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2011Mexico - Baja California                km
31.10.2011/Mo        San Quintin - Bahia de los Angeles                  343
01.11.2011/DiBahia de los Angeles0
02.11.2011/MiBahia de los Angeles0
03.11.2011/DoBahia de los Angeles - Guerrero Negro246
04.11.2011/FrGuerrero Negro - San Lucas Cove/S. Rosalia       246
05.11.2011/SaSanta Rosalia - Playa Santispac/B. Conception   33
06.11.2011/SoPlaya Santispac/Bahia Conception0


Wochenbericht, 31.10. bis 06.11.2011
Baja California, von St. Quintin nach Bahia Conception
Noch etwa 50 km führt die Strasse mehr oder weniger der Küste entlang, bis sie bei El Rosario, einem ehemaligen Missionsort der Dominikaner, ins Landesinnere abzweigt. Bis vor einigen Jahrzehnten war die Strasse weiter Südwärts nur mit einem Offroadfahrzeug befahrbar. Nächste „Stadt“ ist Catavina, eigentlich ist der Ort nicht mal ein Dorf. Es gibt hier eine verlassene Pemex-Tankstelle, ein paar kleinere Dorfläden, ein kleines Hotel und Strassenrestaurants (alle geschlossen).



Und trotzdem, die Gegend ist eine der interessantesten der ganzen Baja. Man nennt sie Catavina Bolder Field, was auf Deutsch so gut wie „Catavina Riesensteinhaufen Feld“ heisst. Schon seit einiger Zeit fahren wir durch eine Gegend, bewachsen mit allerlei Arten von Kakteen. Nun kommen noch die riesen „Steinschroppen“ und effektive „Riesensteinhaufen“ dazu. Eine wahrlich bizarre und auch unwirtliche Landschaft und trotzdem – wunderschön. Für Ernest als Chauffeur heisst auf diesem Streckenabschnitt extrem aufpassen.



Die Strasse ist sehr gut aber nicht sehr breit und fällt gleich nach dem linken und rechten Randstreifen steil, meist in ein lockeres Sandbett, ab. Verkehr herrscht nicht viel, aber wenn die Lastwagen, meist in einem höllischen Tempo angebraust kommen, wird’s eng! Die Temperatur steigt nun merklich und es ist um die 30 Grad warm, allerdings eine trockene Wärme und absolut gut zu ertragen. Unterwegs treffen wir auf ein Paar mit Velo und Anhänger mit je einem Kleinkind drin. Er Italiener, sie Französin, seit 13 Monaten unterwegs und die Kinder scheinen es zu geniessen. Wir „verpflegen“ sie mit Sprite und Gebäck. Nach etwa 180 km Fahrt durch Kakteenfelder und karge Landschaft, biegen wir nach der ausgetrockneten Laguna de Chapala, bei Parador Punta Prieta, in Richtung Bahia de Los Angeles ab. Unterwegs sehen wir drei Kojoten, die durch die Landschaft streichen.



Wieder einmal zitiere ich unserer Führer: „Bahia de Los Angeles ist eine der attraktivsten Buchten der Halbinsel, menschenleer und von grandioser Schönheit. Die lang gezogene vorgelagerte Isla Angel de La Guardia ist Heimat vieler Meeresvögel. Der kleine gleichnamige Ort bietet einige romantische Restaurants und gemütliche Pensionen. Ein paar Tage lässt es sich an der Bucht gut campen“. Stimmt alles, bis auf die „romantischen Restaurants und gemütlichen Pensionen“, die sind schwer auszumachen! Es ist Halloween und die Kinder sind verkleidet unterwegs und fragen nach „Trick or Treat“. Im „Dagget’s Beach Camping“ stellen wir unser Fahrzeug direkt am Strand ab und geniessen das erste Mal seit langen einen angenehmen warmen Abend und können bis spät am Abend draussen sitzen ohne zu frieren.



