welches der Beschreibung nach ein Xylophon sein könnte, und ein „präkolumbisches“ Codexfragment aus Guatemala liegen nur in strittigen Kopien, nicht aber im Original vor. Für Südamerika sind die ältesten Belege für Xylophone die 1722 in Rom publizierte Schrift Gabinetto armonico des Jesuiten Filippo Bonanni, in der sich ein „Brasiliano Moro, in atto de sonare la Marimba“ („brasilianischer Mohr im Begriff, die Marimba zu spielen“) findet, und die aquarellierten Federzeichnungen, die der Bischof von Trujillo, Baltazar Jaime Martínez de Compañón, zwischen 1782 und 1787 in Auftrag gegeben hatte, darunter eine Darstellung von „Negros tocando marimba y bailando“ („Marimba spielende und tanzende Schwarze“). Speziell im 20. Jahrhundert waren die Marimbatraditionen oft eng mit der politischen Geschichte der betreffenden Länder – meist indirekt, hin und wieder jedoch auch direkt als Teil ideologischer Konzepte, etwa in Guatemala, El Salvador oder Ecuador – verknüpft. In Südamerika ist aufgrund der historischen und geographischen Bedingungen das afrikanische Erbe noch heute gut zu erkennen. Im Fall von Brasilien ist wohl der über lange Zeiträume große Anteil afrikanischstämmiger Populationen an der Gesamtbevölkerung das ausschlaggebende Moment für den eher geringen Vermischungsgrad mit europäischen Kulturelementen. In Kolumbien und Ecuador hingegen scheint eher die lange weitgehende geographische Isolation der wesentliche Faktor für die Konservierung des afrikanischen Erbes zu sein. Vergleiche historischer Darstellungen von brasilianischen und afrikanischen Marimbas zeigen hohe Übereinstimmungen, und selbst bei Vergleichen von historischen Abbildungen mit rezenten Instrumenten sind die Ähnlichkeiten noch offensichtlich.