Wir bleiben noch zwei Tage an der Bahia de los Angeles. Weiter geht es Richtung Baja California Sur. Zuerst wieder durch den Parque Natural Del Desierto Central und dann südwärts, vorbei an Rosarito und Villa Jesus Maria, beides keine attraktiven Orte, nach Guerrero Negro. Auch Guerrero Negro ist lediglich eine staubige, lange Kolonie aus Motels, Restaurants und Werkstätten. Der Ort liegt am 28. Breitengrad, der die Staaten Baja California Norte und Baja California Sur trennt. Dies bedeutet auch eine Stunde Zeitunterschied. Unsere Uhren aber stehen richtig! Wir haben gar nicht bemerkt, dass irgend wann die Uhrzeit wieder auf Winterzeit umgestellt wurde! In unseren Führern steht, dass wir eine Art Zollkontrolle passieren müssen und nach unseren Pässen gefragt wird. Tatsächlich gibt es so eine Art wie Zoll, bei welchem ein grässlicher, 43 m hoher, abstrakter Steinadler steht.



Wir müssen zwar anhalten und es wird lediglich nach Früchten gefragt. Ernest sagt, nein „ich“ habe keine (kurz vorher habe ich an einem Stand eine Papaya gekauft!) und wir können weiterfahren ohne irgendwelche Kontrolle. Auch wurden nicht, wie in den Führern steht, die Pneus mit Desinfektionsmitteln abgespritzt. Guerrero Negro ist bekannt, einerseits für Wahlbeobachtungen (siehe Kurzgeschichte) in der den Buchten und Lagunen des Biosphärenreservats El Vizcaino und in der Scammon-Laguna und Laguna Ojo de Liebre und andererseits durch die grossen Salzgewinnungsanlagen. Auf der vorgelagerten Insel Isla de Cedros und den Lagunen bei Guerrero Negro, werden jährlich etwa 7.5 Mio. Tonnen Salz gewonnen – es soll die grösste Saline der Welt sein, welche zu 49% im Besitze japanischer Eigentümer ist. Es wird dann auch vornehmlich nach Japan geliefert.



Wir fahren auf Natur- und Sandstrasse zu den Dünen mit teilweise noch alten, heruntergekommenen Anlagen, welche nicht mehr in Betrieb sind und übernachten im Mallarimo RV Park mit dazugehörendem Motel und einem der besten Restaurant in der Stadt. Das Nachtessen ist sehr gut und die Lokalitäten sehr ansprechend. Internet haben wir, aber sehr schlecht, so dass an ein Update der Webseite nicht zu denken ist – wir sind schon vier Wochen im Rückstand! Am Vormittag können wir mit Michèle und Oliver skypen.



Heute haben wir wieder eine ca. 200 km lange Fahrt durch karge und teilweise mit Kakteen bewachsene Gegend, durch die Sierra de San Francisco, vor uns. Ernest ist wieder einmal sehr gefordert, die Strasse ist sehr gut, aber sehr eng und auch hier gibt es die steil abfallenden Strassenborde und relativ viel Lastwagenverkehr. Bereits etwa zum 5. Mal kommen wir an eine Militärkontrolle. Bewaffnet stehen sie da und kontrollieren jedes Auto. Natürlich auch uns. Auch hier: alle sehr, sehr freundlich und eigentlich wollen sie bei uns nur sehen, wie es drinnen aussieht. Auf der Weiterfahrt treffen wir auf das an einem Fluss gelegene Oasenstädtchen San Ignacio, genannt nach dem Gründer des Jesuitenordens Ignatius von Loyola. Weiter geht es an die Ostküste nach Santa Rosalia. Von diesem Städtchen haben wir uns etwas mehr erhofft. An der Einfahrt zur Stadt stehen viele alte und verrostete, leer stehende Stahlhallen. Die Stadt wurde 1885 nach der Entdeckung von Kupfervorkommen von einer französischen Bergwerksfirma gegründet und lebt heute auch vom Fischfang und von der Fischverarbeitung. Als die grösste Sehenswürdigkeit zu erwähnen ist die vom Erbauer des Eiffelturms, Gustave Eiffel, 1887 konstruierte Kirche Santa Barbara, ein aus Stahlfertigteilen erbautes Gebäude, das 1890 von der Kupfermine in Paris gekauft wurde und nach Mexiko verschifft wurde. Wir fahren durch den Ort und die sogenannten zahlreichen Holzhäuser aus dem 19. Jh., die als bunte Farbtupfer die Gassen säumen, mögen uns nicht sonderlich zu begeistern.



Südlich der Stadt fahren wir zum San Lucas Cove RV Park mit einem keinen Restaurant mit sehr ansprechendem Menuplan mit frischen Meerfrüchten und frischem Fisch. Das Essen ist ausgezeichnet, die Bedienung sehr nett und der Preis sehr günstig. Bald kommen wir nach Mulegé, am Eingang der Bahia de Conceptiòn und am Rio Santa Rosalia gelegene Oase. Sehenswert sind die von Jesuiten am Flussufer angelegten Dattelpalmenhaine sowie die Missionskirche Santa Rosalia de Mulegé aus dem Jahre 1705 (nicht besichtigt).



Wir durchfahren das Dorf mit einigen ansprechenden Gassen. Teilweise wird es eng und die elektrischen Kabel hängen tief – aber auch dies meistert Ernest mit Bravour. Am Dorfausgang werden aus Ironwood (Eisenholz aus der Gegend) geschnitzte Kunstwerke, vorwiegend Tiere, angeboten. Wir halten und erstehen einen kleinen Salamander für 5 Dollar.



Nach kurzer Weiterfahrt stossen wir auf den schönen Sandstrand an der Bahia Coyote mit dem Campground Playa Santispac. Hier treffen wir wieder auf Arnaud und Lucille aus Nantes, welche mit ihren drei Kindern ein Jahr lang mit dem Wohnmobil in Nord- und Südamerika unterwegs sind. Die Bucht ist traumhaft und wir parken bei einer Palapas. Ernst setzt sein Kajak zusammen und geht auf eine kleine Tour in der Bucht. Das Wasser ist glasklar und sehr warm und Calou geniesst dies auch. Am Abend ist „Disco“ für die Amerikaner im dazugehörenden Restaurant Ana‘s angesagt und viele kommen auch aus anderen RV-Plätzen für einen vergnüglichen Tanzabend. Wir sitzen mit Arnaud und Lucille im Vorgarten des Restaurants und haben einen gemütlichen Abend mit relativ viel Margheritas, Vino Blanco und Tequila.



Auch hier bleiben wir noch einen Tag „hängen“. Ernest geht am Vormittag wieder auf eine kurze Kajaktour. Vom Kajak und vom Strand aus können wir Delfine beobachten. Calou hat heute wieder einmal ein kleines „Kämpfli“ mit einem grösseren Hund und er wirkt für einige Zeit etwas verstört. Hat sich aber wieder gelegt. Ein weiterer gemütlicher Tag: Bücher lesen, Spanisch lernen, am Strand spazieren gehen und die Sonne geniessen.


Kurzgeschichte 31 - Wale – die Giganten der Ozeane in Niederkalifornien
Die faszinierendsten Meeresbewohner Niederkaliforniens sind die Grauwale (ballena gris), 40 t schwer und bis zu 20 m lang. Alljährlich ziehen Tausende der Ozeanriesen von den arktischen Gewässern der Bering-See und der Tschuktschen-See an die Pazifikküste Mexikos.
Zwischen Ende November und März (wir sind leider etwas zu früh hier) paaren sich die gewaltigen Säugetiere, teilweise sind auch Finnwale oder Blauwale darunter, in den Lagunen der Westküste von Baja California. Und nach 13 Monaten Tragezeit bringen die weiblichen Tiere auch hier in den planktonreichen Gewässern ihre Jungen zur Welt, im letzten Jahr waren es über 500 nur in dieser Bucht . Die sanften Giganten der Weltmeere bevorzugen diese Region wegen der flachen und warmen Gewässer mit hohem Salzgehalt, der den Auftrieb erhöht und daher Paarung und Geburt erleichtert. Erst ab dem Frühjahr beginnt erneut ihre Wanderung in die zur Nahrungsaufnahme besser geeigneten Gewässer der Arktis – alles in allem eine jährliche Rundreise von mehr als 13000 km.
Während des 19. Jh. wurden die Bestände des kalifornischen Grauwals nahezu ausgerottet. Erst 1947 sind die Tiere unter Schutz gestellt. Dadurch ist ihre Zahl wieder auf über 20000 angewachsen. Ebenfalls unter Naturschutz stehen seit 1972 die von den Walen besuchten Lagunen von Guerrero Negro. Diese Wal-Schutzzone Parque Natural de la Ballena Gris wurde 1988 erweitert zum über 25000 km2 grossen Biosphärenreservat.
Wale sind Lungenatmer und müssen deshalb zum Luftholen an die Wasseroberfläche schwimmen. Während des Atmens öffnen die Tiere die Verschlusskappen ihrer Blaslöcher und stossen beim Auftauchen die angesammelte und verbrauchte Luft, ca. 1000 l, in einer gewaltigen Fontäne aus dem Blasloch. Fachleute erkennen an deren Grösse und Form, um welche Walart es sich handelt.
Neben dem Grauwal tummeln sich noch etwa zehn weitere Walarten in den Gewässern von Baja California. So auch der gigantische Blauwal, der eine Länge von über 30 m und ein Gewicht von 150 t erreichen kann, Die kleineren Buckelwale sind berühmt für ihre Gesänge, die ihre Artgenossen über Tausende von Kilometern durch das Meer wahrnehmen können.


2011      Mexico - Baja California                             km
07.11.2011/Mo          Playa Santispac - Puerto Escondido156
08.11.2011/DiPuerto Escondido0
09.11.2011/MiPuerto Escondido - La Paz346
10.11.2011/DoLa Paz - Baja Balandra/Tecolote35
11.11.2011/FrTecolote0
12.11.2011/SaTecolote - Bahia de la Ventana95
13.11.2011/SoBahia de la Ventana0


Wochenbericht, 07.11. bis 13.11.2011
Baja California/Mexico, von Playa Santispac nach Bahia de la Ventana
Am Morgen bin ich aufgewacht und die Stiche der lästigen kleinen Sandflöhe, welche ich am vorletzten Abend eingefangen habe, fangen an, immer grösser zu werden und jucken wie verrückt. 



Der Bahia Conception folgend fahren wir vorbei an schönen Buchten und ins Landesinnere, vorbei an El Rosarito (wo ist dieses Dorf??) und wieder einmal durch endlose Gegenden mit Kakteen und Buschwerk, bis nach Loreto.



Dieses Dorf liegt am Golf von Kalifornien, also an der Ostseite der Baja. In Loreto nahm die Kolonialisierung von Baja California ihren Anfang. Hier landete im Jahre 1697 der Jesuitenpfarrer Juan Maria de Salvatierra und gründete die erste Siedlung auf der Halbinsel, deren weitere 17 Missionsstationen folgen sollten. Die Missionssiedlung von Loreto avancierte zum bedeutendsten Verwaltungssitz von Baja California und zum Ausgangspunkt von Forschungsreisen. 1770 übernahmen Franziskaner die Mission und weitere sechs Jahre später wurde Loreto die Hauptstadt der Halbinsel (bis ins Jahr 1829). Loreto ist eine hübsche, kleine Stadt und hat sogar eine Fussgängerzone. Eigentlich wollen wir in Loreto übernachten, aber der sogenannte Campground ist eine kleine eingezäunte Wohnsiedlung mit ein paar Stellplätzen und mag überhaupt nicht zu überzeugen. So fahren wir weiter südwärts, vorbei an Nopolo, einer aus dem Boden gestampfte Touristenstadt bis nach Puerto Escondido.



In Puerto Escondido ist der Hafen und das Gelände rundherum, wie an vielen Orten, ebenfalls eine Bauruine (die Amerikaner bleiben seit 4 Jahren aus). Auch hier ist das Geld ausgegangen und alles steht still. Der Campground ist auch nicht wirklich ein Campground, sondern ein kleines Resort mit vielen Einfamilienhäuschen mit grossen Unterständen für Auto, ATV, Schiff usw. (viele davon zu kaufen zum Preis von ca. US$ 100000.--)  Zwischendurch sind einige Stellplätze für Camper eingefügt worden.



Die Anlage ist aber sehr schön, hat viele Bäume, Palmen, Blumen und farbenfrohe Büsche, ein Swimmingpool, ein Restaurant und eine Wäscherei, wo man die Wäsche abgeben kann. Das haben wir gemacht und am nächsten Tag für den ganzen Service nicht mehr bezahlt als in einer Laudry in den USA, wo die ganze Arbeit selber gemacht wird. Wir bleiben noch einen Tag und können endlich mal wieder am Internet arbeiten und auch die Seite aktualisieren. Am Nachmittag sitzen wir am Pool im Schatten, lernen Spanisch und lassen es uns bei Vino Blanco, Scampi und Natchos gut gehen. Am Mittwoch haben wir ein längeres Stück vor uns und fahren zeitig los. Nochmals geht es durch hügeliges Gebiet und dann hinunter nach Ciudad Insurgentes und dann durch eine fruchtbare Ebene bis nach Ciudad Constitucion. Es ist die zweitgrösste Stadt nach La Paz auf der Baja California Sur. Die Stadt ist von der Landwirtschaft geprägt und etwas Sehenswertes gibt es nicht wirklich. Wir fahren zu einem TelCel (Mexikanischer Telefonanbieter) und können problemlos eine Datenkarte zum Surfen erwerben. Nochmals geht es einige Stunden weiter, zuerst durch fruchtbares Gebiet und bald wieder durch karges Land in Richtung La Paz.



La Paz heisst „Der Friede“ und ist die Hafen- und Hauptstadt des Staates Baja California Sur. Was die Einwohnerzahl anbetrifft, gehen die Zahlen auseinander. In den Führern wird von ca. 180000 gesprochen und wenn man den Einheimischen glaubt, sind es ca. 300000. Egal, die Stadt liegt am Cortés Meer und besitzt eine der schönsten Strandpromenaden des Landes, den Malecón. Hier  reihen sich Restaurants und Cafes aneinander und man findet auch nette, kleine Souvenirshops. Vor unserer Abreise aus Europa haben wir von Sabeth die Adresse von Esther Ammann erhalten. Esther betreibt in La Paz ein Bed &  Breakfast, das „el ángel azul“ (www.elangelazul.com) heisst.



Wir versuchen unser Glück und klopfen mal an – und haben Glück. Esther ist anwesend und lädt uns gleich für einen Drink ein. Nach einem netten Gespräch im wunderschönen Innengarten des Schmuckstückes mitten in der Stadt, verabreden wir uns für den Abend. Das Haus hat Esther vor vielen Jahren gekauft und aus einer Ruine in eine wunderschöne „Oase“ entstanden. Seit 14 Jahren betreibt sie ihr B&B und kann viel von allerlei Gästen aus aller Welt berichten. Bob bleibt gleich vor dem Eingang des Hotels stehen und wir geniessen beim „Italiener“ ein feines Nachtessen und haben einander viel zu erzählen. Ein völlig ungeplanter Tag mit dem „Ueberfall“ bei Esther geht wunderschön zu Ende.

Am Vortag bin ich auf meine Sonnenbrille gesessen und das Gestell ging in die Brüche. Auf einem Spaziergang durch die Stadt stossen wir auf „Eduardos Eye-Care“ und finden tatsächlich ein passendes Gestell. Die Gläser von Ernests Lesebrille sind auch fast „blind“ und so bekommt auch er noch eine neue Brille mit den richtigen Gläsern. Wir bezahlen für alles etwa CHF 200.- und sind überzeugt, dass wir in der Schweiz dafür mindesten den vierfachen Betrag bezahlt hätten. Bevor wir weiter zum Tecolote Strand fahren, geht es noch zum Walmart. Alle Walmarts sind genau gleich aufgebaut und so fühlen wir uns für eine halbe Stunde zurück in die USA versetzt. Die Fahrt zu Tecolote Strand dauert etwa 40 Minuten und bei der Ankunft windet es dermassen, dass wir uns entscheiden, eine nahegelegene Bucht anzufahren. Die Bahia Ballandra ist traumhaft. Kleine Bucht, schöner weisser Sandstrand, ruhige See und der Mond fast voll – richtig romantisch. Schon kurz nach dem Eindunkeln ändert sich das Bild dramatisch. Tausende von kleinen Fliegen krabbeln durch unsere Moskitonetze und überfallen uns regelrecht. Wir schliessen alles ab und „räuchern“ Bob ein und aus mit Moskitospray – überall ist es schwarz durch abertausende der kleinen, toten Fliegen. Als einigermassen Ruhe herrscht, fliehen wir in unsere Betten – es sollte die bisher unruhigste Nacht auf der ganzen Reise werden. Was für ein Erwachen! Zerstochen von unten bis oben, einfach überall – und es juckt wie verrückt. Noch in den Pyjamas verstauen wir das Notwendige und fahren zum nahegelegenen Tecolote Strand.



Lieber viel Wind, dafür keine stechenden Viecher. In der Nacht hat der Wind nachgelassen und es geht lediglich noch eine angenehme Brise. Ein weiteres Mal wird alles rausgeputzt, ausgeschüttelt und gereinigt. Im Laufe des Nachmittages kommt Esther mit ihren zwei Hunden Luna und Manchi vorbei.



Tisch und Stühle werden unter einer Palapa am Strand aufgestellt und der Vino Bianco, der Saronno-Schinken, Käse und die Oliven schmecken ausgezeichnet. Gegen Abend gesellen sich noch Stefan und Swantje aus Mannheim zu uns.



Mit ihrem Landi sind sie seit Mai unterwegs und ebenfalls auf dem Weg nach Südamerika. Sie parken im Windschatten von uns. Die beiden schlafen im Zelt auf dem Dach. Heute Nacht halten sich die Viecher in Grenzen, trotzdem sitzen wir am Abend drinnen im Bob und trinken noch ein Bier zusammen. Am nächsten Morgen nehmen Ernest und Calou ein Bad im Meer. Es ist sehr ruhig und die Farbe ist wunderbar. Heute gibt es etwas mehr Leute hier am Strand und bald bekommen wir  Besuch von zwei Mexis. Sie sind interessiert an unserem Fahrzeug. Zum Abschied bekommen wir eine Visitenkarte. Mr. Gustavo Fischer ist Kriminalbeamter und wenn wir ein Problem haben sollten, bitte bei ihm melden.



Der Küste folgend geht es zurück in die Stadt La Paz, in erster Linie zu einer Apotheke. Meine Stiche plagen mich sehr und Stefan hat uns ein Medikament genannt, welches immun gegen neue Stiche machen  und den Juckreiz lindern soll. Ich sehe nach wie vor aus, wie wenn ich die Masern hätte. Ernest juckt es teilweise auch schon ein wenig - aber er ist ein Mann. Heute soll es noch weiter gehen bis zur Bahia de La Ventana – dort soll es viel Wind haben und die Bucht ist bekannt fürs Skite-Surfen. Nach einer guten Stunde Fahrt, teilweise durch eine recht grüne und mit Laubbäumen bestückte Gegend, fahren wir in der Bucht ein. Als erstes sehen wir den roten VW-Bus von Guido und Mirjam. Die beiden haben wir im Wells Grey, in Kanada, getroffen und ebenfalls stehen Stefan und Sventia hier. Der Wind ist allerdings nicht halb so stark, wie immer gesagt wurde, und auch Guido meint, dass in den letzten paar Tagen infolge zu wenig Wind nicht gesurft werden konnte. Hier auf dem Platz stehen die wirklich „angefressenen“ Surfer. Alle sind sie ausgestattet mit allen erdenklichen Grössen von Brettern, Skites, Bikes, Anzügen und die meisten lagern ihr Arsenal in eigens dafür aufgestellten Zelten, die aussehen wie grosse Partyzelte. Am Abend kommt noch ein Pferd, wie ein streunender Hund, bei uns vorbei und spaziert gemütlich durch das Areal. Es sucht nach heruntergefallenen Datteln. Am nächsten Tag ist es etwas bewölkt, am Morgen aber trotzdem drückend heiss, da der Wind kaum bläst. Mit Stefan und Swantje tauschen wir noch Erfahrungen aus und erzählen von früheren Reisen. Auch erfahren wir, dass die Preise für die Überfahrt vom Baja California aufs Festland von La Paz nach Mazalán drastisch gestiegen sind, nachdem eine japanische Firma die Fährgesellschaft übernommen hat. Für eine Überfahrt mit unserem Bob müsste wir über 1000.- US$ bezahlen und für uns drei kämen nochmals ca. US$ 400.—dazu. Wir werden die Route unserer Weiterreise im Februar nochmals überdenken und allenfalls doch direkt über das Festland nach Mexico reisen. 

Kurzgeschichte 32 – El Angel Azul, La Paz
Ester Ammann kam im Jahre 1995 das erste Mal nach Baja um in Todos Santos zu surfen. Sie verliebte sich in La Paz, kaufte das historische Gebäude und begann im Jahre 1998 mit der Renovation des „El Angel Azul“. Heute noch arbeitet sie täglich an ihrem Traum.
 „El Angel Azul“ wurde im 1999 mit drei Zimmern, einem Restaurant und einer Galerie eröffnet. Zwei Jahre später konnten sieben weitere Zimmer bezogen werden und Esther entschloss sich, das Haus als B&B zu führen.
Die alten Mauern bestechen durch die natürlichen Farben. Der schöne Garten im Innenhof mit vielen Arten von Kakteen und Wüstenpflanzen ist eine wunderbare und erholsame Oase. Alle neun Zimmer, sowie die zwei Suiten im ersten Stock, sind mit Kacheln aus Queretaro und Mosaiken aus Puebla dekoriert und sehr geschmackvoll eingerichtet.
Das Haus liegt mitten in Zentrum von La Paz, einen Block hinter dem Dom und in der Nähe des Malecon, der Strandpromenade. 
Die Wurzeln der Architektur des Hauses gehen in die Mitte des letzten Jahrhunderts zurück. Das Gebäude wurde mit viel Liebe nach historischen Werten umgebaut und renoviert. Die Bauart des heutigen Baus entspricht mit seinen französischen Fensterbögen und den geraden geometrischen Linien dem Baustil der damaligen Zeit. Das Gebäude war früher das Gerichtshaus von La Paz, in welchem sich ebenfalls die Gefängniszelle befunden hat.

Esther freut sich über jede Buchung und über jeden Besuch in Ihrem Haus und ist eine liebenswerte und herzliche Gastgeberin.

www.elangelazul.com



2011                       Mexico - Baja California                            km
14.11.2011/Montag       Bahia de la Ventana (südlich von La Paz)       0
bis
27.11.2011/SonntagBahia de la Ventana


Zwei-Wochenbericht, 14.11. bis 27.11.2011
Baja California/Mexico, Bahia de la Ventana
Wir machen Ferien vom Reisen und sind in der Bahia de la Ventana „hängengeblieben“. Zwei Tage stehen wir auf dem Campingplatz und fahren dann in ein ca. 5 Kilometer nördlich gelegenes „Arroyo“ (ausgetrocknetes Flussbett), direkt am Strand, zu Guido und Miriam aus Wattwil und Fritz und Monika aus Salzburg.



Alle sind sie „angefressene“ Skite-Surfer. Und Ernest hat es auch „gepackt“. Nachdem wir bei Baja Jo‘s in La Ventana einen Trainerkite erstanden haben, gibt uns Fritz liebenswürdigerweise gleich einige „Privatstunden“. Er meint, wir hätten Talent und würden uns schon recht gut mit dem Kite anstellen. Auf den ersten Blick sieht alles sehr spielerisch aus und die „Profis“ versichern uns immer wieder, dass Kiten viel einfacher als Windsurfen sei. Am Montag in der zweiten Woche buchen wir einen Kite-Kurs bei Baja Jo‘s (Mary und Mark). Am ersten Tag finden Trockenübungen an Land mit dem Kite statt. Sicherheit wird in der Kite-Schule von Baja Jo‘s grossgeschrieben, was wir absolut verstehen. Am zweiten Tag soll es bereits ins Wasser gehen. Ich schlafe sehr, sehr schlecht und bekomme „kalte Füsse“. Die Vorstellung, dauernd Wasser zu schlucken, mit dem Kite zu kämpfen und Stürze zu fabrizieren, macht mir Angst und so entscheide ich mich, nicht weiter zu machen.



Ernest ist nach wie vor sehr begeistert und nimmt Privatunterricht. Kiten ist auch ein „Geduldsport“ – hat es keinen oder nur wenig Wind, „hängt“ man herum und wartet auf bessere Zeiten. Hat es viel Wind, ist es für Anfänger wirklich nicht einfach, auf das Brett zu kommen und gleichzeitig den Kite „auf 12 Uhr“ in der Luft zu halten.



Am dritten Tag gelingt es Ernest doch, einige Meter auf dem Brett zu bleiben und ein paar ganz kurze Fahrten zu absolvieren (bevor er dann wieder recht unsanft ins Wasser gespickt wird). Wenn kein Wind ist, verbringen wir die Tage mit Lesen, Schwimmen, Handarbeiten, Spaziergängen und geniessen das Herumhängen.



Am Abend wird meistens „gefachsimpelt“ und am Lagerfeuer werden die täglichen Kitererfahrungen ausgetauscht.



Zur Runde gehören Guido und Miriam, Fritz und Monika und Roman. Um ca. 21 Uhr ist Nachtruhe – „Baja Midnight“. Wir befinden uns hier auf dem 24. Breitengrad, also am unmittelbaren Rand der Tropen (23 Grad und 27 Minuten), das Eindunkeln geht schnell und ab 18.30 ist stockfinstere Nacht. Auffallend ist, dass sich die Campierenden sehr früh in ihre Nester zurückziehen und selbst auf Zeltplätzen ab ca. 19 Uhr totale Ruhe herrscht, von Wochenenden vielleicht abgesehen. Während unseres zweiwöchigen Aufenthaltes hat es auch zwei Mal geregnet. Alle versichern uns, dass dies sehr aussergewöhnlich sei. Die Temperatur tagsüber sind sehr angenehm, geschätzte 30 Grad, und da meist ein Wind geht, sehr gut zu ertragen. In der Nacht kühlt es merklich ab, auf gemessene, durchschnittliche 15 Grad, und deshalb sitzen wir abends in der Regel mit langen Hosen und einem leichten Pullover draussen. 



Zweimal kommt ein Gewitter auf und es regnet recht heftig. Auch Calou geniesst den Aufenthalt hier direkt am Strand der Bahia de la Ventana. Endlich kann er den ganzen Tag frei herum springen, schwimmen und mit den drei  „Nachbarhundedamen“ herumstreunen.



Ein toller Ort für Mensch und Tier! Eigentlich der perfekte Ort.

Kurzgeschichte 33 und 34 -  Skite-Surfers, ein « Völckchen für sich »
Schon am Morgen früh wird spekuliert, ob der Wind nun kommt oder eben doch nicht. Wenn ja, wie stark, wenn nein, warum und wann wohl wieder. Natürlich werden die Wetter-, respektive Windvorhersagen im Internet genau studiert. Meistens stimmen sie nicht! So sitzen sie vor ihren Zelten, Campern und Wohnwagen und bereiten entweder schon ihr Material aus und warten auf den Wind. Die einen gehen erst raus, wenn es wirklich richtig bläst, den anderen ist der Wind dann bereits zu stark. Ja, und dann das Material. Die meisten Kiter verfügen über mindestens 2-3 Kites und 2-3 Boards. Es gibt eine Unmenge an verschiedenen Marken, Grössen und Formen. Die Alterslimite beim Kiten ist nach oben offen. Es gibt sehr viele „over 60-Kiters“ hier in der Baja und der Älteste soll  über 80 sein! Kiten ist nicht nur Männersache, auch viele Frauen stehen auf den Boards – junge hübsche Damen, aber auch das ältere Semester ist vertreten.